Großer Katzenjammer in England nach dem Aus

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Erstmals seit 56 Jahren fliegt England bei einer Weltmeisterschaft schon nach der Gruppenphase nach Hause. Nach dem 1:2 am Donnerstag gegen Uruguay blieb am Freitag Schützenhilfe durch Italien aus.

Englands Teamchef Roy Hodgson bezog heftige mediale Prügel, will und soll aber trotzdem seinen Vertrag bis 2016 erfüllen.

Die "Three Lions" sind in die große Bedeutungslosigkeit abgestürzt. Erstmals seit 1958 und wie schon bei der ersten Brasilien-WM 1950 setzte es das WM-Aus schon in der ersten Turnierphase - den Schuldigen hatten die Zeitungen schnell gefunden.

"Sorry Roy, das ist Müll"

"Netter Kerl, falscher Trainer: Hodgson muss nach irrem neuen Tiefpunkt entlassen werden", schrieb die "Daily Mail" am Morgen nach der neuerlichen Enttäuschung. Der "Daily Mirror" analysierte erbarmungslos: "Grausam in der Abwehr, jämmerlich im Mittelfeld. Sorry Roy, das ist Müll."

Hodgson aber will nicht aufgeben. "Natürlich bin ich bitter enttäuscht, aber ich sehe keine Notwendigkeit, zurückzutreten. Sollte der Verband allerdings denken, dass ich nicht der richtige Mann bin, ist das seine Entscheidung, nicht meine", erklärte er schon vor dem endgültigen Aus.

Der Verband sprach Hodgson postwendend das Vertrauen aus. "Wir unterstützen Roy Hodgson und haben ihn gebeten, als Englands Coach zu bleiben", sagte der FA-Vorsitzende Greg Dyke dem englischen TV-Sender Sky Sports News. Der Trainer sei gekommen, um einen Vier-Jahres-Zyklus zu absolvieren.

Unterstützung für Italien hilft nicht

Die einst so stolze Fußball-Nation England wütet derweil über das historische WM-Desaster. "Moderner Fußball-Skandal", "in die Fresse getreten", schrieben die Zeitungen.

"England war die Mannschaft, die wie Spanien spielen wollte, letztlich haben sie es geschafft", meinte "Guardian"-Kolumnist Daniel Taylor sarkastisch.

Das 1:2 gegen Uruguay durch zwei Tore von England-Legionär Luis Suarez riss die hochgelobten Stars um Wayne Rooney aus allen Träumen, das endgültige Scheitern besiegelte Costa Rica mit dem 1:0 über Italien.

Die Engländer fieberten mit dem europäischen Rivalen vergeblich: Die BBC startete ihre Übertragung mit den Worten "Forza Italia", Stürmerlegende Gary Lineker moderierte im Azzurri-Trikot.

Nach dem Spiel war er kein Italien-Fan mehr. "Verdammt typisch. Was haben diese Römer jemals für uns getan?", twitterte Lineker.

Gerrard überlegt Nationalteam-Zukunft

Mit leerem Blick und Händen in den Hosentaschen hatte Steven Gerrard schon am Vorabend ausgesprochen, was alle im englischen Lager dachten: "Das ist so frustrierend", sagte der 34-Jährige.

Ob er dem Team über die WM hinaus zur Verfügung steht, ließ der Kapitän offen. "Ich denke, dass ich den Schmerz und das Gefühl wegschieben muss und schaue, was die nächsten vier oder fünf Tage passiert", sagte der Liverpool-Mittelfeldspieler.

Die beiden Symbolfiguren für den bitteren K.o. hießen Gerrard und Wayne Rooney. Der Stürmerstar von Manchester United schoss nach all der Kritik in den vorangegangenen Tagen endlich das erste WM-Tor seiner Karriere (75.). Doch sein Pech war, dass Uruguays Torjäger Luis Suarez vom großen Rivalen Liverpool wie schon so oft in der abgelaufenen Premier-League-Saison noch ein wenig erfolgreicher war.

Suarez traf gleich zweimal - in der 39. und 85. Minute. Und Rooney war danach so enttäuscht, dass er kommentarlos von der Kabine in den Mannschaftsbus schlich. "No, sorry", sagte er den Journalisten nur.

Ein Unglück kommt selten allein

Gerrard hatte zum entscheidenden zweiten Tor von Suarez die unfreiwillige Vorarbeit geleistet. Er lenkte den Ball mit dem Hinterkopf unglücklich weiter. Dafür konnte der Routinier zwar wenig, aber nach der schon schwachen Vorstellung beim WM-Auftakt gegen Italien (1:2) weckte auch dieser Abend traurige Erinnerungen an die vergangene Club-Saison.

Es war ein Fehler von Gerrard, der Liverpool im Spiel gegen Chelsea die entscheidende Niederlage im Meisterschaftsrennen einbrachte. "Auf diesem Level darfst du einem Weltklasse-Spieler wie Suarez nicht eine einzige Chance ermöglichen", sagte er geknickt.

"Wir können die Rolle von Gerrard nicht ignorieren", schrieb der "Telegraph" über den sonst sakrosankten Kapitän. "Zeit für eine neue Generation."

Gerrard und Rooney haben nun in zwei verschiedenen Epochen englische Fußballer zu einer WM geführt. Sie liefen dem Titel schon im Verbund mit John Terry, Paul Scholes oder Rio Ferdinand vergeblich hinterher und sind nun auch an der Seite der neuen Jungstars wie Raheem Sterling und Daniel Sturridge gescheitert.

Diese Altersklasse weckt in England wieder große Hoffnungen.

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