Salzburgs Probleme: Alle hausgemacht

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Mit der höchsten Europacup-Niederlage in der Red-Bull-Ära endet Salzburgs Traum vom Europa-League-Achtelfinale.

Natürlich gibt es noch das Rückspiel in Charkiw. Natürlich bestehen noch theoretische Chancen.

Aber für einen Aufstieg bräuchte es nach dem 0:4-Debakel gegen Metalist schon ein Fußball-Wunder der größten Sorte.

Dass die „Bullen“ überhaupt in diesem Ausmaß unter die Räder kamen, hat mehrere Gründe. Die meisten Probleme sind dabei hausgemacht.

LAOLA1 geht auf Ursachenforschung:

  • Defensive:

Ein altes Sport-Sprichwort besagt: „Offense wins games, defensive wins championships.“ Frei übersetzt heißt das so viel wie: Mit Offensive gewinnst du vielleicht einzelne Spiele, aber für den ganz großen Wurf braucht es eine stabile Defensive. Und genau darin liegt das Grundübel bei Salzburg. Abwehrchef Douglas da Silva fehlt nach seiner einjährigen Verletzungspause sichtlich die Sicherheit und das Timing, gegen Charkiw fabrizierte er darüberhinaus den Schnitzer zum frühen 0:1. Dass der Brasilianer dann auch noch die Höchststrafe kassierte und nach 26 Minuten vom Platz musste, wird auch nicht unbedingt das Selbstvertrauen des 27-Jährigen stärken. „Ich wollte ihn nicht weiter leiden sehen“, begründete Trainer Ricardo Moniz. Zu Douglas' Ehrenrettung sei erwähnt, dass auch seine Nebenleute einen rabenschwarzen Tag erwischten. Die Viererkette ist und bleibt eine Baustelle.

  • Kader-Zusammenstellung:
Während Moniz in der Offensive meist die Qual der Wahl hat, krankt es in der Defensive gehörig. Auf den Außenverteidiger-Positionen setzt der Niederländer meist auf Spieler (Hierländer, Svento, Schiemer…), die sich dort weder besonders wohl fühlen, noch ihre Aufgabe besonders gut erledigen. Dafür gehören gelernte Außenverteidiger wie Ulmer oder Schwegler oft nicht einmal dem Kader an. Auch im defensiven Mittelfeld gibt es vergleichsweise wenig Alternativen. Neben dem verletzungsanfälligen Mendes da Silva steht nur der bislang enttäuschende Lindgren zur Verfügung.

  • Philosophie:

Welche Philosophie verfolgen die „Bullen“? Gibt es überhaupt eine? Von Kontinuität ist jedenfalls nicht zu sehen. Zum Vergleich: Während Miron Markevich schon seit Sommer 2005 als Metalist-Trainer fungiert, hatte Salzburg im selben Zeitraum fünf Trainer (Jara, Trapattoni, Adriaanse, Stevens, Moniz) sowie vier Sportdirektoren (Wiebach, Hochhauser, Kreuzer, Beiersdorfer). Und mit jedem Wechsel in der sportlichen Führung folgte auch eine Änderung der Philosophie. Erst vergangenen Sommer kündigten Moniz und Hochhauser den jungen österreichischen Weg an, um dann letztlich doch wieder zahlreiche Legionäre zu verpflichten. Die meisten davon enttäuschten, sind nur Kader-Ergänzungen oder schon wieder weg (Pasanen, Lindgren, Chema Anton, Bruins).

  • Taktik:

Ein richtiges Spielsystem ist unter Moniz kaum zu erkennen. Gegen stärkere Gegner wie Charkiw bietet er zwei Offensiv-Spieler (Hierländer, Svento) auf den Außenverteidiger-Positionen auf, die dabei - wenig überraschend - heillos überfordert waren. Gegen schwächere Gegner agiert der Niederländer hingegen oft zu konservativ. Auch offensiv ist vieles Stückwerk. Mal ist das Spiel nach Sturm-Riese Stefan Maierhofer ausgerichtet, seit Winter wieder auf einen anderen Spielertypen (Soriano). Moniz haftet zudem das Image an, mehr ein Individual-Coach als ein Cheftrainer zu sein.

  • Führungsspieler:

Gerade wenn es nicht läuft, braucht eine Mannschaft Führungsspieler. Leader, die voran gehen und Probleme knallhart ansprechen. Sinnbildlich für Salzburgs fehlende Hierarchie: Gegen Charkiw führte Leonardo die „Bullen“ als Kapitän aufs Feld. Dabei gilt der Brasilianer nicht unbedingt als Teamplayer und soll auch innerhalb der Mannschaft kein besonders hohes Standing genießen. Die Sommer-Neuzugänge Pasanen und Lindgren waren ursprünglich auch als Führungsspieler vorgesehen, beide hatten bzw. haben aber meist mit sich selbst zu kämpfen. Und die nach langen Verletzungspausen zurückgekehrten Douglas und Mendes da Silva dürften gegen Charkiw das letzte verbliebene Selbstvertrauen verloren haben. Gegen Meister Sturm muss Salzburg nun wieder einmal den Sprung aus der Krise schaffen. Erfahrungen darin hat man in den letzten Monaten genug gesammelt.

Kurt Vierthaler

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