Verlieren verboten am ersten K.o.-Tag

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Es wird ernst in Brasilien. Die Weltmeisterschaft geht in die K.o.-Phase und das heißt "verlieren verboten"!

Der erste Achtelfinal-Tag beschert uns zwei rein-südamerikanische Duelle. Den viel Spannung versprechenden Anfang macht der bis jetzt nicht vollends überzeugende Gastgeber Brasilien gegen die chilenische "Roja".

Danach treffen mit dem torfreudigen Kolumbien und Uruguay (ohne Luis Suarez) zwei Mannschaften mit viel Leidenschaft und Biss aufeinander.

Die kompakte Vorschau auf die Achtelfinal-Duelle:

BRASILIEN - CHILE

(Samstag, 18:00 Uhr, Belo Horizonte, Estadio Mineirao, SR Webb/ENG)

DIE AUSGANGSLAGE:

Brasilien trifft auf den Lieblingsgegner! Das mag angesichts der bisher taktisch sowie spielerisch brillierenden chilenischen Mannschaft respektlos klingen, hat allerdings historische Gründe. Dreimal traf die "Selecao" bisher in WM-K.o.-Duellen auf die "Roja", jedesmal verließ sie das Feld siegreich. Zuletzt schickte man Chile im Achtelfinale 2010 in Südafrika mit 3:0 nach Hause. Seither hat die Elf von Taktikexperte Jorge Sampaoli aber einen Riesenschritt gemacht, nicht umsonst streute Brasiliens Teamchef Luiz Felipe Scolari ihr Rosen. Nachdem in einem noch holprigen Auftaktspiel Australien geschlagen wurde, schickte man Fußball-Riese Spanien heim und bot auch den "Oranje" die Stirn. Chile kann verschiedene Systeme spielen und die Taktik in einem Spiel mehrmals adjustieren, was gegen die "Selecao" genauso entscheidend sein wird, wie die Fähigkeit zum schnellen Umschaltspiel, das nicht nur die Topstars Arturo Vidal (Juventus Turin) und Alexis Sanchez (FC Barcelona) verinnerlicht haben. Brasilien steht indes in der Pflicht. Die Gastgeber sind logischer WM-Favorit und haben den Titelgewinn als Ziel auch mehrmals klar ausgerufen. In einem Achtelfinale gibt es allerdings kaum leichte Gegner und es wird interessant zu sehen sein, wie die Mannschaft mit dem Druck umgeht. Neymar, der Junge ohne Nerven, hat die Brasilianer tatsächlich auf seinen Schultern in die heiße Phase geführt. Für den Sieg gegen Chile müssen seine Teamkollegen nun nachziehen, Steigerungspotenzial ist zur Genüge vorhanden.

DAS SAGEN DIE TRAINER:

Luiz Felipe Scolari: "Wir dürfen uns nicht viele Fehler erlauben. Chile ist ein großartiges Team. Sie haben viel Qualität und sind sehr gut organisiert. Spieler wie Neymar machen den Unterschied aus."

Jorge Sampaoli: "Brasilien ist für alle Welt der Favorit. Aber das ist das Chile, auf das ich stolz bin. Mit Intensität, Mut und erhobenen Hauptes in Erwartung dessen, was auf uns zukommt."

PERSONELLES:

Luiz Felipe Scolari könnte fürs Achtelfinale an seiner Startelf basteln - oder aber einfach nur bewusst für Verwirrung sorgen. In einem Trainingsspiel setzte der Selecao-Coach auf Fernandinho statt Paulinho (Tottenham) im defensiven Mittelfeld. Der ManCity-Akteur wurde bereits gegen Kamerun in der Halbzeit eingewechselt und bot als Torschütze eine starke Leistung. Außerdem ersetzte Maicon zeitweise Dani Alves, über dessen Seite beide Gegentore im Turnier eingeleitet wurden, auf der Rechtsverteidigerposition. Dass der Barca-Kicker zuschauen muss, ist aber unwahrscheinlich. Unfreiwillig könnte David Luiz auf der Bank Platz nehmen. Den Innenverteidiger plagen Rückenschmerzen. Jorge Sampaoli lässt sich hingegen nicht in den Talon schauen. Nachdem ein brasilianisches Fernsehteam sein Geheimtraining via Helikopter verfolgte, packte der Argentinier seine Sachen vorübergehend zusammen.

DAS SAGEN DIE SPIELER:

Neymar: "Ich habe immer gesagt, dass ich keinen Druck verspüre. Vielleicht fehlt mir das Sinnesorgan, mit dem man Druck wahrnimmt."

Arturo Vidal: "Wir wollten nicht gegen Brasilien spielen. Aber Brasilien wollte noch viel weniger gegen uns spielen. Denn wir geben unser Leben für diese WM. Brasilien ist zwar das härteste Los, das man kriegen kann, aber ich glaube, dass wir sie schlagen können. Und wer dieses Spiel gewinnt, wird richtig weit kommen."


KOLUMBIEN - URUGUAY

(Samstag, 22:00 Uhr, , Estadio do Maracana, SR Kuipers/NED)

Die Ausgangslage:

Das Maracana öffnet seine Tore für das erste Entscheidungsspiel in den heiligen Hallen des Fußballs. Als bekannt wurde, dass Stürmerstar Radamel Falcao die WM mit einem Kreuzbandriss verpassen würde, befand sich ganz Kolumbien in Staatstrauer. Drei Siege und neun erzielte Tore später hat sich die Stimmung längst gewendet. "Jose Pekerman hat das Fehlen von Falcao mit Strategie und Taktik ausgleichen können", jubiliert die kolumbianische Tageszeitung "El Tiempo". Der argentinische Trainer führte die Auswahl um den dreifachen Torschützen James Rodriquez (AS Monaco) zum ersten Mal seit 1990 in ein Achtelfinale und schaffte es, eine homogene Mannschaft zu formen. "Ein Kunstwerk" - wie Pekerman es nennt. Bei Uruguay dreht sich derzeit alles um die Personalie Luis Suarez. Der überragende Doppeltorschütze gegen England hat sich mit seiner Bissattacke gegen Italiens Chiellini selbst aus dem Turnier genommen. Seither übt sich die "Celeste" in Realitätsverweigerung und lässt keine Gelegenheit aus, gegen FIFA und Konsorten zu wettern. Nicht gerade wenig Ablenkung vor einem entscheidenden K.o.-Duell. Wie harmlos die "Urus" ohne Englands Spieler des Jahres auftreten, zeigten sie im verlorenen ersten Gruppenspiel gegen Costa Rica. Edinson Cavani von Paris St. Germain ist nun gefordert, in der Offensive mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Qualität dazu hat er.

Brasilien

Chile

Hauptstadt

Brasilia

Santiago de Chile

Einwohner

192,38 Mio.

16,63 Mio.

Fläche

8.514.215 km²

755.696 km²

Konföderation

CONMEBOL

CONMEBOL

Weltrangliste

3.

14.

WM-Teilnahmen

20

9

Teamchef

Luiz Felipe Scolari

Jorge Sampaoli

DAS SAGEN DIE TRAINER:

Jose Pekerman: "Wir haben durch die drei Siege Selbstvertrauen gewonnen und werden für Uruguay ein schwieriger Gegner sein. Uruguay wird aber ebenfalls immer ein schwieriger Gegner sein, unabhängig von den Umständen. Alle Spieler kennen sich, weil der Trainer über acht Jahre hinweg eine sehr starke Gruppe geformt hat."

Oscar Tabarez: "Luis wird da durchgehen und daran wachsen. Wir werden ihn dabei nicht alleine lassen. Und unseren Fans verspreche ich: Wir werden alles geben gegen Kolumbien."

PERSONELLES:

Luis Suarez wird den "Urus" fehlen, das steht außer Frage. Gut möglich, dass Nationaltrainer Oscar Tabarez auf Altmeister Diego Forlan zurückgreift. Der beste Spieler der Weltmeisterschaft 2010 kann jederzeit seine Leistung abrufen und hat seine Treffsicherheit bereits mehrmals unter Beweis gestellt. Nur fraglich, ob er als zweite Spitze neben Cavani ins gegen die "Cafeteros" wohl defensiv ausgerichtete System passt. Kolumbien kann weiterhin nicht auf Carlos Bacca zurückgreifen. Der Stürmer vom FC Sevilla hat seine Muskelverletzung aus dem Eröffnungsspiel noch immer nicht auskuriert.

DAS SAGEN DIE SPIELER:

Jackson Martinez: "Wir wissen, was wir zu tun haben. Das wird eine sehr schwierige Angelegenheit werden, aber andererseits kennen wir die Uruguayer gut."

Diego Lugano: Nach dem Suarez-Urteil: "Empörung. Ohnmacht. Die das Sagen haben, befehlen, die Starken sind die Starken …und über uns richten sie nicht mit dem gleichen Gesetz. Wir wollen alle eine gerechtere Welt, aber diese Welt existiert einfach nicht. Ins das Achtelfinale gehen wir mit Demut, Einheit, Engagement, Anerkennung von Fehlern und erhobenem Kopf."

Kolumbien

Uruguay

Hauptstadt

Bogota

Montevideo

Einwohner

46,41 Mio.

3,29 Mio.

Fläche

1.138.748 km²

176.215 km²

Konföderation

CONMEBOL

CONMEBOL

Weltrangliste

8.

7.

WM-Teilnahmen

5

12

Teamchef

Jose Pekerman

Oscar Tabarez

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