Julio Cesar, Brasiliens Retter

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Brasilien feiert das Viertelfinale wie den WM-Titel

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Für viele Brasilianer fühlt sich der Viertelfinaleinzug bereits wie der Titelgewinn an.

So eng war das Achtelfinale gegen die verbissen kämpfenden Chilenen. So nah war die „Selecao“ nach 120 intensiven Minuten dem vorzeitigen Ausscheiden, das die gesamte Nation in tiefe Trauer gestürzt hätte.

Am Ende konnten sich Neymar und Co. doch noch im Elfmeterschießen durchsetzen und den Traum vom WM-Titel im eigenen Land am Leben halten.

„Das ist mehr als Glück“

„Das ist mehr als Glück, was ich gerade verspüre“, stammelte Julio Cesar nach dem Spiel unter Tränen. Der momentan für den FC Toronto tätige Tormann avancierte zuvor mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Matchwinner.

"Das war psychologisch und emotional unheimlich schwierig. Ich danke den Fans, die uns so wunderbar unterstützt haben. Jetzt fehlen noch drei Stufen. Mein großer Traum ist es, Brasilien in einem großen Fest vereint zu sehen."

Zumindest bis zum Viertelfinale dürfte dieser Traum bereits wahr werden. Nachdem Gonzalo Jara den letzten Elfmeter an die Innenstange setzte und somit Brasiliens Aufstieg besiegelte, feierten viele Fans und Spieler bereits, als hätten sie das Finale gewonnen.

Rousseff dankt den Spielern

Auch Neymar, der den letzten Elfmeter für Brasilien traf, war von seinen Emotionen nach der Partie überwältigt und brach weinend zusammen. Der 22-Jährige hielt dem enormen Druck, der auf seinen Schultern lastete, stand. Obwohl er es gegen die harte chilenische Verteidigung alles andere als einfach hatte, war der Barca-Star da, als man ihn brauchte. Das zeichnet einen Weltklasse-Spieler aus.

Natürlich war auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff erleichtert, dass das Team von Trainer Luiz Felipe Scolari vorerst im Turnier bleibt. Sie weiß wohl so gut wie niemand sonst, dass ein frühes Ausscheiden der „Selecao“ die unter der Oberfläche brodelnden sozialen Konflikte in dem riesen Land mit einem Schlag explodieren lassen könnte.

„Es war schwierig. Mit viel Schwung, mit Hartnäckigkeit, Tränen und Abwehraktionen von Julio Cesar haben wir gewonnen“, ließ die Staatschefin ihrer Freude kurz nach Ende der packenden Partie auf Twitter freien Lauf und fügte hinzu: „Danke, Spieler. Brasilien glaubt an euch.“

„Das ist so hart“

Ganz anders sah die Gefühlslage naturgemäß bei den Chilenen aus. „Das ist so hart, wir waren großartig, aber wir haben verloren. Wir haben für unseren Traum gekämpft und einfach alles gegeben“, brachte es Arturo Vidal auf den Punkt.

Außer dem Juve-Spieler, der aufgrund seiner Knieoperation vor wenigen Wochen nicht bis zum Elfmeterschießen durchhielt, schaffte es vorerst keiner der unterlegenen Chilenen vor eines der Mikrophone der zahlreichen Journalisten.

Zu tief saß der Schmerz bei „La Roja“. Über 120 Minuten konnte man dem haushohen Favoriten Paroli bieten. In den letzten Sekunden fehlten nur wenige Zentimeter, um die Sensation perfekt zu machen, doch Mauricio Pinilla traf nur die Latte.

„Ich halte drei Elfmeter“

Wenige Minuten später scheiterte der 30-jährige Cagliari-Stürmer aus elf Metern an Julio Cesar. Anschließend fand auch Alexis Sanchez in dem brasilianischen Torhüter seinen Meister.

"Ich habe mich sehr auf diese WM vorbereitet. Das Wichtigste war, dass ich mir vertraut habe und dass ich hart gearbeitet habe", verriet der tränenüberströmte Schlussmann der „Selecao“ nach dem Spiel.

Julio Cesar dürfte aber nicht nur mit seinen Paraden großen Einfluss gehabt haben. Vor dem Elfmeterschießen redete er seinen Mitspielern Mut zu, wie sich Kapitän Thiago Silva nach dem Happy End erinnerte: „Julio hat uns gesagt: ‚Tretet mit viel Selbstvertrauen an, ich halte drei Elfmeter.‘“

Luiz Gustavo vertraut seinen Mitspielern

Momentan dominiert in Brasilien zwar die Freude über den Viertelfinaleinzug, letztlich wäre aber auch dort ein Ausscheiden eine mittlere Katastrophe für die Gastgeber.

"Das ist ein Traum. Jetzt können wir ein bisschen durchatmen, dann konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel. Ich bin zwar im Viertelfinale gesperrt, aber ich habe volles Vertrauen in die Mannschaft“, ist Luiz Gustavo auch für die kommende Runde optimistisch.

Dass sie mit großem Druck umgehen können, haben Julio Cesar und Co. gegen Chile mehr als bewiesen. Dass sie spielerisch mit den besten Teams der Welt mithalten können, steht ohnehin außer Zweifel.

Dennoch könnte das am Samstag in Belo Horizonte entfachte Freudenfest im Viertelfinale ganz schnell zu einer Trauerfeier mutieren.

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