Zigaretten und Bier nach historischem Erfolg

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Heureka, es ist vollbracht!

Zum ersten Mal in der Geschichte gelang Griechenlands Nationalmannschaft der Sprung ins Achtelfinale einer Weltmeisterschaft.

„Wir sind unglaublich stolz auf das, was wir erreicht haben und ich hoffe, wir konnten den Menschen zuhause in Griechenland einen Grund zum Feiern geben“, freute sich Georgios Samaras. Der Stürmer machte mit seinem verwandelten Elfmeter zum 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste den historischen Meilenstein für die Hellenen perfekt.

Samaras völlig cool

Die Last einer ganzen Nation, die in der 93. Minute auf seinen Schultern lastete, blendete Samaras dabei gekonnt aus. „Nein, Druck habe ich keinen gespürt“, sagte er nach dem Spiel. „Ich war nur darauf fokussiert, den Ball ins Netz zu schießen. Es sind elf Meter zwischen dir und dem Tormann und wenn du zu viele Gedanken im Kopf hast, passiert es leicht, dass du verschießt.“

Damit führte der 29-Jährige ein hellenisches Drama, wie es Homer nicht spannender schreiben hätte können, zu einem positiven Ende. Bereits in der ersten Hälfte musste Coach Fernando Santos zwei Mal verletzungsbedingt wechseln. Zwei Latten- und ein Stangentreffer sowie der zwischenzeitliche Ausgleich der Afrikaner ließen den Europameister von 2004 zusätzlich verzweifeln.

„Wir sind wie eine Familie, wir kämpfen gemeinsam bis zur letzten Minute“, kannte Keeper Orestis Karnezis das Erfolgsrezept und fühlte sich an die EM vor zwei Jahren erinnert, als man ebenfalls mit minimalistischen Ergebnissen die Gruppenphase überstand.

Verdienter Sieger

Dass es am Ende ein glücklicher Sieg war, wollte Samaras allerdings nicht so stehen lassen. „Wir haben besser gespielt als die Elfenbeinküste und wir hatten Chancen, das Spiel früher zu entscheiden. Und wir haben nie aufgehört, daran zu glauben, dass wir uns qualifizieren können“, erklärte der Siegtorschütze.

Auch Coach Santos sah den Sieg insgesamt verdient. „Es war ein Spiel ohne morgen und wir haben es mit enorm viel Leidenschaft bestritten“, sprach er seinen Spielern Lob aus. „Den Ausgleich der Elfenbeinküste empfand ich nicht fair, aber am Ende hat sich alles zum Guten gewendet.

Griechenland Elfenbeinküste
Ballbesitz 45,70 % 54,30 %
Zweikämpfe 57,14 % 42,86 
Eckbälle 4 7
Torschüsse 13 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 9 5
Torschüsse innerhalb Strafraum 4 8
Kopfballchancen 0 1
Abseits 1 1
Fouls 12 23

„Ich weiß, wie glücklich die Menschen in Griechenland jetzt sind. Wir müssen diesen Moment genießen und wir sind stolz, dem Land diese riesige Freude bereitet zu haben“, fügte der Portugiese hinzu. Wie er selbst den Erfolg feiern werde, wusste Santos auch schon: „Mit drei, vier Bierchen und ein paar Zigaretten“, verriet er.

Lamouchi macht nicht weiter

Nichts zu Feiern gab es indes für Gegner Elfenbeinküste, dem ein Umbruch bevorsteht. Nachdem die Goldene Generation um Didier Drogba auch bei ihrer dritten WM nicht über die Vorrunde hinaus kam, stehen einige Stars vor dem Ende ihrer Teamkarrieren. Zudem gab auch Trainer Sabri Lamouchi nach dem Scheitern bekannt, die „Elefanten“ zu verlassen.

„Meine Geschichte hier ist zu Ende“, erklärte der Franzose, dessen Vertrag ausläuft, geknickt. „So zu verlieren ist natürlich brutal und ich bin im Moment sehr deprimiert. Aber es macht mich stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein, auch wenn wir zwei schwierige Jahre hinter uns haben.“

Erst feiern, dann kommt Costa Rica

Während die Afrikaner also die Koffer packen müssen, hat Griechenland das Duell mit Überraschungsteam Costa Rica vor der Brust. Wirklich beschäftigen wollten sich die Hellenen mit dem nächsten Gegner aber noch nicht.

„Sie haben sich in der Todesgruppe als Erster durchgesetzt das ist beeindruckend. Wir haben jetzt aber genug Zeit um uns auf ihre Spielweise einzustellen. Es ist ganz normal, dass die Spieler erst einmal den heutigen Erfolg feiern müssen, bevor wir uns voll auf die nächste Partie konzentrieren“, blickte Santos der kommenden Aufgabe relativ gelassen entgegen.


Christoph Kristandl aus Fortaleza

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