Barisic: "Villarreal ist ein Mini-Barcelona"

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„Villarreal ist ein Mini-Barcelona.“

Normalerweise ist Rapid-Trainer Zoran Barisic keiner, der große Vergleiche zieht oder Aussagen wie diese rauslässt.

Im Vorfeld der ersten Begegnung in der Gruppenphase der Europa League macht der 45-jährige Wiener eine Ausnahme und legt die Latte für die Grün-Weißen damit sehr hoch.

„Villarreal kann sich auf alles einstellen, kann spielen, aber auch kämpfen“, führt der Chefbetreuer seine Ausführungen fort.

Villarreal steht für Spaniens „Erntezeit“

Prinzipiell profitieren die „gelben U-Boote“ von Spaniens Vormachtstellung auf internationaler Ebene in den vergangenen Jahren und sind nicht umsonst als Spitzenmannschaft einzustufen.

„In Spanien wird seit zig Jahren viel getan, das belegen die internationalen Erfolge. Dadurch ist es ein Vorbild, vor allem in der Nachwuchsarbeit. In den letzten Jahren haben sie geerntet.“

Die Herausforderung ist groß, auch wenn es sich mit Villarreal „nur“ um den Sechsten der abgelaufenen La-Liga-Saison handelt.

Wie gut das Team aus der Provinz Castellon wirklich ist, stellte es u.a. im Sechzehntelfinale der Europa League vergangene Saison gegen RB Salzburg unter Beweis.

„Das ist mit damals nicht mehr zu vergleichen“

Aufgrund der zahlreichen Abgänge von Top-Spielern wie Luciano Vietto (Atletico), Giovanni dos Santos (L.A. Galaxy) oder Denis Cheryshev (nach Leihe zurück zu Real) und Neueinkäufen kann man aus den Spielen von damals jedoch kaum noch Schlüsse ziehen (hier geht's zur Story: Die gelben U-Boote im Umbruch).

„Das waren sehr wichtige Spieler für Villarreal. Die Mannschaft ist mit damals nicht mehr zu vergleichen, aber der Spielstil bleibt der gleiche. Da ist noch sehr viel Qualität vorhanden“, warnt Barisic und kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen:

„Da sieht man, dass nicht einmal die ihre besten Spieler halten können, was uns oft vorgeworfen wird. Dort ist es ganz normal, Spieler zu entwickeln, teuer weiterzuverkaufen und Neue nachzuholen.“

Der absolute Stareinkauf dieses Sommers war Roberto Soldado von Tottenham, doch gerade dieser trat die Reise nach Wien nicht an.

„Weiß, dass sie richtig geil kicken können“

"Er hat leichte Beschwerden und wir wollen keine Verletzung riskieren", sagt sein Trainer Marcelino. Rapid-Coach Zoran Barisic gibt sich trotz des Fehlens von Villarreals neuem Superstar zurückhaltend:

"Auch Leo Baptistao und Cedric Bakambu haben sehr viel Qualität und sind nicht zu unterschätzen."

Christopher Dibon, in Abwesenheit des gesperrten Mario Sonnleitner als Abwehrchef gefordert, hätte sich auf den 12-fachen spanischen Teamspieler (7 Tore) besonders gefreut, outet sich aber prinzipiell als großer Fan des spanischen Fußballs.

„Ich schaue sehr gerne den spanischen Fußball und weiß, dass sie richtig geil kicken können.“ Dementsprechend schwierig wird die Aufgabe für die Hütteldorfer.

Rennen, kratzen, beißen – und ein Plan

„Wir müssen rennen, kratzen, beißen und Villarreal den Spaß am Kicken nehmen. Wir haben die Qualität, um mitzuspielen“, so der 24-jährige Defensivspieler weiter.

Mit Maximilian Hofmann bekommt er für den internationalen Auftritt einen neuen Nebenmann. Probleme sollen sich dadurch jedoch nicht ergeben.

„Maxi ist ein sehr guter Innenverteidiger, wir verstehen uns richtig gut. Das gilt es auf dem Platz zu beweisen. Aber es wird nicht nur auf uns zwei ankommen, sondern die ganze Mannschaft muss funktionieren.“

Einen Tag zuvor gab er sich beim Verlassen des Trainingsplatzes im Zwiegespräch mit dem jüngeren Hofmann noch kryptisch: „Wir müssen noch unseren Plan aushecken.“ Was genau er damit meinte, wird man wohl erst auf dem Platz sehen.

Villarreals 4-4-2 keine Riesen-Umstellung

Fakt ist, dass Villarreal anders zu bespielen sein wird als die meisten Teams in der Bundesliga – aufgrund eines seltener gewordenen 4-4-2-Systems.

„Spanische Mannschaften verstecken sich nicht, die zeigen immer offensiven Fußball. In Österreich spielt kaum noch wer mit zwei Stürmern, aber das ist keine Riesen-Umstellung, da oftmals in der Schlussphase ein zweiter Angreifer eingewechselt wird. Das ist nichts Unbekanntes“, zeigt Dibon auf.

Zugänge

Abgänge

Roberto Soldado (Tottenham)

Luciano Vietto (Atletico)

Samuel (Malaga)

Giovani dos Santos (LA Galaxy)

Samu Castillejo (Malaga)

Javier Aquino (Tigres)

Cedric Bakambu (Bursaspor)

Ikechukwu Uche (Tigres)

Denis Suarez (FC Barcelona)

Gerard Moreno (Espanyol)

Victor Ruiz (Valencia)

Jose Antonio Dorado (Rayo Vallecano)

Adrian Lopez (Porto/Leihe)

Moi Gomez (Getafe/Leihe)

Mariano Barbosa (Sevilla)

Juan Carlos (Albacete)

Daniele Bonera (AC Milan)

Cani (Deportivo La Coruna)

Alphonse Areola (PSG/Leihe)

Hernan Perez (Espanyol)

Leo Baptistao (Atletico/Leihe)

Javier Espinosa (Elche/Leihe)

Aleksandar Pantic (Eibar/Leihe)

Jonathan Pereira (vereinslos)

Denis Cheryshev (Real Madrid/Leihende)

Joel Campbell (Arsenal/Leihende)

Für Barisic liegen die Qualitäten des Kontrahenten auf der Hand, und trotzdem will man sich nicht vom eigenen Spiel abbringen lassen.

„Villarreal ist eine europäische Spitzenmannschaft, die mit dem Ball umgehen kann und viel individuelle Qualität hat. Wir wissen, was auf uns zukommt. Das wird eine riesige Herausforderung, der wir uns stellen.“

„Bereit sein, Drecksarbeit zu verrichten“

Bis auf Andreas Kuen, Thomas Schrammel, Thanos Petsos und dem gesperrten Mario Sonnleitner sind alle Mann an Bord und sollen die Anweisungen des Trainers befolgen.

„Wir müssen kompakt sein, die Räume eng machen, taktisch sehr gut agieren und uns reinbeißen. Vor allem gilt es, wenige Fehler zu machen, da es sich um einen Gegner handelt, der diese durch ihre Qualität ausnützen kann.“

Im Vordergrund wird stehen, ein anderes Gesicht als zuletzt bei den Liga-Pleiten gegen Mattersburg und Altach zu zeigen.

„Wir sind am Boden geblieben, obwohl wir von vielen hochgelobt wurden – auch in der jetzigen Phase. Wir haben das Potenzial, fast jeden Gegner zu schlagen. Aber wenn nicht alles funktioniert, können wir auch verlieren – das haben wir in den letzten beiden Spielen klar unter Beweis gestellt“, so Barisic, der hinzufügt:

„Das geht nur, wenn alle mithelfen, bereit sind, Drecksarbeit zu verrichten und sich dem Team unterordnen. Das hat das Team in den letzten Wochen und Monaten stark gemacht, da müssen wir wieder hinfinden.“

Einer der stärksten Gegner überhaupt

Der Wunsch bleibt weiterhin, in der Europa League zu überwintern. Dies gelang bei den bisherigen vier Anläufen mit oft magerer Punkteausbeute nie – doch „Zoki“ relativiert:

„So eine schlechte Figur haben wir beim letzten Mal nicht abgegeben, als wir am letzten Spieltag bei Dinamo Kiew noch die Chance aufs Weiterkommen hatten. Außerdem startet der Wettbewerb neu, bei null Spielen, null Punkten und null Toren.“

Der sicher stärkste Gegner in der heurigen Gruppenphase ist gleichzeitig mit Ajax, Shakhtar und Dinamo Kiew einer der besten überhaupt in den letzten Jahren, wie Barisic anmerkt.

Ein „Mini-Barcelona“ eben - gegen das Rapid wieder einmal über sich hinaus wachsen muss, um Zählbares mitzunehmen.


Alexander Karper

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