Scharner in der Bringschuld

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Deutsche Bundesliga: Fünf Thesen, zehn Meinungen

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Pep Guardiolas Wechsel zum FC Bayern überstrahlt derzeit alles im internationalen Vereinsfußball.

Ob in Spanien, Deutschland oder England - der 41-Jährige bestimmt die Themenlage der Gazetten und spaltet die Fußball-Fans.

Doch auch abseits dieses Blockbuster-Transfers herrscht reger Betrieb in den Topligen des Kontinents.

Die Bundesliga greift wieder ein

Während in Italien, Spanien der Ball längst wieder rollt und in England ohnedies nie stillstand, greifen nun auch die Teams der deutschen Bundesliga wieder ins Geschehen ein.

Die Bayern sind der Konkurrenz enteilt und thronen mit neun Punkten Vorsprung an der Spitze. Fans und Experten sind sich einig: Der Titel ist so gut wie vergeben.

Doch auch der Rest der Liga hat einiges zu bieten. LAOLA1 hat fünf Thesen erstellt, wobei jeweils zwei Redakteure divergent argumentieren.

  • Das Dortmunder Klima leidet unter der Sahin-Verpflichtung

PRO - Christian Eberle: Dass Borussia Dortmund mit der Rückholung von Nuri Sahin ein großer Coup gelungen ist, steht außer Frage. Allerdings birgt der Transfer auch einige Gefahren. Der BVB hat sich seit dem Abgang des Türken weiterentwickelt und mit ihm die Spieler, die ihren Platz in der Vereins-Hierarchie gefunden haben. Mit Götze, Blaszczykowski, Bender, Gündogan, Leitner oder Kapitän Kehl tummeln sich im Mittelfeld bereits zahlreiche Protagonisten, deren Konfliktpotenzial sich im Herbst durch Verletzungen "natürlich" regulierte. Bleiben hingegen alle fit, wird es für Jürgen Klopp schwer, mit seinen Rochaden keinen der Spieler, ob nun Ex-Real-Profi oder Jungstar, vor den Kopf zu stoßen.

CONTRA - Alexander Karper: Nuri Sahin ist nicht nur der Königstransfer für Dortmund, sondern für die ganze Liga. Klar benötigt er nach weniger erfolgreichen Gastspielen bei Real und Liverpool Eingewöhnungszeit, negativen Einfluss auf das gefestigte Mannschaftsgefüge der Klopp-Truppe wird er aber mit Sicherheit nicht nehmen. Im Gegenteil. Der 24-Jährige ist aufgrund seiner Klasse eine Bereicherung und wird das Niveau weiter erhöhen. Somit wird der BVB noch variabler, möglicherweise auch in puncto System, und verstärkt sich in der Breite, um auch in diesem Punkt den Bayern Paroli bieten zu können. Zudem würde Klopp mit seinen Mediator-Qualitäten einen drohenden Klima-Wandel sofort im Keim ersticken.

  • Neo-Schalke-Coach Jens Keller ist zum Scheitern verurteilt

PRO - Christoph Nister: Junge, hungrige Trainer gelten aktuell ja als besonders modern und bekommen daher gerne den Vorzug gegenüber dem älteren Semester. So gesehen passt Schalkes Entscheidung, Jens Keller als Frontmann zu installieren, zum aktuellen Trend. Wirklich nachvollziehen kann ich seine Wahl allerdings nicht. Der 42-Jährige, der als Intimus von Teammanager Horst Heldt gilt, konnte sich bei seiner bislang einzigen Bundesliga-Station, dem VfB Stuttgart, nicht durchsetzen und wurde nach zwei Monaten wieder abserviert. Keller mag die einfachste und bequemste Lösung für Heldt gewesen sein, die beste war er sicher nicht. Schalke gilt nicht von ungefähr als Pulverfass, zudem hat der Ex-Kicker kaum Kredit bei den Fans. Ein Projekt, das zum Scheitern verurteilt ist.

CONTRA - Reinhold Pühringer:

Horst Heldt macht Jens Keller zum neuen Chef-Trainer. Moment, das hatten wir doch schon einmal?! Richtig – und zwar wie bereits erwähnt 2010 beim VfB. So recht klappen wollte das damals nicht. Doch warum sollte Heldt Keller jetzt noch einmal zum Chef-Coach bestellen, wenn er von ihm nicht vollauf überzeugt ist? Da ein Mann wie Heldt, der sich im Profi-Geschäft auskennt, nicht zwei Mal den gleichen Fehler machen wird, lässt das nur einen Schluss zu: Keller kann etwas, das er bisher noch nicht zeigen konnte.

  • Arnautovic führt den SV Werder in den Europapokal

PRO - Alexander Karper: Marko Arnautovic ist endgültig in Bremen angekommen und konzentriert sich auf das Wesentliche, den Fußball. Der Herbst war erst der Anfang, mit gesteigertem Selbstvertrauen wird er im Frühjahr sein Torkonto (bisher 5 Treffer) deutlich erhöhen. Trainer Schaaf vertraut dem 23-Jährigen, sein System ist bereits von Arnautovic abhängig. Zudem hat sich Bremen vom Seuchen-Start längst erholt. Mit vereinten Kräften – und einem mit den Aufgaben wachsenden Arnautovic - ist die Europa League noch in Reichweite. Zudem will und wird sich der ÖFB-Teamspieler mit einem starken Frühjahr in die Notizblöcke der Top-Klubs spielen – Interessenten gibt es ja bereits.

CONTRA - Christoph Nister: Bei aller Sympathie für den Exzentriker ist die Erwartungshaltung einfach einen Tick zu hoch. Der 23-Jährige hat eine gute - seine beste - Hinrunde für Werder absolviert, dennoch ist er noch weit davon entfernt, die Mannschaft als Leader anzuführen. Zunächst gilt es, das Werben internationaler Vereine (AC Milan, Fenerbahce) nicht an sich herankommen zu lassen, um den Fokus weiter aufs Wesentliche richten zu können. Arnautovic wirkt ruhiger, abgeklärter, erwachsener. Man sollte dem ÖFB-Kicker allerdings nicht zu viel Druck aufbürden, sondern ihn einfach Schritt für Schritt reifen lassen. Dann kommt der Rest ohnehin von selbst.

  • Paul Scharner hat die größte Bringschuld aller ÖFB-Legionäre

PRO - Peter Altmann: Der abgelaufene Herbst wird nicht das glanzvollste Kapitel in der Autobiographie von Paul Scharner (ein garantierter Bestseller!) darstellen. Und das ist noch vorsichtig formuliert. Der ebenso unschöne wie unnötige Abgang aus dem Nationalteam ging zeitlich quasi Hand in Hand mit seinem Innenbandriss, der sein erstes Halbjahr beim Hamburger SV mehr als holprig werden ließ. Zum Drüberstreuen flog der 32-Jährige in seinem einzigen Einsatz von Beginn an bereits nach 35 Minuten vom Platz. Freilich war viel Pech dabei, aber in Deutschland wird man trotzdem schnell als Fehleinkauf abgestempelt. Es wäre unsinnig, gegen Scharner zu wetten, er hat sich schon aus schlimmeren Sackgassen befreit. Aber in diesem Frühjahr steht zweifelsohne sein in England erworbener guter Ruf auf dem Spiel, deswegen hat er die größte Bringschuld aller ÖFB-Legionäre.

CONTRA - Andreas Terler: Paul Scharner hat gegenüber sich selbst oder seinem Mentalcoach vielleicht eine Bringschuld, es gibt aber Spieler, die für das Nationalteam noch von Relevanz sind und mehr als im Abseits stehen. Wie Emanuel Pogatetz, der im Herbst seinen ganz persönlichen Trainereffekt erlebte. In den ersten acht Runden des VfL Wolfsburg noch gesetzt, kam mit der Ablöse von Felix Magath das Aus. "Es ist eben so bei einem Trainerwechsel", sagte "Mad Dog" damals resignierend, glaubte aber, dass seine Chance kommen werde. Nach einem erneuten Wechsel auf der Trainerbank zeichnet sich in seinem Fall aber keine 180-Grad-Wendung ab. Im letzten Testspiel gegen Hertha BSC war Pogatetz der einzige Spieler auf der Bank, der keine Einsatzzeit bekam. Er wollte Geduld zeigen, aber nun hat er vor einer Bringschuld noch eine Wechselpflicht. Sonst ereilt ihn unter Marcel Koller noch ein ähnliches Schicksal.

  • Das Guardiola-Engagement wirkt sich schon im Frühjahr positiv auf die Bundesliga aus

PRO - Bernhard Kastler: Es ist die spektakulärste Verpflichtung innerhalb der deutschen Bundesliga. Und auch wenn einer der besten Trainer der Welt erst im Sommer zu arbeiten beginnt, dieses Thema wird die Bundesliga in diesem Frühjahr ständig begleiten. Zumal sein Engagement eine Signalwirkung sondergleichen hat. Dieser Mann sorgt für neue Dimensionen. Alle Welt wird beobachten, ob er auch woanders als in Barcelona erfolgreich ist. Und noch wesentlicher: Der eine oder andere Superstar könnte sich im Frühjahr überlegen, die Liga ab Sommer zu bereichern. Diese Liga ist zweifellos schon top, aber in puncto Superstars – da geht noch mehr!

CONTRA - Christian Eberle: Pep Guardiola, Superstar - ja! Pep Guardiola, Entwicklungshelfer - nein! Die Verpflichtung des sympathischen Katalanen ist zweifellos ein Gewinn für die Bayern und die Liga. Aber wieso macht sich Deutschland jetzt plötzlich so schlecht? Die Bundesliga hegt schon seit Jahren den Anspruch, die ausgeglichendste und ob dem Zuschauerschnitt attraktivste Liga zu sein. Und der FC Bayern zeigt nicht erst seit Millionen-Transfers für Robben, Martinez, Toni und Co., dass man Teil von Europas Fußball-Elite ist. Auch die Ex-Trainer Trapattoni und van Gaal gehör(t)en zu den Besten ihres Fachs. Und nur weil Guardiola nun die Bayern trainiert, entscheidet sich Radamel Falcao für Hannover? Ich glaube nicht!

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