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Herbert Gager und die Ironie des Schicksals

"So ist eben der Fußball, das ist Zufall."

Oder nicht doch Ironie des Schicksals, lieber Herbert Gager?

Der Trainer des SKN St. Pölten trifft am Donnerstag in der zweiten Qualifikations-Runde der Europa League auf Botew Plowdiw (ab 18:45 Uhr im LIVE-Ticker).

Der Wiener spielt also Europacup - und das mit einem Zweitligisten.

Rochade mit Gerald Baumgartner

Der 44-Jährige coachte vergangenes Frühjahr noch die Wiener Austria, verpasste aber mit den Violetten den dritten Rang und damit einen Europa-League-Startplatz.

Die Veilchen entschieden sich für eine Neubesetzung auf dem Cheftrainer-Posten, Gager gegen einen Weiterverbleib im Verein als Amateure-Trainer. Dieses Amt hatte er ja schon zuvor bekleidet.

Gager wollte Chef bleiben und verließ nach vielen Jahren als Nachwuchs- und Amateure-Trainer erstmals in Karriere Nr. 2 den Verteilerkreis.

Und er tauschte mit Gerald Baumgartner die Rollen. Denn der ist nun bekanntlich FAK-Übungsleiter, Gager coacht die "Wölfe"

Umfeld wie bei der Austria

"Vom Umfeld gibt es wenig Unterschiede zwischen der Austria und St. Pölten. Die Infrastruktur rund um den Verein ist Bundesliga-reif. Von daher haben wir sehr gute Bedingungen für erfolgreichen Fußball", sagt der ehemalige Bundesliga-Kicker (285 Spiele) im LAOLA1-Gespräch.

Der langjährige Verteidiger, den das Verpassen des Europacups freilich enttäuschte, war von der violetten Entscheidung nicht wirklich überrascht.

"Wenn du bei der Austria so etwas nicht schaffst, dann kannst du dir vorstellen, wie die Entscheidung aussehen wird. Von dem her war ich nicht enttäuscht, dass mein Vertrag nicht verlängert wurde, sondern dass wir es gegen Sturm nicht in den Europacup geschafft haben."

"Ich bereue nichts"

Zurückblickend hätte Gager aber auch nichts anders gemacht.

"Ich bereue keine Entscheidung, die ich getroffen habe. Während der Saison einzugreifen ist problematisch. Das habe ich bemerkt. Vor allem körperlich kannst du nicht mehr viel machen. Die Verletzung von Kaja Rogulj war sicher auch problematisch, wenn dir der beste Verteidiger wegbricht. Aber mit diesen Umständen musst du eben leben."

Schnee von gestern. Mit St. Pölten konnte sich Gager einer gestandenen Zweitliga-Mannschaft anschließen. Baumgartner brachte als Nachfolger von Martin Scherb die "Wölfe" wieder an die Spitze.

Ziel ist freilich der Aufstieg in die Bundesliga, doch das wird ein schwieriges Unterfangen, so lange Spieler wie Jano abgegeben werden.

Auch in St. Pölten schwimmt man eben nicht im Geld und streckt sich eher an der Decke.

Gager, der bei seinem Pflichtspiel-Debüt einen 8:0-Sieg bei Admira Landhaus im Cup feierte, ist trotzdem optimistisch: "Jano war sicher ein wichtiger Spieler. Mit David Parada haben wir einen weiteren Spanier geholt, der in seine Rolle schlüpfen soll. Außerdem haben wir noch Spieler im Mittelfeld, die mehr Verantwortung übernehmen sollen, beispielsweise Kerschbaumer oder Hofbauer."

"Doppelbelastung ist lächerlich"

Der neue Trainer, der noch an Austrianern interessiert ist, will von seinen Spielern eine aktive Spielweise sehen, bei der der Gegner früh gestört wird. Damit gibt es keinen Unterschied zu Baumgartner.

Am Donnerstag starten die Niederösterreicher als Cup-Vize und damit letzter Lucky Loser dieses Bewerbs - ab dieser Saison darf nur der Cup-Sieger antreten - mit dem Abenteuer Europacup und gastieren in Bulgarien.

Das Wort Doppelbelastung will der neue Coach gar nicht hören.

"Wenn wir jetzt am Saisonanfang bei gerade einmal zwei Europacup spielen von einer Doppelbelastung reden, dann ist das lächerlich. Es ist super, dass wir in Europa spielen dürfen. Wir wollen das."

Bereits gegen Plowdiw getestet

Und was ist möglich? Den Gegner kennt man pikanterweise ganz gut - man unterlag Plowdiw im ersten Test in der Saisonvorbereitung mit 2:4.

"Das ist schwer einzuschätzen. Wir haben den Gegner natürlich schon beobachtet, haben auch in der Vorbereitung schon gegen Plowdiw gespielt. Sie haben eine gute Mannschaft, haben aber momentan finanzielle Probleme und mussten deswegen den ein oder anderen Spieler verkaufen. Es wird sicher keine leichte Aufgabe", so Gager.

Doch das Zubrot Europacup soll über eine Runde hinausgehen: "Die Mannschaft ist heiß auf diese Spiele, sie will zeigen, dass wir Österreich zurecht in Europa vertreten dürfen."

 

Jakob Faber / Bernhard Kastler

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