Ried wächst in Europa-League-Quali über sich hinaus

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Vor der dritten Runde der Europa-League-Quali war klar: Legia Warschau geht als klarer Favorit in das Duell mit der SV Ried.

Am Donnerstag war in der mit 4.200 Zuschauern besuchten „Keine-Sorgen-Arena“ von einer polnischen Übermacht aber nur wenig zu sehen.

Die Innviertler setzten sich dank einer taktischen und läuferischen Meisterleistung gegen die „Legionärstruppe“ rund um den ehemaligen deutschen Bundesliga-Spieler Danijel Ljuboja mit 2:1 durch und dürfen vom Aufstieg ins Play-off träumen.

„Die Mannschaft hat wirklich großartig gespielt. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Es war eine enorme kämpferische Leistung“, zollte Trainer Heinz Fuchsbichler seinen Schützlingen im Gespräch mit LAOLA1 Respekt.

Laufarbeit und Defensive Schlüssel zum Erfolg

Tatsächlich hatten die Oberösterreicher den klaren Favoriten klar im Griff. Die Defensive stand kompakt, die Laufarbeit war herausragend – zusammen der Schlüssel zum Erfolg an diesem Europacup-Abend.

„Das ist immer so im Fußball. Wenn man defensiv gut organisiert ist und man läuferisch einfach die Leistung bringt, dann erkämpft man sich die Chancen und findet zu seinem Spiel“, war Anel Hadzic stolz auf die gezeigte Leistung.

Dem pflichtet auch der Chefbetreuer bei: „Man hat von der ersten Sekunde an gespürt, dass die Jungs das unbedingt wollen. Es ist für sie ein Erlebnis, gegen so eine große Mannschaft wie Legia Warschau zu spielen und zu zeigen, wie weit man schon ist. Das hat die Spieler angespornt.“

In der 31. Minute kamen die Rieder mit einem Hinum-Weitschuss erstmals gefährlich vor das Tor und erspielten sich daraufhin mehrere gute Möglichkeiten.

Gartler als personifizierte Rieder Tor-Gefahr

Die Sensation war schon zu diesem Zeitpunkt zum Greifen nahe. „Sensationell ist ein bisschen übertrieben, aber es war heute wirklich eine super Mannschaftsleistung. Mit dem 2:1 können wir zufrieden sein“, resümiert Hinum.

Einer hatte aber besonders großen Anteil am Heimsieg des ÖFB-Vertreters und wurde seinem Ruf als „personifizierte Rieder Torgefahr“ einmal mehr gerecht: René Gartler.

Der Ex-Rapidler kehrte nach einer Muskelverhärtung wieder in die Startelf zurück und schrieb nach seinen zwei Treffern zum Bundesliga-Auftakt gegen die Admira auch erstmals in der Europa-League-Quali an.

In der 51. Minute stand er bei einer Hereingabe von Mario Reiter und eines Blackouts seines Gegenspielers goldrichtig und nickte zur 1:0-Führung ein.

„Man muss immer weitermachen, dann wird man belohnt“

„Es kann nicht jede Hereingabe auf meinen Kopf kommen. Aber man muss immer weitermachen, dann wird man belohnt. Ich bin heute wieder belohnt worden“, freute sich der Torschütze über seine Glückssträhne.

Seinen derzeitigen Erfolgslauf setzt der 26-jährige Stürmer gerne fort. Nach vielen Rückschlägen in der Vergangenheit ist dieser Balsam für die Seele.

„Ich fühle mich sehr wohl in Ried und bekomme hier das Vertrauen geschenkt. Die Mannschaft setzt mich super ein und ich kann meine Chancen nützen“, so Gartler weiter.

Das zwischenzeitliche 2:0 erzielte Hadzic per souverän verwandeltem Elfmeter (62.), nachdem Jakub Wawrzyniak bei einem Schussversuch die Hand innerhalb des Strafraums zur Hilfe nahm. Der Übeltäter musste daraufhin mit Gelb-Rot vom Platz.

Spätes Gegentor schmerzt

Rieds Mittelfeldmotor ließ sich die Chance nicht entgehen.

„Es war keine Nervosität da. Ich habe mich eigentlich gefreut, dass ich auf die polnischen Fans schieße. Die Freude nach dem Tor war unglaublich.“

Weniger erfreulich war jedoch, dass sich die Hausherren durch einen erhaltenen Gegentreffer in der Schlussphase fast selbst um die Früchte der Arbeit brachten.

Nach einem Freistoß in der 84. Minute köpfte Ljuboja das 1:2. „Das Gegentor wurmt mich natürlich, dass hätte nicht sein müssen“, so Hadzic. Sein Trainer fügte hinzu:

„In den letzten zehn Minuten hat man gemerkt, dass die Mannschaft dem hohen Einsatz Tribut zollte. Wir haben zwar auf das dritte Tor gespielt, aber im Endeffekt waren wir dann nicht mehr so zweikampfstark und haben leider dieses Tor kassiert.“

„Wir können ihnen die Partie vermiesen“

Trotzdem gehen die Rieder mit enormem Selbstvertrauen in das Rückspiel kommende Woche in Warschau.

„Wenn ich vor der Partie ein 2:1 unterschreiben hätte können, hätte ich es getan. Ich glaube, wir brauchen sowieso ein Auswärtstor, um eine Chance zu haben, weiterzukommen“, meinte Fuchsbichler.

Hadzic gab gleich eine Kampfansage an die Polen ab: „Wieso nicht? Man sieht, dass sie auch nicht unverwundbar sind. Natürlich haben sie das Publikum im Hintergrund, aber wir können ihnen die Party in Warschau vermiesen.“

Mit einer ähnlich starken Leistung wie im Heimspiel ist die nächste Sensation gar nicht einmal so unrealistisch.


Alexander Karper

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