Bayern gegen Dortmund: Mutter aller Spitzenspiele

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FC Bayern gegen Borussia Dortmund, oder auch: Erster gegen Zweiter.

Die deutsche Bundesliga fiebert dem Gipfeltreffen der beiden derzeit stärksten Mannschaften entgegen.

Die Sympathien sind dabei klar verteilt: Hier die Bayern-Fans, dort der Rest aller Fußball-Interessierten.

Die Deutschen wollen endlich wieder einen spannenden Titelfight, nachdem die Münchner in den letzten drei Jahren jeweils einen unvergleichlichen Solo-Lauf hinlegten, der die Meisterschaft frühzeitig (vor)entschied.

"Wenn es jemand schafft, die Bayern zu stoppen, dann Dortmund", lautet aktuell der Tenor, nachdem die Borussen unter Thomas Tuchel wieder eine Macht sind.

Zwar sprechen Kritiker nach zuletzt drei Pflichtspiel-Remis in Folge von einer ersten "Mini-Krise", doch könnte man es auch anders auslegen, schließlich lautet die Bilanz unter Tuchel: 14 Pflichtspiele, keine Niederlage.

Dortmund ist wieder eine Macht. Fraglich ist, ob es schon in dieser Saison zum ganz großen Wurf reicht und man die Bayern ähnlich ärgert wie von 2010 bis 2012, als der Ruhrpott-Riese zweimal in Folge die Meisterschaft "entführte".

Auch die Münchner befinden sich in glänzender Form und sind drauf und dran, die Geschichtsbücher neu zu schreiben. Gelingt auch am Sonntag um 17:30 Uhr (das Topspiel LIVE im LAOLA1-Ticker) ein Dreier, stellt der FCB seinen eigenen Startrekord von acht Siegen en suite aus der Triple-Saison 2012/13 ein.

LAOLA1 nimmt die beiden Kontrahenten unter die Lupe und verrät, warum sich Gastgeber und Gäste berechtigterweise Chancen auf einen Erfolg ausrechnen dürfen.

Ribery? Robben? Beide verletzt und trotzdem läuft's. Was selbst in der letzten Saison noch eine Katastrophe darstellte und schlussendlich auch die Triple-Träume platzen ließ, sorgt bei den Verantwortlichen nur noch für kleine Sorgenfalten. Klar würde Pep Guardiola nur allzu gerne auf sämtliche Stars zurückgreifen, das zur Verfügung stehende Personal überzeugt jedoch auch so auf ganzer Linie. Vor allem Flügelflitzer Douglas Costa schlug ein wie eine Bombe, zehn Assists (Matthias Ginter hält als Zweiter bei sechs) sind Liga-Höchstwert.

 

Generell muss man den Bayern zu einer überaus gelungenen Transferpolitik gratulieren. Guardiola, Sportvorstand Matthias Sammer, Aufsichtsratsboss Karl-Heinz Rummenigge und Michael Reschke, seines Zeichens Technischer Direktor, haben ganze Arbeit geleistet. Costa ist eine Rakete, Kingsley Coman und Joshua Kimmich haben mehrfach ihr riesiges Potenzial angedeutet, zudem kommt Arturo Vidal immer besser mit den neuen Begebenheiten zurecht. Die Mannschaft ist noch breiter aufgestellt und muss sich in puncto Qualität auch international vor niemandem verstecken.

 

Pep Guardiolas beeindruckende Hinrunden-Serie spricht ganz klar für den FCB. Seitdem der Spanier in München anheuerte, gab es 36 Siege und fünf Remis. Niederlagen? Fehlanzeige! Die Bayern haben zuletzt bereits im Herbst ihre Ansprüche eindrucksvoll untermauert und die Liga mit einer nie dagewesenen Dominanz in die Schranken gewiesen, sodass der Käse bereits in der Winterpause gegessen war. Entsprechend selbstbewusst werden die auch in dieser Saison überzeugenden Bajuwaren gegen den BVB auftreten.

 

Dante verkauft, Badstuber verletzt, Benatia ebenso und Martinez wird langsam wieder ans Team herangeführt. Innenverteidiger-Problem hat der FC Bayern dennoch keines. Guardiola lässt ganz einfach Allround-Genie David Alaba zentral spielen und schon scheint das Thema erledigt. "Er kann der beste Innenverteidiger der Welt werden", lobpreist ihn sein Trainer, wenngleich der 23-Jährige selbst lieber links in der Viererkette oder im Mittelfeld spielt. Im Verbund mit Torhüter Manuel Neuer sowie Jerome Boateng und Philipp Lahm in der Abwehrkette ist der FCB aber kaum zu überwinden, wie drei Gegentore (Liga-Bestwert vor dem BVB/6) beweisen.

 

Er ist der Mann der Stunde! Robert Lewandowski befindet sich in der Form seines Lebens und trifft aus allen Lagen. Seinem jetzt schon legendären Fünferpack gegen den VfL Wolfsburg in nur 8:59 Minuten ließ er einen Doppelpack gegen den 1. FSV Mainz 05 folgen, um in der Champions League gegen das bis dahin 45 Pflichtspiele ungeschlagene Dinamo Zagreb einen Hattrick folgen zu lassen. In der Königsklasse trifft er im Schnitt alle 49 Minuten, in der Liga sogar alle 43. Roman Bürki sollte sich schon mal warm anziehen ...

Der Einzige, der es aktuell mit Robert Lewandowski aufnehmen kann, ist Pierre-Emerick Aubameyang. Mit neun Liga-Treffern rangiert der Gabuner nur knapp hinter dem Polen auf Position zwei, alle 66 Minuten darf er sich über einen Treffer freuen. Was für "Auba" spricht: Er ist derzeit noch konstanter als sein bajuwarisches Pendant und knipste in sämtlichen Bundesliga-Begegnungen mindestens einmal. Die Schwarz-Gelben hoffen inständig, dass der 26-Jährige, der erst Ende Juli seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, seine Serie auch in der Allianz Arena prolongieren kann.

 

Der Mannschaft ist es gelungen, den Ballast der verkorksten Vorsaison abzuschütteln und sich wieder auf die eigenen Stärken zu besinnen. Zahlreiche Leistungsträger spielen mindestens zwei Klassen stärker als noch vor einem Jahr. Besonders Henrikh Mkhitaryan ist unter Tuchel aufgeblüht, doch auch Ilkay Gündogan, Shinji Kagawa oder Mats Hummels erleben gerade eine kleine Renaissance. Da ist es durchaus zu verkraften, dass der häufig verletzte Marco Reus noch ein Stück von seiner Bestform entfernt ist.

 

Der Faktor Tuchel spielt eine entscheidende Rolle am aktuellen Erfolgslauf der Borussen. Dem 42-Jährigen ist es in eindrucksvoller Manier gelungen, vermeintlichen Fehleinkäufen wie Mkhitaryan neues Leben einzuhauchen und abwanderungswillige Stars wie Gündogan oder Hummels von einem Verbleib zu überzeugen. "Mir hat es sehr gut gefallen, was er damals gesagt hat, auch die Art und Weise, wie er es getan hat", berichtete etwa Hummels im "kicker" von einem Gespräch mit Tuchel, der ihm offen seine Problemstellen aufzeigte. "Wenn mich ein Trainer zum Bleiben bewegen will, finde ich es sehr gut, dass er mir nicht nur Honig ums Maul schmiert, sondern Klartext redet."

 

Der BVB ist taktisch enorm gereift. Im Vorjahr schien es, als hätte das Team keinen Plan B im petto, inzwischen gelingt es den Westfalen, auf verschiedene taktische Maßnahmen der Konkurrenz zu reagieren. Tuchel gibt offen zu, ein Fan von Guardiola zu sein ("Er ist der Beste"). Entsprechend ist auch seine Philosophie: Weg vom Umschalt- zum Ballbesitzspiel, ohne die Fähigkeit, schnelle Konter zu fahren, zu verlieren. Die Schwarz-Gelben vereinen alle Fähigkeiten, die es braucht, um dem FC Bayern ernsthaft weh zu tun.

 

Die Bilanz der Dortmunder in München kann sich in den letzten Jahren wahrlich sehen lassen. In den vergangenen fünf Saisonen kann der achtfache Deutsche Meister auf eine positive Bilanz in Liga-Gastspielen verweisen. Drei Siegen stehen ein Unentschieden und lediglich eine Niederlage - ein 1:2 in der Vorsaison - gegenüber. Auch das bislang letzte Aufeinandertreffen im DFB-Pokal-Halbfinale der vergangenen Spielzeit sorgte für freudige Gesichter in Schwarz-Gelb. Durch einen Sieg im Elfmeterschießen - Lahm und Alonso rutschten weg - bahnte sich der BVB seinen Weg nach Berlin.


Christoph Nister 

<span style=\'color: #ff0000;\'>FC BAYERN MÜNCHEN <span style=\'color: #ffff00;\'>BORUSSIA DORTMUND
Tore 23 21
Torschüsse 137 120
Unterschiedliche Torschützen 8 8
Bester Torschütze Lewandowski 10 Aubameyang 9
Bester Assistgeber Costa 10 Ginter 6
Passquote 89 Prozent 84 Prozent
Passquote gegnerische Hälfte 84 Prozent 80 Prozent
Spielanteile 68 Prozent 62 Prozent
Gewonnene Zweikämpfe 56 Prozent 55 Prozent
Gegentore 3 6
Torschüsse zugelassen 45 39

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