Fürth als "Sprungbrett für höhere Aufgaben"

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Von Ried nach Fürth benötigt man mit dem Auto 2 Stunden und 46 Minuten. Kommt Salzburg als Zwischenstopp hinzu, dauert die Fahrt eineinhalb Stunden länger.

Robert Zulj hat diesen Umweg in Kauf genommen. Anstatt im Jänner 2014 direkt nach Deutschland zu wechseln, unterschrieb er bei Red Bull Salzburg und wechselte erst sechs Monate später zum Kleeblatt.

Seinen Abstecher in die Mozartstadt bereut er dennoch nicht, wie Zulj im Gespräch mit LAOLA1 beteuert:

„Ganz im Gegenteil. Das halbe Jahr in Salzburg war sehr lehrreich. Ich habe in einer unglaublichen Mannschaft gespielt. Die Trainingsqualität war auf sehr hohem Niveau. Dazu hatte ich einen super Trainer, der jetzt auch in Leverkusen zeigt, was er kann.“

Schmidt-Abgang ausschlaggebend für Wechsel

Der eben angesprochene Roger Schmidt war der Hauptgrund für Zuljs Kurz-Engagement bei Red Bull.

Er holte den damaligen Ried-Angreifer nach neun Saisontoren und fünf Assists im Winter zu sich in die Mannschaft. Im Werben um den talentierten Offensiv-Spieler setzten sich die „Bullen“ damals auch gegen Klubs aus dem Ausland durch.

„Bekanntlich waren damals mehrere Vereine an mir dran. Aber ich hatte einfach das beste Gefühl bei Salzburg und im Nachhinein fühle ich mich in dieser Entscheidung bestätigt. Ich habe sehr viele Spiele gemacht“, erklärt Zulj, der inklusive Europa League auf 14 Einsätze für Salzburg kam.

Mit dem Abgang von Coach Schmidt im Sommer verlor der 22-Jährige aber seinen größten Förderer innerhalb des Getränke-Konzerns. Die Chancen auf einen Stammplatz waren denkbar schlecht.

Zulj fühlt sich wohl: "Fürth und Ried - das kann man sicher vergleichen"

Im Gespräch wirkt Zulj ausgeglichen. Er vermittelt glaubhaft, dass er sich in Fürth wohl fühlt. Der 22-Jährige genießt das familiäre Umfeld. Es erinnert ihn an seinen alten Verein in Ried. „Fürth und Ried - das kann man sicher vergleichen. Natürlich ist in Fürth alles ein bisschen größer, aber das macht den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland aus.“

Sportlich läuft es für den Klub in dieser Saison noch nicht ganz nach Wunsch. Nach 16 Spieltagen liegt man nur auf Rang neun der Tabelle. Dabei will der Traditionsverein eigentlich um den Aufstieg mitspielen. „Im Sommer gab es einen großen Umbruch. Deswegen ist es normal, dass es am Anfang noch nicht ganz funktioniert. Trotzdem müssen wir jetzt schauen, in den letzten Spielen vor der Winterpause ordentlich zu punkten“, erklärt Zulj.

Vorbild Ibrahimovic

Persönlich will sich der versierte Techniker, der sowohl als Mittelstürmer als auch auf seiner Lieblingsposition hinter der Spitze zum Einsatz kommen kann, bei den „Kleeblättern“ als Spieler weiter entwickeln. Der Verein soll „ein Sprungbrett für höhere Aufgaben sein“. Er eifert seinem Vorbild Zlatan Ibrahimovic nach.

„Er ist einer der wenigen Stürmer, der alles kann. Von ihm kann man sich sehr viel abschauen. Sofern es möglich ist, schaue ich mir jedes Spiel von ihm an“, outet sich der Teilnehmer der U20-WM 2011 als Fan des Schweden.

Auf Nationalteam-Ebene könnte Zulj seinem Idol persönlich begegnen. Doch zu Marcel Koller besteht im Moment kein Kontakt. Dabei nahm der Angereifer im Mai dieses Jahres bereits einmal an einem ÖFB-Teamlehrgang Teil, vor den Spielen gegen Island und Tschechien reiste er aber zur U21-Nationalmannschaft ab.

Eine mögliche EM-Teilnahme 2016 ist für Zulj trotzdem (noch) kein Thema. „Wir haben momentan eine unglaublich gute Mannschaft“, lobt er das ÖFB-Team. „Natürlich ist es von jedem Österreicher der Traum, bei der EURO dabei zu sein. Aber ich spekuliere nicht mit irgendetwas, sondern konzentriere mich auf meine Leistung.“

Von Ried über Fürth nach Paris sind es mit dem Auto übrigens neuneinhalb Stunden. Es ist also noch ein weiter Weg.

 

Jakob Faber

„Der neue Coach (Adi Hütter, Anm.) hat mir gesagt, dass es schwer für mich wird. Warum soll ich dann noch in Salzburg bleiben? Mit 22 Jahren in der österreichischen Bundesliga auf der Bank sitzen war nicht mein Ziel. Also habe ich mich umgeschaut.“

„Warum sollte ich zu Rapid gehen?“

Die Klubs, die bereits im Winter an Zulj interessiert waren, hatten erneut Lunte gerochen. Unter anderem schwirrte auch der Name Rapid in der Gerüchteküche herum.

„Das ist alles über den Berater gegangen. Es gab nie ein konkretes Angebot. Sie haben lediglich angefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Aber warum sollte ich zu Rapid gehen, wenn ich schon bei Salzburg gespielt habe? Mein Ziel war das Ausland“, meint der Stürmer. Gerüchte, wonach er nicht nach Hütteldorf wechseln wollte, weil er mit den Fans schlechte Erfahrungen gemacht habe, bezeichnet Zulj als „kompletten Schwachsinn“.

Statt Wien wurde Fürth zu seiner neuen Heimat. „Dieser Schritt war sicher richtig“, so Zulj. Zunächst sah es für den gebürtigen Welser aber nicht so aus, als würde sich der Wechsel bezahlt machen. In den ersten Runden musste er mit Kurzeinsätzen Vorlieb nehmen.

„Es war ein bisschen komisch. Eigentlich war ich der Wunschspieler des Trainers, plötzlich hat er aber zwei andere Spieler auf meiner Position eingesetzt“, erzählt der ehemalige ÖFB-Nachwuchsnationalspieler.

„Natürlich war es am Anfang schwer für mich“

Nach seinem Doppelpack in der 14. Runde gegen Düsseldorf scheint Zulj der Durchbruch gelungen zu sein. Fünf Mal in Folge stand die hängende Spitze zuletzt in der Startelf. „Natürlich war es am Anfang schwer für mich. Aber ich habe gewusst, dass sich meine harte Arbeit im Training irgendwann auszahlen wird und sich Qualität immer durchsetzt.“

Zu Trainer Frank Kramer pflegt er ein entspanntes Verhältnis: „Ich rede oft mit ihm und bekomme ein gutes Feedback. Er gibt mir mit, dass ich weiter hart an mir arbeiten muss, wenn ich mein großes Ziel, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen, erreichen will.“

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