„Rubin muss sich selber freischwimmen“

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Vier Einsätze, 74 Spielminuten, kein Tor, ein Assist. Das Lehrjahr des Rubin Okotie beim 1. FC Nürnberg hatte wenige sportliche Highlights zu bieten.

Nach einer schweren Knieverletzung (Knorpelschaden), die ihn monatelang außer Gefecht setzte, musste der Angreifer beim „Club“ zunächst körperliche Defizite wettmachen, ehe er in den erweiterten Kader von Trainer Dieter Hecking aufrückte.

Inzwischen ist Okotie wieder fit und befindet sich mit dem FCN auf Trainingslager im Zillertal, doch an seiner schwierigen Lage hat sich wenig geändert. Auch in der neuen Saison zählt der vierfache ÖFB-Teamspieler nicht zum Stamm, selbst die Rolle des Backups scheint bereits vergeben.

Keine Chance bei Hecking

„Ich plane erst mal nicht mit ihm“, redet Hecking beim exklusiven Interview-Termin mit LAOLA1 nicht lange um den heißen Brei herum. „Es wäre ein verlorenes Jahr, wenn er glaubt, dass er hier bei uns Einsatzzeiten bekommt, weil ich eben etwas anderes im Kopf habe.“

Der 46-Jährige, der den „Club“ in der vergangenen Saison völlig überraschend auf Platz sechs führte, hat konkrete Vorstellungen zur nahen Zukunft Okoties. Dieser solle versuchen, bei einem anderen Klub zu Einsatzzeiten zu kommen, „um zu zeigen, warum wir ihn verpflichtet haben.“

In der Vorbereitungsphase konnte der Stürmer Hecking nicht ausreichend überzeugen, um realistische Stammplatzchancen zu haben. „Die anderen sind von der Qualität her ein Stück weit besser. Mit Pekhart, Eigler und Bunjaku haben wir eben Spieler, die seine Position spielen können. In dieser Rangordnung sehe ich ihn hinten dran. Für Rubin wäre es sinnvoller, ein Ausleihgeschäft in Angriff zu nehmen.“

Ausleihen ja, verkaufen nein

Zugleich betont Hecking, „explizit“ für eine Leihe zu sein, da er in Okotie durchaus das Potenzial sieht, in Nürnberg eines Tages den Durchbruch zu schaffen. Auch betont der Fußballlehrer, dass er mit der Einstellung seines Schützlings zufrieden sei. „Man kann ihm überhaupt nichts vorwerfen.“ Das größte Problem stelle die fehlende Sicherheit dar.

Das Verhältnis zwischen den beiden sei intakt, Okotie wisse von der Einstellung seines Coaches. „Wir haben offen darüber kommuniziert, dass seine Situation auch in der neuen Saison nicht einfacher wird“, so Hecking.

„Er hatte zu Beginn riesige Probleme“

Nicht umsonst wurden im Sommer nach dem Abgang von Julian Schieber (nach Leihe zurück nach Stuttgart) mit Tomas Pekhart (kommt vom FK Jablonec) und Alexander Esswein (Dynamo Dresden) zwei Spieler verpflichtet, die an vorderster Front agieren können.

In Nürnberg wurde der U20-WM-Shootingstar von 2007 immerhin so weit aufgebaut, dass er bei anderen Klubs „sofort in der Lage wäre, zu helfen“. Dabei war es kein leichter Weg, den der in Pakistan geborene Strafraumstürmer beschreiten musste, nachdem der Wechsel von der Austria ins Frankenland fixiert wurde. „Der Sprung von der österreichischen Liga in die Bundesliga ist riesig. Alleine vom Trainingsumfang her hatte er zu Beginn riesige Probleme. Es hat lange gedauert, bis er wieder in einem runden Bewegungsablauf drin war und das Gefühl für den Körper zurück war.“

Geduld neigt sich dem Ende zu

Nach monatelanger harter Arbeit spürt man beim Nürnberg-Trainer, dass seine Geduld sich dem Ende zuneigt und er Leistung erwartet. Daher stellt Hecking unmissverständlich klar:„Rubin muss sich jetzt selber freischwimmen und versuchen, über Spielpraxis Selbstvertrauen zu gewinnen. Er bringt vieles mit, aber es ist wichtig, dass er spielt.“

Mehrere Klubs aus der zweiten deutschen Liga sollen bereits Interesse bekunden haben. Dass dieser Weg funktionieren kann, bewies Martin Harnik. Der 24-Jährige schoss sich 2009/10 mit 13 Treffern für Fortuna Düsseldorf in die Notizbücher des VfB Stuttgart und avancierte bei den Schwaben zum treffsichersten Spieler der vergangenen Spielzeit. Eine Nachahmung wäre im Sinne Okoties wünschenswert.

 

Christoph Nister/Kurt Vierthaler

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