USA - Land der unbegrenzten WM-Möglichkeiten?

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„Land of the free, home of the brave“ – so werden die USA in der offiziellen Nationalhymne gepriesen.

Ihre Tapferkeit dürfen die Mannen von Teamchef Jürgen Klinsmann auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien unter Beweis stellen.

Ob die Landesauswahl in einer Gruppe mit Deutschland, Portugal und Ghana ihre „unbegrenzten Möglichkeiten“ unter Beweis stellen können, bleibt abzuwarten.

Einer ist auf jeden Fall guter Dinge: Terrence Boyd. Der Rapid-Stürmer stand im vorläufigen 30-Mann-Kader, gehörte aber jener Gruppe von Spielern an, die vorzeitig aussortiert wurden.

Trotzdem glaubt der US-Boy an ein positives Abschneiden seines Landes – auch ohne ihn.

Exklusiv für LAOLA1 unterzieht der 23-Jährige die US-Nationalmannschaft dem ultimativen WM-Check, stellt das Trainerteam sowie den kompletten Kader vor und schätzt die Gruppengegner ein:

COACHING STAFF:

"Die USA hat einen sehr großen Trainerstab, alles wird fast gleich dosiert, wer welche Trainingsübungen übernimmt. Klinsmann schaut sich alles genau an, Herzog und die anderen Co-Trainer sind ein bisschen aktiver dabei. Martin Vasquez ist jetzt nicht mehr dabei, aber Tab Ramos als U20-Trainer, auch andere Jugendtrainer werden eingeflogen. Dazu Herzog und natürlich Berti Vogts."

 

JÜRGEN KLINSMANN (Teamchef): Jeder, der mit Fußball zu tun hat, kennt Klinsmann. Als Spieler ist er eine Legende. Deswegen ist es schon eine Ehre mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Er gibt mir und der ganzen Mannschaft viele Tipps, ist unheimlich erfahren und sehr gut vernetzt. Nach außen ist er ein netter Typ und freundlich, er kann aber auch hart durchgreifen. Das ist auch wichtig so. Er hat das Gefühl für die Menschen. Ich habe ihm viel zu verdanken. Ich bin als Regionalliga- zum A-Nationalspieler gemacht worden.

ANDREAS HERZOG (Co-Trainer): Er ist nicht nur ein Kumpel, sondern auch eine Legende als Spieler. Für mich als gebürtiger Bremer ist er ein großer Name bei uns und für Österreich sowieso. Er hat genau das Gefühl für die Spieler und gibt mir auch mal nach dem Spiel Tipps. Ein klasse Typ, klasse Trainer. Ich kann über ihn nur Positives sagen. Mit ihm verfliegt die Zeit im Flieger, das geht dann sehr schnell. Er ist einfach eine sehr angenehme Person und lustig drauf.

BERTI VOGTS (Special Advisor): Ich weiß noch nicht sehr viel, kenne ihn auch nur aus dem TV. Es ist nur lustig, wie viele große sportliche Persönlichkeiten im Trainerstab sind. Ich muss ihn erst kennenlernen, weiß noch nicht, wie er tickt und drauf ist. Den braucht man auch nicht googlen, über diese Person weiß man auch gleich Bescheid. Ich denke auch, dass er als Berater tätig ist. Er hat jetzt die Trainingspläne mitentworfen und wird uns in allen Bereichen helfen können.

KADER:

TOR:

TIM HOWARD (FC EVERTON):

Einer der besten Torhüter, gegen bzw. mit dem ich je gespielt habe. Er ist unglaublich, kann ein Spiel lesen und weiß vorher, wo jemand hinschießt. Das ist echt schlimm. Er ist ein cooler Typ und auf dem Platz einfach ein Leader. Für mich einer der Top-10-Torhüter der Welt. Er hat schon bei Manchester United gespielt und ist unumstritten.

BRAD GUZAN (ASTON VILLA):

Der kratzt jetzt langsam an Tim Howard, weil er jede Woche seine Leistung in der Premier League bei Aston Villa bringt. Er macht einen sehr guten Job, ist 29 Jahre alt. Ich denke, er wird die nächste Nummer eins, sollte Howard mal aufhören.

 

NICK RIMANDO (REAL SALT LAKE):

Ein alter Haudegen, der bei Salt Lake City spielt. Er ist schon ganz lange dabei, kennt die US-Nationalmannschaft auswendig und ist ein Urgestein. Er ist ein cooler Typ, mit dem ich schon mal das Zimmer geteilt habe.

VERTEIDIGUNG:

Matt Besler (Sporting Kansas City):

Er ist einfach ein ruhiger Spieler, der seinen Job macht und nicht viel reden will. Aber es kommt jeder mit jedem gut klar. Er ist auf jeden Fall ein solider Innenverteidiger.

 

Geoff Cameron (Stoke City):

Er ist ein richtig cooler Typ, echt lustig. Er kann sehr viele Positionen spielen: Sechser, Innenverteidiger und wie bei Stoke Außenverteidiger. Er ist unverzichtbar für die USA, weil er vielseitig einsetzbar ist und seine Leistung immer abruft. Abseits des Platzes ist er ein Spaßvogel, solche Typen braucht man einfach.

Fabian Johnson (Hoffenheim):

Ein überragender Kerl, unumstritten, wichtig für uns und absoluter Stammspieler und spielt als Verteidiger oder im Mittelfeld. Mit ihm habe ich mir das ganze Sommercamp das Zimmer geteilt.

 

Omar Gonzalez (Los Angeles Galaxy):

Der muss bald einmal nach Europa, weil er ein richtig starker Innenverteidiger und groß ist. Ein Klassespieler, von dem ich überzeugt bin, dass er eine gute WM spielen wird.

 

DaMarcus Beasley (Puebla):

Beasley ist mit Abstand der geilste Typ, für sein Alter aber noch richtig gut beieinander. Er ist wichtig für die Mannschaft, hat unglaublich viel Erfahrung und war lange in Europa. Seine gute Laune macht ihn besonders. Seit 19 Jahren ist er dabei und grüßt den Zeugwart immer mit dem gleichen Schmäh. Wenn er gebraucht wird, ist er da.

John Brooks (Hertha BSC):

Ein enger Freund von mir, den ich noch aus meiner Zeit in Berlin kenne. Er ist ein starker Innenverteidiger mit einem guten Spielaufbau und spielt bei Hertha BSC in der deutschen Bundesliga.

 

Timothy Chandler (Nürnberg):

Chandler sollte eigentlich zum Stamm der Mannschaft zählen und ist ein sehr guter Rechtsverteidiger, der über Jahre beim 1. FC Nürnberg seine Leistungen gebracht hat.

 

DeAndre Yedlin (Seattle Sounders):

Ihn kenn ich erst seit Beginn dieses Teamcamps. Er fällt angeblich immer mit neuen Frisuren auf. Was ich bisher gesehen habe, ist er ein richtiger Aktivposten.

MITTELFELD:

Michael Bradley (Toronto FC):

Für mich ist Bradley der intelligenteste Spieler, den ich kenne. Der kann ein Spiel lesen wie kein Zweiter, hat Augen vorne und hinten. Vorletztes Jahr im Winter gegen Russland hätten wir richtig auf die Fresse bekommen, haben 1:0 geführt, aber die haben uns an die Wand gespielt. In der 40. Minute ist er zur Seitenlinie zu Klinsmann gelaufen und hat ihm gesagt, dass wir das und das umstellen müssen. Wir standen danach mit zwei Sechsern viel kompakter und haben ein 2:0 nach Hause gebracht. Heftig, er hat einfach mit dem Okay des Trainers die Formation geändert. Er erkennt das einfach, ein ganz feiner Spieler.

Clint Dempsey (Seattle Sounders):

Unser Kapitän, einer der Lustigsten von uns, der unglaublich gut freestylen kann. Als Spieler spielt er so chilligen Fußball. Sieht aus, als ob es ihm egal wäre, aber er spielt locker, einfach mit Flair. Seine Technik ist unglaublich, er ist der absolute Star bei uns. Er ist unser Zugpferd.

 

Graham Zusi (Sporting Kansas City):

Er ist auch so ein Winger, ein richtig guter Flügelstürmer, der richtig viele Flanken reinhaut. Ein richtig wichtiger Spieler für uns, der wahrscheinlich auch von Anfang an spielt und Star in der MLS ist. Der geht die Linie rauf und runter und ist ein richtiger Aktivposten.

 

Jermaine Jones (Besiktas):

Ich habe mit ihm einige Geschichten mitgemacht, die ich nicht einmal meinen Eltern erzählen kann. Ich bin einer seiner größten Fans, auf dem Platz ist er der absolute Chef und Leader, der räumt auf im Mittelfeld. Abseits des Platzes ist er die größte Legende. Er ist lustig drauf, hat einen lockeren Spruch drauf, ich bin gerne in seiner Gegenwart. Er wird als „Bad Boy“ dargestellt, zu 80 Prozent ist er das ja nicht. Boulevardblätter haben ihn zum Fressen gerne, aber er hat die Eier, steht zu dem, was er tut und versteckt sich nicht. Er ist einer dieser Spieler, die langsam aussterben.

Kyle Beckerman (Real Salt Lake):

Mit ihm hatte ich auch einmal ein Zimmer zusammen. Er ist unser Reggae-Boy. Er ist ein ganz chilliger Typ, ein richtig routinierter Sechser, der einen ganz lockeren Ball spielt und nicht viele Sprints macht. Er spielt einfach ganz clean. Es wird schwer, viel wird er nicht zum Spielen kommen.

Alejandro Bedoya (Nantes):

Er hat kolumbianische Wurzeln, kommt aus New York. Ich hoffe, er wird von Anfang an spielen, da er bei Nantes eine überragende Saison gespielt hat und in Top-Form ist. Einer unserer besten Spieler zur Zeit, ein super Techniker.

 

Mikkel Diskerud (Rosenborg):

Gegen ihn und Rosenborg haben wir mit Rapid gespielt. Mit ihm bin ich die Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen. Er spielt eine ganz feine Klinge, ist ein lustiger Typ und wir hängen viel miteinander ab im Camp. Er wird auf jeden Fall bei der WM dabei sein, der hat schon auf jeden Fall was drauf und kann sich durchsetzen.

Julian Green (Bayern München II):

Ich habe ihn vor dem Camp leider nur kurz beim Training gesehen. Was ich gesehen habe: Er ist ein sehr schneller Typ, der schwer vom Ball zu trennen und ein brandgefährlicher Junge ist. Es ist ganz wichtig, dass er sich für uns entschieden hat und wir einen Spieler wie ihn in Zukunft auf unserer Seite haben. Er wird zur WM fahren und kann für Furore sorgen.

Brad Davis (Houston Dynamo):

Der war schon ein bisschen abgeschrieben, hat sich dann aber noch so reingespielt. Ich kannte ihn auch nicht wirklich gut, bis er gegen Mexiko im Atztekenstadion, wo es echt nicht einfach ist, richtig stark gespielt hat.

ANGRIFF:

Jozy Altidore (Sunderland):

Er ist unangefochten die Nummer eins im Sturm, auch wenn er eine schlechte Saison hatte und es Diskussionen gab. Es ist für ihn natürlich schwer gewesen, gerade wenn man in einer Top-Mannschaft spielt, die hinten drin gesteckt ist. Für die USA hat er aber so wichtige Tore gemacht, der macht die Dinger aus dem Nichts und hält die Bälle wie kein Zweiter. Für mich einer der besten Stürmer, die ich kenne. Vom Typ her ist er mir ähnlich, eher ein Brecher, nur mit besserem Dribbling und Technik. Er wurde früher als Wunder-Talent gehandelt, hat es auch schwer gehabt.

Aron Johannsson (AZ Alkmaar):

Er ist erst Ende letzten Jahres dazugekommen, nachdem er sich für uns entschieden hat. Er hat gleich richtig eingeschlagen, ich verstehe mich richtig gut mit ihm. Für mich müsste er auch in der Anfangsformation spielen, weil er den Unterschied ausmachen kann und eine super Saison gespielt hat. Ein richtig krasser Spieler! Er und Altidore sind sicher dabei.

Chris Wondolowski (San Jose Earthquakes):

Ist ein alter Erfahrener, der schon länger dabei ist, aber konstant seine Tore in der MLS macht. Wenn er die Chance kriegt, nützt er sie meistens. Das macht es schwer für mich, das wird ein harter Kampf gegen ihn. Am Ende soll sich der Beste durchsetzen. Er macht seine Tore, ich habe jetzt auch meine gemacht. Ich hoffe, dass der Konkurrenzkampf dem Team entgegenkommt. Wer die bessere Form hat, wird mitfahren.

DIE AUSSORTIERTEN:

Landon Donovan (Los Angeles Galaxy):

Vom Namen her ist er natürlich unser größter Star. Er hatte jetzt ein Down gehabt, weil er letztes Frühjahr einfach ein paar Monate Pause gemacht hat, was indiskutabel war. Er ist aber wiedergekommen, war beim Gold-Cup schon wieder super. Die Klasse hat er natürlich, keine Frage. Eigentlich war er ein Leistungsträger und ist noch immer unser Rekordtorschütze.

Maurice Edu (Philadelphia Union):

Er ist der Typ mit dem meisten „Swag“ bei uns. Wir reden eigentlich nur über Musik. Ich bin ja mittlerweile der Kabinen-DJ, wenn ich dabei bin. Er ist der Spieler mit dem heftigsten Lifestyle. So wie er lebt, ist er auch auf dem Spielfeld und spielt mit so einem lustigen Flow und Flair. In Europa hatte er eine harte Zeit, aber jetzt ist er hoffentlich wieder der Alte.

Joe Corona (Tijuana):

Ähnlich wie Mikk Diskerud mit fast der selben Spielweise. Er ist ein Zehner und einer meiner „Hermanos“, mit denen ich viel abhänge. Er ist zusammen mit Dempsey der Spieler mit der besten Technik und sehr viel Ballgefühl. Er hat die heftigsten Tricks drauf. Er ist ein guter Freund und wird seinen Weg gehen.


Terrence Boyd (SK Rapid Wien):

Das war jetzt ganz wichtig, dass ich im Endspurt noch oft getroffen habe. Davor hatte ich ja eine Flaute von eineinhalb Monaten. Das ist wichtig für mich und für den Kopf. Ich denke, ich habe Werbung für Österreich und Rapid gemacht, da sie jetzt berichten müssen. Ist doch cool, wenn sie in den USA über Rapid schreiben. Ich habe mir nicht zu große Hoffnungen gemacht. Da gibt es nichts geschenkt, es war hart. Schon in so einem großen Land im 30-Mann-Kader zu stehen, ist eine große Ehre.

Eddie Johnson (D.C. United/schon nicht im 30-Mann-Kader):

Einer meiner besten Freunde in der Nationalmannschaft. Er hat schon sehr viel in seinem Leben erlebt, war früher bei Fulham. Eigentlich schade, dass ich gegen ihn kämpfen musste, um auf den 30-Mann-Kader-Zug aufzuspringen. Im letzten Sommer-Camp haben wir das Zimmer geteilt, haben viel durchgemacht, Höhen und Tiefen. Er kann außen, aber auch im Mittelfeld spielen, ist richtig schnell und stark im 1-gegen-1.

Clarence Goodson (San Jose Earthquakes):

Auch okay, ein Standardverteidiger. Er ist auch schon ein bisschen älter, von ihm habe ich noch nicht so viel gehört. Zu ihm kann ich nicht viel sagen.

 

Brad Evans (Seattle Sounders):

Er hat sich letzte Saison so richtig gemausert und spielt bei den Seattle Sounders. Er hat gegen Deutschland seine Chance bekommen und war seitdem als Rechtsverteidiger gesetzt. Das war schon ein kleiner Paukenschlag, weil es nicht viele erwartet hätten. Aber er hat richtig reingehaut und Gas gegeben. Er ist auf jeden Fall ein Mann für die Zukunft, der seinen Job richtig gut macht.

Michael Parkhurst (Columbus Crew):

Auch einer von den Spielern, die schon lange dabei sind. Er war vor kurzem noch in Augsburg, jetzt ist er bei Columbus Crew. Ein solider Verteidiger!

GRUPPENGEGNER:

 

"Es gibt leichtere Gruppen, aber es ist die WM, wir spielen nicht um irgendeinen Pokal. Mannschaften wie Schweden, Österreich oder Polen sind gar nicht dabei. Hier musst du dich mit den Besten messen. Wir werden bereit sein, alles geben und können die Gruppe überstehen."

 

DEUTSCHLAND:

Deutschland ist auf jeden Fall Turnierfavorit. Ich wünsche ihnen auch alles Gute und hoffe, dass sie weit kommen. Die wollen den Titel auch mal wieder holen. Wir werden alles reinhauen und ihnen das Leben so schwer wie möglich machen. Für mich sind Deutschland, Brasilien, Spanien und hoffentlich auch Belgien, die junge, talentierte Mannschaft mag ich wirklich gerne, die Favoriten. Ich habe schon mal gegen Deutschland gespielt, das war ein Highlight. Da haben mir so viele Leute aus meinen Jahren in Deutschland geschrieben.

 

PORTUGAL:

Ich sage ganz ehrlich: Wir haben die bessere Mannschaft! Abgesehen davon, dass sie Spieler haben, die wenn sie Lust haben, den Unterschied machen. Wenn du diese in den Griff bekommst, denke ich schon, dass wir unsere Chancen kriegen. Wenn man den Kader sieht, haben sie und wir Superstars. Als Team sind wir in der Lage, Portugal zu schlagen. Wir sind eine Mannschaft, die fighten kann.

 

GHANA:

Da haben wir noch eine Rechnung offen. Kevin-Prince Boateng hat uns letztes Mal rausgeschossen, da war ich noch in Berlin und habe mit Familie und Freunden das Spiel geschaut. Da waren wir auch die bessere Mannschaft, aber es kommt auf die Tagesform an. Da kann sehr viel passieren.



Das Gespräch führte Alexander Karper

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