Guardiola und der FC Bayern: Kann das gutgehen?

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Also doch: Pep Guardiola wird neuer Trainer des FC Bayern.

Der Spanier, der sich ein Jahr Auszeit nimmt und in New York an der Columbia Universität als Gasthörer einschrieb, entschied sich gegen die Angebote aus der Premier League und heuert beim deutschen Rekordmeister an.

Zweigeteilte Fußballwelt

Ab Sommer wird der 41-Jährige für drei Jahre das Trainerzepter der Münchner schwingen. Die Fußballwelt ist zweigeteilt ob seiner Entscheidung.

Die einen glauben, Guardiola hätte keine bessere Wahl treffen können, da es zahlreiche Parallelen zwischen seinem Ex-Klub FC Barcelona und dem FC Bayern gibt. Die anderen unken, er würde mit seiner Art nicht an die Isar passen.

LAOLA1 hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und weiß, welche Gründe für/gegen die „Ehe“ Guardiola/Bayern sprechen:

  • Mentalität

„Mes que un club“ ("Mehr als ein Klub") lautet der Slogan der Katalanen. Jenem Klub, der für Guardiola Heimat bedeutet. Zwischen 1984 und 2001 schnürte er als Spieler die Schuhe des spanischen Pokalsiegers, von 2007 bis 2008 war er als Trainer tätig. Zunächst ein Jahr bei der zweiten Mannschaft, wurde er 2008 zum Chefcoach befördert und bescherte dem Verein die wohl erfolgreichste Phase seiner Vereinsgeschichte – u.a. gewann er zweimal die Champions League bzw. dreimal die spanische Meisterschaft.

„Mia san mia“ geben die Bayern als Credo aus, in München wird gerne von der „Bayern-Familie“ gesprochen. Ein nicht unwesentlicher Punkt für Guardiola, war er doch in Barcelona stets in seiner persönlichen Wohlfühloase. Wenngleich es immer wieder Unstimmigkeiten gibt, so arbeiten die Klub-Granden doch immer auf ein Ziel hin: Den FC Bayern noch besser machen. Uli Hoeneß mag nach außen hin arrogant wirken, doch vereinsintern genießt er höchsten Respekt. Ob Spieler, Angestellte oder ehemalige Stars – der Präsident hat für jeden ein offenes Ohr. Das wird auch Guardiola nicht entgangen sein.

  • Geld ist nicht alles

Der FC Chelsea war hinter dem 41-Jährigen her, Manchester City soll ebenfalls seit Monaten die Fühler nach ihm ausgestreckt haben. Von Rekordgagen war die Rede, mehr als 20 Millionen Euro Jahressalär wurden dem Welttrainer von 2009 und 2011 Gerüchten zufolge angeboten. Guardiola, der von vielen als bester Trainer der Welt gesehen wird, ist aber keiner, dem Geld und Macht alles bedeuten.

Der Katalane, der aus der 250-Einwohner-Gemeinde Santpedor stammt, setzt seine Prioritäten anders. Mit den Bayern bekommt er einen Klub, der finanziell auf äußerst gesunden Beinen steht und überaus solide wirtschaftet – Rekordgage wird er im Freistaat daher keine kassieren. Im Gegensatz zu den genannten englischen Vereinen wird das Geld nicht zum Fenster rausgeworfen, Spielertransfers sind stets wohl überlegt. Besonders wichtig: Scheichs und Mäzene haben an der Säbener Straße nichts zu suchen. Der FCB will sich nicht unnötig in die Abhängigkeit einer Einzelperson oder Familie begeben, sondern stets selbst Herr im eigenen Haus bleiben.

  • Die Mannschaft

Guardiola muss vom Spielerpotenzial der Bayern überzeugt sein, sonst hätte er sich nicht für die Münchner entschieden. Verständlich, gilt der deutsche Fußball doch aktuell neben dem spanischen als Nonplusultra auf dem Kontinent. Mit Schweinsteiger, Lahm, Neuer, Kroos oder Gomez vertraut man an der Isar auf zahlreiche Nationalspieler, die das Grundgerüst stellen.

Hinzu kommen ausgewählte Superstars der Kategorie Ribery oder Robben. Zu guter Letzt sollen künftig wieder vermehrt junge Eigenbauspieler wie Alaba, Müller oder Badstuber an die Erste herangeführt und zu Stars geformt werden. Für Guardiola ein Deja-vu, war er doch bereits in Spanien bekannt dafür, hoffnungsvolle Talente behutsam zu integrieren.

  • Erwartungshaltung

Beim FC Bayern zählen nur Titel, das wird auch seinem künftigen Trainer bewusst sein. Zweite Plätze gelten als Niederlage, das bewies nicht zuletzt die vergangene Spielzeit, in der man in allen Klubbewerben einem Konkurrenten unterlegen war. Gepaart mit dem neuen Trainer, der auf seiner Vita Siege in diversen bedeutenden Wettbewerben vorweisen kann, bedeutet dies: Guardiola und der FC Bayern sind zum Siegen verdammt!

Von Beginn muss Erfolg die oberste Prämisse sein, denn die deutsche bzw. Münchner Presse geht mit dem Klub wenig zimperlich um. Keine leichte Aufgabe, hat Guardiola doch nur wenige Wochen Vorbereitsungszeit, um die Mannschaft von seiner Philosophie zu überzeugen. Bizarr: Jupp Heynckes könnte den Druck auf seinen Nachfolger zusätzlich erhöhen, sollte es ihm gelingen, in seiner letzten Saison noch einmal groß abzuräumen.

  • Auslandserfahrung

Der katalanische Star-Trainer hat bislang ausschließlich seinen Heimatverein gecoacht, von Auslandserfahrung keine Spur. Bei Barca war er stets in Watte gepackt worden. Kritik gab es kaum, was angesichts seiner Erfolge auch wenig verwundert. Sollte es bei den Bayern nicht laufen, weht ihm allerdings ein deutlich rauerer Wind entgegen.

Zwar gilt der 47-fache spanische Internationale (fünf Treffer) als Koryphäe auf dem Gebiet der Fußballlehre, im Ausland muss er sich allerdings erst noch beweisen. Neues Land, neuer Klub, neue Spieler – bislang kannte er sein Arbeitsumfeld aus dem Effeff, nun begibt er sich auf neues, bislang unbekanntes Terrain.

  • Sprache

Lange galten die Bayern als Außenseiter im Kampf um die Dienste Guardiolas. Der simple Grund: Dieser spricht kein Deutsch – ein Novum am Weißwurst-Äquator! Zwar mutet es seltsam an, Giovanni Trapattoni Deutschkenntnisse zu unterstellen, doch verstand der Italiener zumindest, wenn man mit ihm auf bayrisch parlierte.

„Es ist nach wie vor ein wichtiges Kriterium, dass der neue Trainer Deutsch spricht“, gab Uli Hoeneß 2009 zum Besten, um anschließend dem des Deutschen mächtigen Louis van Gaal zu präsentieren. Nun offenbar die Kehrtwende, es sei denn, Guardiola nutzt die verbleibende Zeit bis zu seiner Amtsübernahme im Sommer, um sich zumindest auf dem Niveau Trapattonis auf Deutsch unterhalten zu können.

 

Christoph Nister

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