Kleiner Rekord tröstet Ronaldo nicht

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Cristiano Ronaldo kämpfte mit den Tränen. Nur mit Mühe quälte sich Portugals Fußball-Superstar für das offizielle Foto des "Man of the Match" ein kurzes Lächeln heraus.

Trotz seines Treffers zum 2:1-Sieg gegen Ghana wirkte der 29-Jährige beim Abgang gebrochen. Drei weitere Tore hätte Portugal zum Einzug ins WM-Achtelfinale gebraucht.

Ronaldo hätte sie am Donnerstag locker schießen können.

Der Topstar nicht ganz fit

Das Turnier in Brasilien, es war nicht seine WM.

Ronaldo war bereits mit gesundheitlichen Problemen angereist. Nach einer langen Saison samt Champions-League-Triumph mit Real Madrid machten ihm anhaltende Patellasehnenprobleme zu schaffen.

Den ersten beiden Spielen gegen Deutschland (0:4) und die USA (2:2) vermochte der Weltfußballer nicht seinen Stempel aufzudrücken. Gegen Ghana präsentierte er sich als Chancentod.

Darüber wollte Ronaldo so ganz und gar nicht sprechen. In seinen kurzen Ausführungen nach dem Spiel in Brasilia vermied der Stürmerstar, dem ein Hang zum Narzissmus sonst nicht abzusprechen ist, die Ich-Form.

Tolle CL-Form nicht mitgebracht

"Wir haben viele Chancen gehabt. Wir wussten, dass wir noch drei Tore brauchen. Wir kannten das Ergebnis der Deutschen", formulierte er sehr allgemein.

51 Pflichtspieltore hatte Ronaldo in der abgelaufenen Saison für Real erzielt, mit 17 alleine in der Champions League einen neuen Rekord aufgestellt. Im Estadio Nacional Mane Garrincha verließ ihn seine Treffsicherheit.

"Es bleibt das Gefühl, dass es möglich gewesen wäre, weil wir die Chancen herausgespielt haben", sagte Ronaldo mit nachdenklicher Meine, ehe er tapfer hinzufügte: "Wir scheiden erhobenen Hauptes aus."

Der Kapitän sinkt mit seinem Schiff

Kaum das Spiel eines Nationalteams ist so auf einen Superstar zugeschnitten wie das des portugiesischen auf "CR7". Siebenmal schoss Ronaldo aufs Tor von Ghana, seine Teamkollegen zusammen nur dreimal.

Kein einziger anderer Portugiese hatte eine klare Torchance, alles dreht sich um den Weltfußballer. Wenn dieser einmal nicht in Topform ist, brennt der Hut.

Fünf gute Möglichkeiten waren bei den sieben Torschüssen dabei. Ronaldo ließ sie ungenutzt. Ist er deshalb Schuld am Aus?

Bento verortet Kollektivversagen

"Nein", sagte Teamchef Paulo Bento. "Ich glaube, das wäre nicht fair. Wir sollten nicht darauf schauen, was ein Einzelner gemacht hat. Wir haben alle Fehler gemacht in den drei Spielen, deshalb sind wir ausgeschieden."

Es gebe "keine individuelle Schuld", betonte Bento. "Es ist nicht meine Art, jemanden schuldig zu sprechen." Er selbst übernehme "die Verantwortung für das Scheitern, das alle Portugiesen traurig macht".

Ronaldo sei nach dem Champions-League-Finale nicht völlig fit zur WM angereist. "Wir wussten, wie es aussieht, seit er angekommen ist." In Vollbesitz seiner Kräfte scheint der Superstar nicht mehr gekommen zu sein.

Ronaldo egalisiert Klinsmann-Rekord

Sein Treffer gegen Ghana samt Auszeichnung als Spieler des Spiels war nur ein schwacher Trost.

Ronaldo hat damit bei sechs verschiedenen großen Turnieren (EM oder WM) getroffen. Das hat als einziger Europäer bisher US-Teamchef Jürgen Klinsmann für Deutschland geschafft.

Klinsmann darf mit seinem Team auch in Brasilien weiterträumen. Ronaldo dagegen verließ die große Bühne, wie er sie nur ungern verlässt - mit hängendem Kopf.

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