Unvergessene Tage

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Unvergessene Tage und Momente der WM-Geschichte

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Es sind Tage wie diese.

Alle vier Jahre kommt es zu jenem großen Showdown, auf den die Fußball-Welt zuvor Tage, Wochen und Monate hinfiebert.

Die Endspiele einer Weltmeisterschaft bleiben alleine schon wegen ihres Seltenheitswertes unvergessen.

Doch freilich liefern auch die Partien an sich immer wieder denkwürdige Momente, an die sich die Anhänger später gerne oder weniger gerne erinnern.

Am Sonntag kommt es im Maracana zu Rio de Janeiro zwischen Deutschland und Argentinien zum 20. und damit einem Jubiläums-WM-Finale (ab 21 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker).

Ehe sich entscheidet, ob der DFB zum vierten Mal die Trophäe mit nach Hause nimmt oder die Südamerikaner zum dritten Mal nach einem Turnier jubeln dürfen, begibt sich LAOLA1 auf eine spannende Zeitreise.

WM 1930, Mittwoch, 30. Juli, 19:30 (MEZ), Estadio Cententario, Montevideo

URUGUAY - ARGENTINIEN 4:2

Tore: Dorado (12.), Cea (57.), Iriarte (57.), Castro (89); Peucelle (20.), Stabile (37.)

Schiedsrichter: John Langenus (BEL)

Das erste WM-Finale der Geschichte stieg vor 93.000 Zuschauern im Estadio Cenentario zu Montevideo. Der erste Final-Schiedsrichter hieß John Langenus, der Belgier willigte erst Stunden zuvor ein, unter der Bedingung, dass ein Boot zur etwaigen Flucht bereitstünde. Zudem bat er um eine Leibwache hinter jedem Tor. Im Vorfeld kam es zu Streitigkeiten um den Ball, nämlich welcher Verband selbigen zur Verfügung stellen würde. So wurde in Hälfte eins mit einem argentinischen Ball gespielt, in Hälfte zwei mit einem der Urus. Den Fans wurden vor dem Stadion die Revolver abgenommen. Das Duell der beiden herrschenden Fußball-Mächte in Südamerika ging schließlich an den Gastgeber. Das erste WM-Final-Tor erzielte Uruguays Pablo Dorado in Minute 12. Argentinien drehte die Partie dank eines Treffers des ersten WM-Torschützenkönigs Guillermo Stabile (37.), musste sich aber nach der Pause noch geschlagen geben. FIFA-Präsident Jules Rimet schrieb später in seinen Memoiren: "Nie zuvor habe ich solche Beispiele von emotionaler Leidenschaft, Enthusiasmus und Begeisterung erlebt, wie sie dieser Sieg freisetzte."



WM 1934, Sonntag, 10. Juni 1934, 17:30 Uhr, Stadio Nazionale, Rom

ITALIEN - TSCHECHOSLOWAKEI 2:1 n.V.

Tore: Orsi (81.), Schiavo (95.); Puc (71.)

Schiedsrichter: Ivan Eklind (SWE)

Auch die zweite Weltmeisterschaft konnte sich der Gastgeber sichern, im zweiten Endspiel kam es dabei zur erstmaligen Verlängerung. Vor 55.000 Zuschauern im Stadio Nazionale zu Rom gingen die Tschechen durch Antonin Puc spät in Führung, doch die Italiener konnten ausgleichen sowie in der Verlängerung nach nur fünf Minuten den Sieg herstellen. Angelo Schiavo traf für die Truppe von Vittorio Pozzo, in der sich mit Giuseppe Meazza auch der spätere Namensgeber für das weltbekannte Stadion in Mailand befand. Italien, das Österreich (später Vierter nach 2:3 im kleinen Finale gegen Deutschland) im Halbfinale 1:0 bezwang, war zwar dominant, spielte aber auch überhart, der schwedische Schiedsrichter ließ gewähren. "Was sich auf dem Rasen abspielte, hatte mit Fußball und Sport gar nichts mehr zu tun", urteilte später der "Kicker". Zumal mit Luis Monti, Raimundo Orsi und Enrique Guaita drei Spieler in der Startelf standen, die 1930 noch das WM-Finale für Argentinien spielten. Italienische Vorfahren wurden plötzlich entdeckt...

 

WM 1938, Sonntag, 19. Juni 1938, Stade Olympique de Colombes, Paris

ITALIEN - UNGARN 4:2

Tore: Colaussi (6., 35.), Piola (16., 82.); Titkos (8.), Sarosi (70.)

Schiedsrichter: Georges Capdeville (FRA)

Bei der dritten Weltmeisterschaft konnte mit Italien ein Team erstmals in einem anderen Land den Turniersieg landen sowie auch den Titel erstmals verteidigen. Doch aus dem 34er-Finale waren nur noch Kapitän Giuseppe Meazza und Giovanni Ferrari dabei. Natürlich aber auch noch Weltmeister-Trainer Vittorio Pozzo. Vor 55.000 Zuschauern in Paris konnten die Ungarn Italiens Führung schnell ausgleichen, doch das 3:1 noch vor der Pause war zugleich die Vorentscheidung. Die Squadra Azzura zeigte sich effizienter, Ungarn starb in Schönheit. Italien kam in vier Spielen mit nur 14 Spielern aus. Es sollte die letzte WM für eine lange Zeit sein, denn nur ein Jahr später brach der zweite Weltkrieg aus.

 

WM 1950, Sonntag, 16. Juli, 19 Uhr, Estadio do Maracana, Rio de Janeiro

URUGAY - BRASILIEN 2:1

Tore: Schiaffno (66.), Ghiggia (79.); Friaca (47.)

Schiedsrichter: George Reader (ENG)

Bereits 1950 fand das Turnier erstmals in Brasilien statt - und es endete ähnlich tragisch für den Gastgeber wie 64 Jahre später. Damals allerdings erst im letzten Spiel. Die WM wurde dabei nicht in einem klassischen Endspiel entschieden, es wurde eine Finalrunde zwischen Brasilien, Uruguay, Schweden und Spanien ausgespielt. Am letzten Spieltag kam es zum Duell zwischen Uruguay und Brasilien, das die Gäste vor der Wahnsinns- und Weltrekord-Kulisse von 200.000 Zuschauern mit 2:1 für sich entscheiden konnten. Dabei führte die Selecao, die die Schweden (7:1) und Spanien (6:1) zuvor abschoss und der ein Remis reichte. Keiner setzte auch nur irgendetwas auf den Außenseiter. Doch die tapferen Urus (Keeper Maspoli: "Wir wussten, dass diese Kulisse für Brasilien Himmel, aber auch Hölle sein konnte") drehten die Partie und holten sich ihren zweiten und bislang letzten Titel. Brasilien versank nach dem Maracanaco ("Schock von Maracana") im Tal der Tränen, die bis dahin weißen Trikots wurden fortan nie mehr getragen. FIFA-Präsident Jules Rimet, der beim Stand von 1:1 zur Siegerehrung Richtung Feld ging, erinnerte sich: "Als ich auf den Platz kam, herrschte im Stadion eine Totenstille. Die Menschenmenge brach langsam auf, wie wenn sie vom Friedhof käme. Funktionäre und brasilianische Spieler gratulierten den Siegern mit einer traurigen, aber zugleich herzlichen Verbeugung." Nach dem Spiel blieben auf den Rängen vier Tote zurück, mitunter sollen sie sich ob der Trauer das Leben genommen haben...

 

WM 1954, Sonntag, 4. Juli, 17 Uhr, Wankdorfstadion, Bern

DEUTSCHLAND - UNGARN 3:2

Tore: Morlock (10.), Rahn (18., 84.); Puskas (6.), Czibor (8.)

Schiedsrichter: William Ling (ENG)

Dieses Finale ging als "Wunder von Bern" in die Geschichte ein. Abermals konnte sich der Favorit nicht durchsetzen, abermals konnte der Underdog das Spiel drehen, erstmals gewann Deutschland einen WM-Titel. Es wurde als Weltsensation festgehalten, als die Deutschen, die nach einem 6:1 gegen Österreich (das später durch ein 3:1 gegen Uruguay zum ersten und einzigen Mal WM-Dritter wurde) das Finale erreichten, ein frühes 0:2 doch noch drehen konnten. Angeführt von Kapitän Fritz Walter erzielten Max Morlock und zwei Mal Helmut "Boss" Rahn die Treffer, Letzterer sechs Minuten vor Schluss vor 62.500 Zuschauern. Ähnliche viele feierten die Mannschaft von Sepp Herberger später in München.

 

WM 1958, Sonntag, 29. Juni, 15 Uhr, Rasunda, Stockholm

BRASILIEN - SCHWEDEN 5:2

Tore: Vava (9., 32.), Pele (55., 90.), Zagallo (68.); Liedholm (4.), Simonsson (80.)

Schiedsrichter: Maurice Guigue (FRA)

Lange mussten die brasilianischen Fans auf den ersten WM-Titel warten, viele Tränen wurden vor allem 1950 vergossen, ehe es dann 1958 schließlich so weit war: Bei der ersten Weltmeisterschaft des erst 17-jährigen Pele, der im Finale zwei Mal traf und dabei einmal extra sehenswert nach einem Heber über den Verteidiger, konnte die Selecao einen klaren Endspiel-Sieg gegen den Gastgeber einfahren. Pele netzte im Turnier sechs Mal, Torschützenkönig wurde aber der Franzose Just Fontaine mit unglaublichen 13 Treffern in sechs Spielen. An einem nasskalten Sonntagnachmittag vor 50.000 Zuschauern in Stockholm zauberte vor allem Garrincha auf der rechten Seite und es wurden einige Rekorde erzielt: Das torreichste Finale, der höchste Sieg, der jüngste Torschütze (Pele, 17 Jahre, 249 Tage), der älteste Torschütze (Liedholm, 35 Jahre, 263 Tage), die wenigsten Zuschauer. Am Ende weinte Brasilien in Form von Pele wieder - dieses Mal aber aus Freude.

 

WM 1962, Sonntag, 17. Juni, 19:30 Uhr, Estadio Nacional, Santiago de Chile

BRASILIEN - TSCHECHOSLOWAKEI 3:1

Tore: Amarildo (17.), Zito (69.), Vava (78.); Masopust (15.)

Schiedsrichter: Nikolay Latyshev (UDSSR)

Ohne den verletzten Pele konnte Brasilien nach Italien als zweite und als bislang letzte Mannschaft den Titel im Finale verteidigen. Die Europäer schafften es wieder in ein Endspiel und konnten vor 60.000 in Santiago de Chile zu Beginn sogar überraschen, doch die Führung von Masopust wurde schnell ausgeglichen. Es war im Gegensatz zu früheren und späteren Endspielen kein großes Finale. Brasilien, das Gastgeber Chile 4:2 im Halbfinale bezwingen konnte, setzte sich letztlich verdient gegen die "blonden Männer aus Prag" durch.


WM 1966, Samstag, 30. Juli, 16 Uhr, Wembley Stadium, London

ENGLAND - DEUTSCHLAND 4:2 n.V.

Tore: Hurst (18., 101., 120.); Haller (12.), Weber (90.)

Schiedsrichter: Gottfried Dienst (SUI)

Wer an das Endspiel 1966 - der 200. WM-Partie - denkt, denkt automatisch an das weltberühmte Wembley-Tor. In der 101. Minute schoss Geoff Hurst an die Latte. Der Ball prallte von dieser auf den Boden - und keiner wusste, ob das Leder hinter der Linie war. Die Engländer jubelten, der Schweizer Schiedsrichter Dienst wirkte ratlos und lief zu seinem sowjetischen (heute aserischen) Linienrichter Tofiq Bachramov. Der war viel weiter weg und hatte die englischen Fans im Rücken - natürlich gab er also das Tor. Deutschland, das mit Franz Beckenbauer und Uwe Seeler im Team davor kurz vor Schluss ausglich, nahm es halbwegs mit Fassung, verlor letztlich durch den dritten Hurst-Treffer 2:4. Spätere Studien ergaben, dass der Ball die Linie nicht vollends überschritt. England, das Mutterland des Fußballs, wurde im eigenen Land zum ersten und einzigen Mal Weltmeister.


WM 1970, Sonntag, 21. Juni, 19 Uhr, Aztekenstadion, Mexiko City

BRASILIEN - ITALIEN 4:1

Tore: Pele (18.), Gerson (66.), Jairzinho (71.), Carlos Alberto (87.); Boninsegna (37.)

Schiedsrichter: Rudi Glöckner (DDR)

Wieder wurde Brasilien Weltmeister, wieder wurde es kein großes Finale, es sollte nicht das letzte mit brasilianischer Beteiligung sein. Auf der anderen Seite war es das letzte Mal, dass Pele Weltmeister wurde. Drei Mal schaffte es der Jahrhundert-Fußballer an die Weltspitze des Fußballs und eröffnete auch den Torreigen gegen Italien, das sich in einem dramatischen Halbfinale mit 4:3 nach Verlängerung gegen Deutschland durchsetzte.

WM 1974, 7. Juli, 16 Uhr, Olympiastadion, München

DEUTSCHLAND - NIEDERLANDE 2:1

Tore: Breitner (25., Elfer) Müller (43.); Neeskens (2., Elfer)

Schiedsrichter: John Taylor (ENG)

Natürlich kommt einem bei diesem Finale schnell einmal das für ihn so typische Tor von Gerd Müller in Erinnerung, doch bemerkenswert waren vor allem die ersten beiden Minuten. Holland passte sich vom Anpfiff weg 17 Mal den Ball zu, ohne dass ein Deutscher an das Leder kam. Am Ende war es Uli Hoeneß, der Johan Cruyff an der Strafraumgrenze umgrätschte und Schiedsrichter Taylor aus England zum Elferpfiff zwang. Kaiser Franz Beckenbauer übte Kritik, Johann Neeskens blieb vor dem ersten Elfer in einem WM-Finale und dem frühesten WM-Endspiel-Tor aller Zeiten cool - und am Ende gewannen wie immer die Deutschen. Weil Paul Breitner ebenfalls vom Punkt traf und Müller eben zur Stelle war.

 

WM 1978, Sonntag, 25. Juni, 19 Uhr, Estadio Monumental, Buenos Aires

ARGENTINIEN - NIEDERLANDE 3:1 n.V.

Tore: Kempes (38., 105.), Beroni (115.); Nanninga (82.)

Schiedsrichter: Sergio Gonella (ITA)

Die Niederlande coachte Österreichs größter Trainer aller Zeiten, Ernst Happel, der seine Spieler vor Anpfiff wieder vom Feld holte. Grund waren Unstimmigkeiten über die Hand-Manschette von Rene van Kerkhof, über die sich die Argentinier - die ihrerseits zu spät kamen - beschwerten. Mit einer halben Stunde Verspätung konnte dann endlich die Partie begonnen werden. Mario Kempes, später in Österreich bei Vienna, St. Pölten und Krems tätig, wurde zum Mann des Finales im eigenen Land vor 70.000 frenetischen argentinischen Anhängern, die erstmals einen WM-Titel feiern durften. Dabei hatten die Gastgeber Glück, denn Rob Rensenbrink traf kurz vor Schluss nur die Stange für Holland. Happel war in diesem Finale nicht der einzige Österreicher, der gebürtige Linzer Erich Linemayr war als Linienrichter im Einsatz.

 

WM 1982, Sonntag, 11. Juli, Estadio Bernabeu, Madrid

ITALIEN - DEUTSCHLAND 3:1

Tore: Rossi (57.), Tardelli (69.), Altobelli (81.); Breitner (83.)

Schiedsrichter: Arnaldo Cezar Coelho (BRA)

Nach einem furiosen Halbfinale gegen Frankreich (5:4 n.E., 3:3 n.V, "Nacht von Sevilla") hatte Deutschland in Madrid gegen das von Bruno Conti, Paolo Rossi und Goalie Dino Zoff angeführte Italien nichts zu bestellen und verlor klar. Dabei hatten die Italiener sogar noch in der ersten Hälfte einen Elfmeter durch Antonio Cabrini vergeben. Nach der torlosen ersten Hälfte münzten die Italiener ihre Überlegenheit dann in Tore um.  "Wir haben die Deutschen gestellt, überwältigt und übermannt", schrieb später "Corriere dello Sport".


WM 1986, Sonntag, 29. Juni, Aztekenstadion, Mexiko-Stadt

ARGENTINIEN - DEUTSCHLAND 3:2

Tore: Brown (23.), Valdano (56.), Burruchaga (84.); Rummenigge (74.), Völler (81.)

Schiedsrichter: Romualdo Arppi Filho (BRA)

Eigentlich wäre die WM in Kolumbien ausgetragen worden, das konnte aber die FIFA-Auflagen nicht erfüllen und Mexiko sprang ein, durfte damit 16 Jahre nach dem ersten Mal wieder das Turnier der Turniere austragen. Wieder gewann eine südamerikanische Mannschaft, dieses Mal nicht Brasilien, sondern Argentinien mit Diego Armando Maradona. Doch im Gegensatz etwa zum England-Spiel ("Hand Gottes") fiel der Spielmacher in diesem Endspiel nicht ganz so viel auf, was auch an Bewacher Lothar Matthäus lag. Deutschland kämpfte sich nach 0:2 zurück, doch in Minute 84 schlug die große Stunde von Jorge Burruchaga, der nach Maradona-Pass Goalie Toni Schumacher keine Chance ließ.

 

WM 1990, Sonntag, 8. Juli, 20 Uhr, Olympiastadion, Rom

DEUTSCHLAND - ARGENTINIEN 1:0

Tor: Brehme (85.)

Schiedsrichter: Coderal Mendez (MEX)

Nur vier Jahre später kam es zur Neuauflage im Stadio Olimpico zu Rom. Dieses reduzierte sich auf eine entscheidene Szene: Nach einem harmloseren Foul (als jenes zuvor von Goalie Goycochea an Augenthaler) im Strafraum an Rudi Völler pfiff der mexikanische Schiedsrichter Coderal Mendez wenige Minuten vor Schluss Elfmeter. Der eigentliche Elfer-Schütze war Lothar Matthäus, doch dessen Schuh ging zuvor kaputt und der Deutsche fühlte sich deswegen nicht sicher. Andy Brehme sprang ein und verwandelte sicher ins linke untere Eck. "Ich habe Verantwortung übernommen, indem ich sie abgegeben habe", sagte Matthäus nach dem dritten WM-Titel Deutschlands.

 

WM 1994, Sonntag, 27. Juli, Rose Bowl, 21:30 Uhr, Pasadena/Los Angeles

BRASILIEN - ITALIEN 0:0, 3:2 n.E.

Tore: Fehlanzeige

Schiedsrichter: Sandor Puhl (HUN)

Zum ersten Mal wurde ein WM-Finale in einem Elfmeterschießen entschieden, rund 95.000 Zuschauer in der Rose Bowl sahen zuvor das wohl langweiligste Endspiel der Geschichte. Der Höhepunkt zuvor war, als Goalie Gianluca Pagliuca die Stange küsste, nachdem ein Ball von dort in seine Hände sprang. So kam es, wie es kommen musste - irgendjemand musste vom Elferpunkt verschießen. Es waren deren gleich vier Schützen. Pagliuca hielt gegen Marcio Santos, sein Gegenüber Claudio Taffarel gegen Daniele Massaro - doch die Legenden Franco Baresi und Roberto Baggio knallten das Leder drüber. Brasilien wurde in den USA zum vierten Mal Weltmeister.

 

WM 1998, Sonntag, 12. Juli 1998, 21 Uhr, Stade de France, Paris St.-Denis

FRANKREICH - BRASILIEN 3:0

Tore: Zidane (27., 45.), Petit (93.)

Schiedsrichter: Said Belqola (MAR)

Bei der bislang letzten WM mit österreichischer Beteiligung gab es zum letzten Mal einen Sieg des Gastgebers im Finale. Es war die große Show des Zinedine Zidane. Der damals 26-Jährige führte die "Equipe tricolore" zum ersten WM-Titel überhaupt, das mit zwei Treffern - und beide per Kopf nach Eckbällen. Weil Superstar Ronaldo an diesem Tag keine große Leistung zeigte, wurde über seinen Gesundheitszustand spekuliert. Auch wurde gemutmaßt, dass sein Ausrüster Druck machte ihn aufzustellen. Brasilien hatte an diesem Tag keine Chance.

 

WM 2002, Sonntag, 30. Juni, 13 Uhr, International Stadium, Yokohama

BRASILIEN - DEUTSCHLAND 2:0

Tore: Ronaldo (67., 79.)

Schiedsrichter: Pierluigi Collina (ITA)

Es war das erste Duell der beiden Teams bei einer WM und dann gleich das Finale beim Turnier in Südkorea und Japan. Oliver Kahn führte Deutschland mit seinen Paraden ins Finale und wurde dort zum tragischen Helden. Nachdem Didi Hamann den Ball verlor, zog Rivaldo ab, Kahn konnte den Ball nicht festhalten und Ronaldo vollendete zum Führungstor. Der Superstar mit der damals zweifelhaften Frisur traf im Doppelpack und machte den fünften WM-Titel der Selecao perfekt. Ronaldo wurde Torschützenkönig, Kahn bester Spieler des Turniers - als erster und bislang einziger Goalie.

 

WM 2006, Sonntag, 9. Juli, 20 Uhr, Olympiastadion Berlin

ITALIEN - FRANKREICH 1:1, 5:3 n.E.

Tore: Materazzi (19.); Zidane (7., Elfer)

Schiedsrichter: Horacio Marcelo Elizondo (ARG)

Die beiden Torschützen während der 90 Minuten sollten auch in der Verlängerung für eine DER WM-Szenen in der Geschichte sorgen. Unvergessen, als die Zeitlupe entlarvte, wie der große Zinedine Zidane sich gegen Marco Materazzi vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion und vor Millionen Menschen vor dem TV zu einem Kopfstoß gegen die Brust hinreißen ließ - in seinem letzten Spiel als Profi überhaupt. Unvergessen, wie der WM-Held von 1998 am WM-Pokal vorbei in die Kabine schlich. Im Elferschießen vergab nur David Trezeguet. Fabio Grosso, der Gastgeber Deutschland im Halbfinale ins Tränental schoss, vollendete und sicherte Italien den vierten WM-Titel.

 

WM 2010, 11. Juli, 20:30 Uhr, Soccer City, Johannesburg

SPANIEN - NIEDERLANDE 1:0 n.V.

Tor: Iniesta (116.)

Schiedsrichter: Howard Webb

Es war die erste WM in Afrika und es war der erste WM-Titel Spaniens. Der Kung-Fu-Tritt von de Jong gegen Alonso blieb freilich in negativer holländischer Erinnerung, zumal auch Referee Webb nicht Rot zückte. Zudem vergab Arjen Robben beim Stand von 0:0 alleine vor Iker Casillas. So gehörte der Moment dieses Endspiels dem ansonsten so stillen Helden, Andres Iniesta. Der Barcelona-Akteur schrieb kurz vor Ende der Partie mit einem satten Halbvolley-Schuss vorbei an Rafael van der Vaart und Goalie Stekelenburg ins lange Eck Geschichte. Ein Moment, der wie so viele andere unvergessen bleibt.

 

Bernhard Kastler

Nach einem Abwehrfehler kam Italien zum Ausgleich, doch Brasilien war an diesem Tag vor 107.000 Zuschauern im Aztekenstadion - natürlich mit dem Gros der Anhänger im Rücken - dank Pele, aber auch Gerson und Tostao die bessere Mannschaft und einmal mehr verdienter Sieger.

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