Der Rubin rollt wieder

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Für Rubin Okotie ist das Beste noch nicht vorbei

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Rubin Okotie kommt auf seinem Fahrrad vom Training bei 1860 München.

„Jetzt lässt es das Wetter auch wieder zu“, grinst der 27-Jährige bei strahlendem Sonnenschein.

Das Trainingsgelände an der Grünwalderstraße ist zwei Autominuten von seinem Zuhause und jener Pizzeria entfernt, in der sich der ÖFB-Teamstürmer zum Interview-Termin mit LAOLA1 verabredet hat.

Verletzung nach Traumjahr

Der freundliche Inhaber nennt den österreichischen Stürmer-Legionär „Rubino“. Der hat vor allem im Jahr 2014 geglänzt, als er nach dem enttäuschenden Aus bei der Wiener Austria gleich 28 Mal traf.

Nach elf Toren für SönderjyskE folgten 15 für 1860 in Liga und Pokal sowie seine ersten beiden im Nationalteam gegen Montenegro und Russland.

Noch im November riss sich der Wiener ein Innenband im Knie ein, spielte aber bis inklusive Februar weiter. „Ein Fehler“, wie er zugibt.

Nun ist der Angreifer jedoch zurück und spricht vor seinem möglichen Comeback auch über David Alaba, Zlatan Ibrahimovic und Diego Costa.

LAOLA1: Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir?

Rubin Okotie: Mir geht es sehr gut. Die Pause dauerte sieben Wochen, der Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining war eigentlich schon für vergangene Woche geplant, da wollte der Arzt aber kein Risiko eingehen. Am Dienstag habe ich dann erstmals wieder mittrainiert und mich gut gefühlt, viel Spaß gehabt. Ich habe keine Schmerzen, es ist wirklich alles gut gegangen.

LAOLA1: Also steht einem Comeback am Samstag gegen Düsseldorf nichts im Wege.

Okotie: Ich hoffe natürlich darauf, aber am Ende entscheidet der Trainer, wie weit er mich schon sieht. Die sieben Wochen waren schon hart. Ich war zwar schon länger verletzt, aber jeder Tag bei so einer Pause ist ein schwieriger. Auch weil es in einer wichtigen Phase war. Das hat mich geärgert, man muss es letztlich aber nehmen, wie es ist, positiv bleiben und auch daraus lernen.

LAOLA1: Woraus genau lernen?

Okotie: Das Problem war, dass es schon im November passiert ist. Ich habe dann noch ewig gespielt und deswegen hat es sich dann verzögert. Im Nachhinein bin ich froh, dass mir so etwas wie gegen Ingolstadt passiert ist, damit ich es wirklich ausheilen lassen konnte. Jetzt merke ich, dass ich damals gar nicht fit war. Nun kann ich wieder ordentlich sprinten und schießen, was vorher nicht der Fall war. Es war nicht förderlich, dass ich noch zwei Monate weiter gespielt habe.

LAOLA1: Dein tolles Jahr 2014 sollte wohl nicht auf diese Weise zu Ende gehen.

Okotie: Natürlich wusste ich, dass noch extrem wichtige Spiele anstünden, vor allem jenes gegen Russland wollte ich nicht verpassen. Ich hätte einfach ab Dezember pausieren sollen, weil da die Schmerzen auch schon groß waren.

Rubin Okotie kam mit dem Rad zum LAOLA1-Interview

LAOLA1: Wünscht du dir für Alexandar Dragovic, dass er bald zu einem Top-Klub wechselt?

Okotie: Ich habe ihn länger nicht gesehen, aber beim Nationalteam vergangenen Herbst habe ich gemerkt, wie toll er sich wieder entwickelt hat. Ich hoffe, dass er bald den nächsten Schritt zu einem sehr guten Verein macht. Er ist schon jetzt bei einem sehr guten, ich wünsche ihm, dass es ein noch besserer wird. Er hat auch die Geduld. In jeder Transferzeit wird er mit Top-Vereinen in Verbindung gebracht, da muss man auch mental stark sein, um weiter seine Leistungen zu bringen. Das ist schon bemerkenswert.

LAOLA1: Hast du eine andere favorisierte Top-Liga neben jener in Deutschland?

Okotie: Ich bin mit dem Ziel hergekommen, in die Deutsche Bundesliga aufzusteigen. Ich war bei Nürnberg schon einmal in der Bundesliga, da konnte ich meine Chance aufgrund einer Verletzung nicht nützen. Deswegen will ich noch einmal dorthin und zeigen, was ich kann.

LAOLA1: Fiva, eine Münchner Rapperin, singt „Das Beste ist noch nicht vorbei“. Trifft das auf dich zu?

Okotie: (lacht) Ja, so alt bin ich noch nicht. Ich bin in einem guten Alter, es ist noch einiges möglich.

LAOLA1: Was hast du dir eigentlich öfter angesehen: Dein Tor gegen Russland oder die Szene mit Zlatan Ibrahimovic?

Okotie: (lacht) Das mit Ibrahimovic habe ich öfters gesehen. Ich wurde auch von Freunden oft markiert, das habe ich lustig gefunden. Das Tor gegen Russland habe ich ein paar Mal gesehen.

LAOLA1: Der damalige „Roar“ im ausverkauften Happel bleibt dafür wohl in ewiger Erinnerung.

Okotie: Ja, diese Explosion der Emotion war schon brutal.

LAOLA1: Zurück zu Zlatan: Was war da los? Was hat er zu dir gesagt?

Okotie: Ich war ihm beim Eckball zugeteilt, dann habe ich ihn weggestoßen und er hat mich dann so angesehen und meinte, ich solle ihn nicht berühren. Aber ich kann da auch keine Show machen, ich muss ihn verteidigen. Wenn er das Tor macht, dann stehe ich als Trottel da. So musste ich ihn ansehen, den Ball ansehen – und dann hat das alles ein wenig komisch ausgesehen (lacht). Wir haben uns aber dann auf die Ecke konzentriert. Er ist ein super Spieler, aber am Spielfeld denkst du nicht, wer das ist, sondern, dass du besser als dein Gegenspieler sein willst.

LAOLA1: Welcher Stürmer taugt dir im Moment?

Okotie: Diego Costa. Ich habe ihn in der Champions League von der Bank aus gesehen und dachte mir schon, das ist ein richtig geiler Stürmer. Er ist auf der einen Seite kraftvoll, hat aber auch eine Leichtigkeit. Er ist ein kompletter Stürmer, schnell, hat eine tolle Technik und einen guten Abschluss. Da kann man sich einiges abschauen. Er ist zwar ein Heißsporn, aber jeder hat doch seine Stärken und Schwächen.

LAOLA1: Vielleicht trefft ihr euch ja bei der EM. Darf man Platz 1 überhaupt noch hergeben?

Okotie: Wir haben aus eigener Kraft die Chance, dieses Ziel zu erreichen. Und es wäre höchste Zeit. Wenn man nach der Hälfte Erster ist und so eine Ausgansposition hat, dann muss man die Situation mit aller Macht verteidigen. Die Mannschaft ist im besten Alter, es wäre superschön, diesen Traum zu verwirklichen.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Warum war 2014 dein Jahr?

Okotie: Im Nachhinein war mir klar, dass ich zuvor im körperlichen Bereich einige Dinge nicht so optimal gemacht habe. Ich war nie bei 100 Prozent, weil ich ständig zu viel gemacht habe und dann am Spieltag nicht so fit war, wie ich es sein sollte. Das war dann ein Teufelskreis. Ich wollte immer mehr, trainierte dann mehr, war immer am Anschlag, aber nie am Punkt fit.

LAOLA1: Und dann kam Fitness-Guru Heini Bergmüller.

Okotie: Ich arbeite mit ihm nun schon fast zwei Jahre zusammen und er hat mir sehr geholfen. Er hat mein Training gesteuert. Wenn man sich nicht gut fühlt, versucht man verschiedene Dinge und so bin ich zu Heini gestoßen. Da haben wir eine gezielte Analyse gemacht und fortan versucht, die Schwächen auszumerzen. Da haben wir schnell gemerkt, dass es in die richtige Richtung geht. Zumal ich im Training auch vorher schon erkannt habe, dass ich Qualität habe. Es bringt aber alles nichts, wenn man im Training viele Tore schießt, und dann am Spieltag nicht die Leistung abrufen kann.

LAOLA1: Du warst bei einigen Vereinen. Hättest du irgendetwas komplett anders machen sollen?

Okotie: Im Nachhinein ist man immer klüger, aber ich konnte von jeder Station etwas mitnehmen. In St. Truiden habe ich mich zwar verletzt, aber einen super Reha-Typen kennengelernt. Der hat mir extrem geholfen und mir einen riesigen Schub gegeben. Man muss sich einfach immer selbst hinterfragen und dann schauen, was man von einer Zeit bei einer Station mitnehmen kann.

LAOLA1: Hat es dir wehgetan, wie es bei der Wiener Austria am Ende gelaufen ist?

Okotie: Es war nicht schön, weil ich mit großen Ambitionen und Hoffnungen zurückgekommen bin. Aber es hat da von Anfang an nicht so gepasst. Trotzdem war es wichtig, rein aus persönlicher Sicht. Ich habe etwa Leute wieder getroffen, die immer hinter mir gestanden sind.

LAOLA1: Dein Wechsel von der Austria zu SönderjyskE hat sich 2014 als goldrichtig entpuppt.

Okotie: Das war ein extrem wichtiger Schritt, weil ich zuvor auch kaum gute Statistiken vorzeigen konnte. Das ist aber als Stürmer natürlich wichtig. Es war schön, das dann auch am Platz zu zeigen.

LAOLA1: Du hast die Austria verlassen und bist in Dänemark explodiert, Roman Kienast trifft nun in Graz und Ola Kamara traf in den ersten drei Spielen für Molde vier Mal. Alles nur Zufall?

Okotie: Ob es Zufall ist, kann ich nicht sagen. Immer wenn Roman gespielt hat, hat er seine Leistungen gebracht und seine Tore erzielt. Kamara kenne ich weniger, da kann ich nicht viel sagen. Wenn du die Chance nicht bekommst, oder nur über Kurzeinsätze, ist es schwierig, zu überzeugen.

LAOLA1: Du hast bei 1860 einige Spiele zuschauen müssen. Aber über einen Last-Minute-Sieg wie vergangenes Wochenende gegen Bochum kann man sich wohl auch auf der Tribüne freuen, oder?

Okotie: Das war wirklich ein schöner Moment, als das ganze Stadion aufgesprungen ist. Es sind auch bei mir große Emotionen freigeworden, die Mannschaft ist auf dem Feld ausgezuckt. Das war cool!

LAOLA1: Wie wichtig wäre der Klassenerhalt nicht nur für den Klub, auch für dich persönlich?

Okotie: Sehr wichtig, denn ich fühle mich wohl in München. Mein Sohn ist hier zur Welt gekommen, meiner Familie geht es gut. Natürlich haben wir uns die Saison anders vorgestellt, aber wir können sie mit dem Klassenerhalt noch retten.

LAOLA1: Wo wirst du kommende Saison spielen?

Okotie: Mein Vertrag läuft noch bis 2016, deswegen gehe ich davon aus, dass ich nächste Saison bei 60 spiele. Ich werde mich jetzt voll auf die restliche Saison konzentrieren, alles danach wird man dann sehen.

LAOLA1: Bremen soll an dir im Winter schon interessiert gewesen sein. Bei einem entsprechenden Angebot wirst du wohl auch überlegen.

Okotie: Wenn ich das nicht machen würde, wäre das komisch. Mein Berater hat sich aber auch im Winter-Trainingslager mit Gerhard Poschner punkto Vertragsverlängerung unterhalten. Aufgrund der sportlichen Situation wollten wir aber bis Sommer zuwarten und dann schauen, wie es weitergeht.

LAOLA1: Spielt das neue Leben als Familienvater eine entscheidende Rolle? Nomadenleben ade?

Okotie: Das Umziehen ist für mich eigentlich kein Problem. Aber natürlich ist es nun anders, weil ich eine Familie habe.

LAOLA1: Wie hat sich dein Leben als Jung-Vater und Neo-Ehemann verändert?

Okotie: Es ist ein unglaubliches Gefühl heimzukommen und dein Sohn lächelt dich an. Es gibt wirklich nichts Schöneres. Ich weiß aber nicht, ob ich mich seither so verändert habe. Natürlich verändert sich die Perspektive ein bisschen, die Familie ist wichtiger als Fußball. Früher war das die Nummer eins.

LAOLA1: David Alaba wohnt auch in München. Habt ihr die Leidenszeit gemeinsam verbracht?

Okotie: Wir schreiben uns und telefonieren, aber bei der Rehabilitation geht dann natürlich jeder seine eigenen Wege. Ansonsten verbringe ich auch die meiste Zeit mit meiner Familie.

LAOLA1: Was hat Alaba früher schon so gut gemacht?

Okotie: Es war von Tag eins an beeindruckend, welche Leichtigkeit er mitgebracht hat. Das war damals das Trainingslager auf Marbella, wo er und Drago (Aleksandar Dragovic, Anm.) mit dabei waren. Dann ging es ums Halten des Balles auf engem Raum, es gab also viele Drucksituationen und er traf immer die richtige Entscheidung. Er hat keinen Ball verloren und gespielt, als wäre er schon damals ewig bei den Bayern. Da war er aber erst 15 Jahre. Das war Wahnsinn.

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