"Müssen nicht mehr gewinnen"

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Der nächste kleine Schritt in Richtung Bundesliga

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Ingolstadt wartet. Drei Spiele sind in der 2. deutschen Bundesliga noch zu spielen und weiterhin ist die endgültige Entscheidung um den Aufstieg in Liga eins nicht fixiert.

Zuhause im Derby gegen Nürnberg, bei ungeteilter Aufmerksamkeit, so malten sich die Fans vor zwei Wochen noch den finalen Schritt aus. Ein Remis am vergangenen Wochenende bei Union Berlin machte diesen Plan allerdings vorzeitig zunichte. Und auch gegen den Club reichte es am Montagabend nur zu einer Punkteteilung.

Unruhig wird beim FCI jedoch niemand, denn mit immer noch sieben Punkten Vorsprung auf Relegationsrang drei bleibt der Aufstieg reine Formsache.

„Der Punkt heute fühlt sich nicht so gut an, wie der in Berlin, weil wir die Partie nicht gedreht, sondern eine Führung aus der Hand gegeben haben“, gibt Coach Ralph Hasenhüttl zu, stellt aber auch klar: „Wir sind in der glücklichen Situation, nicht mehr gewinnen zu müssen, diesen Luxus haben wir uns erarbeitet. Wichtig ist, dass wir nicht verlieren.“

Partie auf Messers Schneide

Eine Niederlage hätte es, im mit 15.000 Zuschauern zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauften Audi Sportpark, durchaus setzen können. Nach 90 Minuten intensiven Minuten mit wenigen klaren Torchancen waren es nämlich die Schanzer, die unter dem Strich Glück hatten.

Zwar kam mit dem zur Pause für den verletzten Mathew Leckie eingewechselten Lukas Hinterseer mehr Schwung in das Ingolstädter Angriffsspiel, für den Führungstreffer in Minute 70 musste Clubberer Javier Pinola aber per Eigentor herhalten.

Der Routinier konnte seinen Fauxpas zwei Minuten später mit einer Flanke auf Danny Blum, der unhaltbar für Keeper Ramazan Özcan einköpfte, wieder gutmachen. Die beiden Treffer innerhalb kürzester Zeit blieben die Höhepunkte in einem Spiel, das kampfbetont geführt wurde und in dem Schiedsrichter Markus Schmidt nicht immer richtig lag.

Vor allem in der Schlussphase hielt es die Nürnberger Bank nicht mehr auf ihren Plätzen, als aussichtsreiche Konter von Pfiffen des Unparteiischen unterbunden wurden.

Man hat keinen großen Unterschied gesehen

„Es wäre noch mehr drinnen gewesen. Es gab aber einige unglückliche Schiedsrichterentscheidungen“, meinte auch Guido Burgstaller. Insgesamt zeigte sich der Ex-Rapidler in Diensten des 1. FCN aber zufrieden mit der Darbietung seines Teams. „Man hat nicht groß gesehen, wer Erster und wer Zwölfter ist. Es war ein sehr kampfbetontes Spiel und am Ende ein gerechtes Unentschieden. Wir haben gezeigt, dass wir mit Ingolstadt mithalten können und haben in beiden Spielen nicht verloren. Das zeigt, dass nicht viel fehlt. Das müssen wir in die nächste Saison mitnehmen.“

Hinterseer, der wegen einer leichten Bronchitis erst am Samstag wieder ins Training eingestiegen war und deshalb nicht in der Startformation aufschien, lenkte in der 89. Minute noch einen Eckball an die eigene Stange und sorgte damit für kurzes Zittern auf den Rängen.

Mit dem Unentschieden konnte auch der Tiroler letztlich gut leben. „Wir genießen die Situation, sind Tabellenführer und haben 60 Punkte. Wir haben heute gegen einen guten Gegner gespielt und einen Punkt mitgenommen, der kann am Schluss auch sehr wichtig sein und dann machen wir es eben nächste Woche in Bochum.“

Ramazan Özcan weiß genau, "was wir noch zu investieren haben"

Der achtfache Saisontorschütze freute sich nicht nur über die Atmosphäre („Es ist schon eine richtige Euphorie entstanden. Wenn das Stadion größer wäre, wären heute noch mehr Leute gekommen.), auch das Österreicher-Treffen auf dem grünen Rasen hatte seinen Reiz.

"Jeder will uns vom Thron stürzen"

„Wir haben vor dem Spiel kurz miteinander geredet und uns alles Gute gewünscht, das gehört dazu“, meinte Alessandro Schöpf, der für ein ausgeglichenes 2:2-Verhältnis auf Spieler-Seite sorgte. Für den Ex-Bayern ist der Aufstieg seiner Landsmänner zu „80 Prozent“ sicher: „Sie sind schon sehr, sehr nah' dran, es wird schwer, sie noch einzuholen. Ich denke nicht, dass sie sich das in den letzten drei Spielen nehmen lassen.“

Özcan, der seine Schrecksekunde in Halbzeit eins hatte, als er einen Ball zwischen den Händen hindurch flutschen ließ, ist ebenfalls guter Dinge und lässt sich im Finish nicht aus der Ruhe bringen.

„Die Jungs hören ja die letzten Wochen jeden Tag: Wann ist es fix, wann macht ihr es? Dann hast du vor ausverkauftem Haus mit geiler Stimmung das Derby, dass da der eine oder andere noch ein bisschen nervös ist, ist ganz normal“, wollte der Schlussmann das zweite Unentschieden in Folge nicht überbewertet wissen.

„Wir wissen, was wir noch zu investieren haben. Viele Leute haben schon im November, Dezember gesagt, das Ding ist durch und wir mussten darüber schmunzeln. Wir mussten in jedem Spiel hart kämpfen, die Partien waren auch immer eng“, erinnerte „Rambo“ und gab zu bedenken, dass die Gegner im Frühjahr mit besonderer Leidenschaft agieren, wenn der FCI anrückt: „Jeder will uns vom Thron stürzen, jeder ist doppelt motiviert wenn der Spitzenreiter kommt. Das war bei uns nicht anders, als wir hinten drin gestanden sind und jetzt bekommen wir es selbst zu spüren.“

So wird es auch am kommenden Sonntag sein, wenn Ingolstadt in Bochum versucht, mit einem Sieg endgültig alle rechnerischen Spielereien obsolet zu machen. Damit dann auch die Fragen aufhören, wann die Schanzer nun endlich den Aufstieg fixieren.

 

Christoph Kristandl 

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