"Das ist ein Wachmacher"

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Neuer: "Wir gehören mit beiden Beinen auf den Boden"

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Immer dieses zweite Spiel.

Deutschland gewann jenes bei der Heim-WM 2006 gegen Polen gerade noch in der Nachspielzeit, 2010 verloren sie es in Südafrika gegen Serbien 0:1 und dieses Mal retteten sie im heißen Fortaleza zu Brasilien ein noch heißeres 2:2 (0:0) gegen Ghana.

Immer, nachdem das DFB-Team den Auftakt mit vier erzielten Toren für sich entschied - 4:2 gegen Costa Rica, 4:0 gegen Australien und zuletzt erst am Montag ein 4:0 gegen Portugal.

Freilich beeindruckte vor allem das Ergebnis gegen die Iberer, die ein Spitzenteam im internationalen Vergleich darstellen.

Neuer bringt es auf den Punkt

Doch auch dieses Mal konnte das Resultat nicht bestätigt werden.

Manuel Neuer brachte es nach der Partie, nach den turbulenten zweiten 45 Minuten, auf den Punkt: "Wir haben Ghana durch unsere Fehler ins Spiel zurückgebracht. Die zwei Gegentore waren geschenkt. Das darf uns bei einer WM einfach nicht passieren."

Für den Goalie, der schon am Platz seinen Ärger verdeutlichte, ist es ein Alarm zum richtigen Zeitpunkt.

"Für uns war das ein Wachmacher. Wir wissen jetzt, dass wir mit beiden Beinen auf den Boden gehören. Wir haben noch nichts erreicht."

Auch seine Mitspieler betrieben Selbstkritik, wie etwa Sami Khedira: "Taktisch haben wir nicht das abgerufen, was wir spielen wollten. Wir haben wenige Lösungen gefunden. Insgesamt war es zu wenig."

Während Deutschland sehr wahrscheinlich trotzdem das Achtelfinale erreichen wird (es reicht ein Remis gegen die USA), könnte der Punkt Ghanas nach der 1:2-Niederlage gegen die USA schon zu wenig sein.

Das wissen auch die Verantwortlichen der "Black Stars".

"Es wird nicht leicht sein, das Achtelfinale zu erreichen", sagte Trainer Kwesi Appiah, hob aber vor allem das Positive hervor.

"Wir haben besser als gegen die USA gespielt"

"Es war ein gutes, umkämpftes Spiel und wir haben das Beste daraus gemacht, besser gespielt als gegen die USA. Die Ghanaer wissen, dass sie bis zum Schluss kämpfen müssen. Und wir haben ja noch ein Spiel, der Aufstieg ist möglich."

In der Nacht von Sonntag auf Montag treffen die USA auf Portugal, danach werden alle die möglichen Szenarien kennen.

Klar ist, Deutschland wird nach dem zweiten Spieltag noch nicht durch sein. Darauf stellten sich vielleicht schon einige ein, doch die Realität ist eben nach dem 2:2 eine andere.

Was nicht heißt, dass dieses zweite WM-Spiel für ein DFB-Team nicht einmal mehr ein Wachmacher zur rechten Zeit sein kann.

Schließlich können Fehler wie gegen Ghana von einem Team dieser Klasse auch wieder abgestellt werden.

Es war von Anfang bis Ende ein ausgeglichenes Spiel, am Ende gab es 31 Torschüsse, wobei Ghana es mit 19 Mal sogar öfter probierte.

Nach der Führung durch Mario Götze gaben die Deutschen aber durch zwei Fehler das Spiel vorübergehend aus der Hand. Joker Skhodran Mustafi ließ Andre Ayew beim 1:1 den entscheidenden Platz zum Kopfball.

Kapitän Philipp Lahm verlor vor dem 1:2 in der Vorwärtsbewegung den Ball in der eigenen Hälfte, was an diesem Tag gut aufgelegte Ghanaen wunderbar auszunutzen wussten - so in Person von Asamoah Gyan.

"Wir können nicht zufrieden sein"

"Es waren anstrengende 90 Minuten. Wir waren nicht so aggressiv von Anfang an. Dann bekommt man gegen solche Mannschaften Probleme. Insgesamt können wir nicht zufrieden sein", konstatierte der Captain.

Joachim Löw bewies Händchen und brachte mit Bastian Schweinsteiger frischen Wind sowie vor allem mit Miroslav Klose jenen Stürmer, der in solchen Situationen trifft.

Eine von Benedikt Höwedes verlängerte Kroos-Ecke vollendete der Joker nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung mit einem langen Schritt.

"Mannschaft hat Moral bewiesen"

Sein 15. Treffer bei einer WM bedeutet Rekord - Brasiliens Ronaldo hat ebenso viele. An diesem Abend bedeutete es aber vor allem den wichtigen Ausgleich.

"Die Mannschaft hat Moral bewiesen, dass sie zurückgekommen ist. Für uns hat sich die Ausgangsposition nicht entscheidend verändert", zeigte sich Löw nach der Partie nicht sonderlich enttäuscht.

"Es war ein offener Schlagabtausch, ein irrsinniges Tempo. Die Spieler haben alles gegeben und sich völlig verausgabt", schilderte der frühere Tirol- und Austria-Coach.

"Stabile Defensive ist die Basis"

Freilich ist aber auch Löw nicht entgangen, dass seine Mannschaft gegen einen starken Gegner in einigen Bereichen zu fehlerhaft agierte.

"Wir haben es manchmal versäumt, den Zug zum Tor zu suchen, sind nicht hinter die Abwehr gekommen. Klose und Schweinsteiger haben das Spiel belebt. Man kann bei diesem Turnier nicht davon ausgehen, ständig in der Offensive zu sein, eine stabile Defensive ist die Basis."

Zwei Fehler wurden - wie es auf diesem Niveau üblich ist - eiskalt ausgenützt.

Deutschland Ghana
Ballbesitz 62.2% 37.8%
Zweikämpfe 52.53% 47.47%
Eckbälle 7 3
Torschüsse 12 19
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 11
Torschüsse innerhalb Strafraum 6 8
Kopfballchancen 1 2
Abseits 1 5
Fouls 11 17
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