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"Ich bezweifle, ob Salzburg das kann"

Dabei hatte Schilcher laut eigenen Angaben so große Talente wie ÖFB-Star David Alaba empfohlen, bevor dieser 2008 zu Bayern München wechselte. "Solche Spieler hätten sie selber genug, haben sie gesagt", erinnerte sich der frühere Mittelfeldspieler.

"Das war ein bisschen frustrierend für mich. Wenn ich diese Spieler dann keinem anderen Club empfehlen kann, dann macht das für mich keinen Sinn. Also haben wir uns dann einvernehmlich getrennt."

"Wenn einer spielen will, geht er zu Ajax"

Dazu kam 2011 der Prozess um Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig, in dem auch Schilcher auf der Anklagebank Platz nehmen musste. "Ich hätte einfach keine Zeit mehr gehabt", erklärte der Fußball-Pensionist.

Das Geschehen bei Ajax verfolgt er aber immer noch. "Sie haben sich damit abgefunden, dass sie ein Ausbildungsverein sind. Dafür ein sehr guter", erklärte Schilcher.

Im Gegensatz zu europäischen Topclubs werden junge Talente bei Ajax auch wirklich eingesetzt. "Wenn einer spielen will, geht er lieber zu Ajax als zu Chelsea, auch wenn er dort ein Vielfaches verdienen könnte", meinte Schilcher.

"Junge Spieler haben bei Ajax realistische Chancen. Das ist eine echte Sprungschanze." Im Sommer erwischte etwa Christian Eriksen den Absprung. Der Däne wechselte für 13,5 Mio. Euro zu Tottenham.

1972 und 1973 gewann er mit Ajax Amsterdam den Meistercup, zuletzt war er vier Jahre als Scout für den niederländischen Rekordmeister tätig.

Kaum jemand in Österreich kennt den Gegner von Red Bull Salzburg so gut wie Heinz Schilcher.

"Ajax ist leichter Favorit", erklärte der frühere Sturm-Manager vor dem Duell im Sechzehntelfinale der Fußball-Europa-League.

"Ajax national mehr gefordert"

Schilcher begründet das nicht mit der individuellen Klasse, die bei Salzburg zumindest in gleichem Ausmaß gegeben ist, sondern mit dem starken Ajax-Kollektiv.

Beide Clubs sind in ihren Ligen souveräner Tabellenführer, haben seit Monaten nicht verloren. "In den Niederlanden sind aber doch sechs, sieben Topteams drinnen. Da wird Ajax mehr gefordert als Salzburg in Österreich", erinnerte Schilcher.

Schlüssel sei es, das Flügelspiel der Niederländer zu unterbinden. "Die Schwachstellen der Salzburger könnten die Außenverteidiger sein, auf die wird viel Arbeit zukommen", erklärte Schilcher.

"Wie oft können sie das?"

Zumal Ajax ohne echten Stürmer spielt, sondern um Offensivstar Siem de Jong sehr stark rotiert. "Ajax kann 90 Minuten ein hohes Tempo gehen. Ich bezweifle, ob Salzburg das kann", sagte der frühere Amsterdam-Legionär.

Über Offensivspieler von der Qualität eines Alan oder Sadio Mane verfüge Ajax aber nicht, urteilte Schilcher. "An einem guten Tag, wenn sie ihr Potenzial 90 Minuten abrufen, können die Salzburger gegen jeden Gegner in Europa gewinnen", meinte der 66-jährige Steirer. "Die Frage ist: Wie oft können sie das?"

Trotz seiner Verbundenheit mit Ajax würde sich Schilcher über einen Erfolg der Bullen freuen. "Das wäre ein Schub für den österreichischen Fußball."

"Das war frustrierend für mich"

Er selbst ist beim Rückspiel kommende Woche als Ajax-Gast nach Salzburg geladen, das Hinspiel am Donnerstag (21.05 Uhr) lässt er aus.

Von 2007 bis 2010 war Schilcher als Scout für Mittel- und Osteuropa für die Niederländer tätig. Transfer ist aus seinem Gebiet aber keiner zustande gekommen.

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