Prandelli über Suarez: "Es ist eine Schande!"

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Uruguay steht im Achtelfinale, Italien ist draußen.

Ein spätes Tor von Kapitän Diego Godin (81.) sicherte den Südamerikanern in Gruppe D den knappen 1:0-Erfolg und den damit verbundenen Aufstieg in die Runde der letzten 16.

Die „Squadra Azzurra“ scheiterte wie bei der WM 2010 in Südafrika  in der Vorrunde. Als Folge gab Teamchef Cesare Prandelli  seinen Rücktritt bekannt.

„Am Ende des Spiels habe ich zum Verbandspräsidenten gesprochen. Weil es meine Verantwortung ist, habe ich ihm gesagt, dass ich zurücktrete. Es tut weh, so aus der WM auszuscheiden. Ich übernehme die gesamte Verantwortung. Mein technisches Konzept ist gescheitert. Das Projekt stand unter meiner Verantwortung. Es ist missglückt“, begründete der 56-Jährige seinen Rückzug.

Damit nicht genug. Auch Verbandspräsident Giancarlo Abate erklärte seinen "unwiderruflichen Rücktritt".

Soviel zum Sportlichen.

Biss-Attacke von Suarez

Denn überschattet wurde das Spiel von einer erneuten Biss-Attacke von Uruguays Stürmerstar Luis Suarez.

Der 27-Jährige rammte beim Stand von 0:0 Gegenspieler Giorgio Chiellini bei einem Zweikampf die Zähne in die Schulter (79.) – ohne Folgen!

Zu dieser Zeit spielte Italien nur mehr zu zehnt, denn Claudio Marchisio hatte nach einem Foul an Arevalo von Schiedsrichter Marco Rodriguez (MEX) die Rote Karte gesehen – eine harte Entscheidung.

Dementsprechend aufgebracht waren die Verlierer. „Die Partie wurde vom Schiedsrichter entschieden. Suarez hätte Rot verdient. Es war ein klarer Biss und dann ist er hingefallen, weil er gewusst hat, dass er etwas getan hat, was er nicht tun hätte sollen“, schimpfte Opfer Chiellini.

"Ich habe die Szene nicht gesehen, aber ich habe die Bissspuren an Chiellini gesehen. Es ist eine Schande", sagte der zurückgetretene Prandelli.

Klare Worte an die FIFA

Der Juve-Verteidiger hofft zumindest auf  nachträgliche Konsequenzen. „Suarez ist ein Schurke und er kommt immer damit davon, weil die FIFA ihre Stars bei der WM sehen will. Es würde mich freuen, wenn die Verantwortlichen Mut beweisen und in diesem Fall den Video-Beweise hernehmen. Der Schiedsrichter hat die Biss-Wunden gesehen, aber nichts gemacht.“

Ob der Stürmer  tatsächlich nachträglich gesperrt wird, will die FIFA erst nach Einsicht des offiziellen Spielberichts entscheiden. Ihm droht offenbar eine Sperre von bis zu zwei Jahren.

Lange Strafakte

Schließlich ist die Straf-Akte des Liverpool-Stars lang.

Erst zu Saisonbeginn hatte er noch sechs Spiele (von insgesamt zehn) aussetzen müssen, nachdem er in der vergangenen Saison Chelseas Branislav Ivanovic in den Arm gebissen hatte. In seiner Zeit bei Ajax Amsterdam hatte Suarez 2010 im Spiel gegen den PSV Eindhoven Gegenspieler Otman Bakkal ebenfalls in die Schulter gebissen und eine Sieben-Spiel-Sperre kassiert.

Im Dezember 2011 hatte sich Suarez eine Acht-Spiel-Sperre wegen rassistischen Äußerungen gegen Patrice Evra eingehandelt.

Bei der WM 2010 in Südafrika kassierte er aufgrund einer anderen Sache die Rote Karte. Uruguay erreichte damals nur dank Suarez' absichtlichen Handspiels in der Schlussminute der Verlängerung auf der Torlinie im Viertelfinale gegen Ghana das Halbfinale. Asamoah Gyan vergab den verhängten Elfmeter und Uruguay schaffte im Elfmeterschießen den Aufstieg.

Italien

Uruguay

Ballbesitz

55%

45%

Zweikämpfe

49%

51%

Eckbälle

3

3

Torschüsse

9

14

Torschüsse außerhalb Strafraum

7

7

Torschüsse innerhalb Strafraum

2

7

Kopfballchancen

0

3

Abseits

3

1

Fouls

19

19

Suarez schweigt zur Aktion

Der Betroffene wollte sich zu seiner Aktion natürlich nicht äußern,  freute sich viel lieber über das Weiterkommen. „Wir hatten nach Rot von Marchisio  Rückenwind und haben dann unsere Chancen genutzt. Wir haben uns den Sieg verdient, haben so viel gearbeitet, es ist unglaublich. Wir sind wirklich schlecht ins Spiel gestartet, haben aber das Beste daraus gemacht, immer an den Sieg geglaubt und ihn im Endeffekt eingefahren. Es war so anstrengend, jetzt haben wir keine Energie mehr. Wir genießen den Moment, erst dann denken wir an den nächsten Gegner.“

Uruguay-Coach Oscar Tabarez gestand, die Biss-Aktion nicht gesehen zu haben. „Wenn es passiert ist, dann hat es der Schiedsrichter möglicherweise nicht gesehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es gibt wichtigere Sachen als diese in einem Spiel.“

Buffon beweist Größe

Größe bewies Gianluigi Buffon, der für das Ausscheiden keine Ausreden suchen wollte: „Lassen wir den Schiedsrichter Schiedsrichter sein. Am Ende kann man nicht immer jemandem die Schuld geben. Wir sind ausgeschieden, haben zu wenig Tore geschossen. Wenn man in zwei Spielen hintereinander kein Tor schießt, ist man auch selber Schuld. Irgendetwas hat sicher gefehlt. Das Einzige, das ich sagen kann, ist, dass es viele Leute gibt, die einfach zu viel erwarten“, meinte Italiens Schlussmann und hatte damit Recht.

Denn Pirlo und Co. bekleckerten sich auch bei Elf gegen Elf nicht gerade mit Ruhm. Erstmals seit der WM 1966 brachte die Auswahl nur einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor.

„Für mich persönlich, für unser Team und für das gesamte Land ist das heute ein sehr schwerer Tag. Es ist ein Tag des Scheiterns. Wir sind sehr unglücklich über unsere Spielweise. Das muss uns nachdenklich stimmen. Jetzt geht es darum, unser Gewissen zu hinterfragen“, meinte der 36-Jährige abschließend.

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