"Pfiffe helfen uns im Moment wirklich nicht weiter"

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Es war nicht das erste Mal, dass die Fans des SK Rapid Wien ihre Schützlinge nicht sehen wollten.

Mit abfälligen Gesten verweigerten sie nach dem 1:2 bei HJK Helsinki die obligatorische Verabschiedung, ehe das Trainerteam die Spieler in die Kabine beorderte.

Die vierte Partie in Folge ohne Sieg hat Spuren hinterlassen. Bei der Rückreise aus dem Hohen Norden spricht Kapitän Steffen Hofmann ein Machtwort.

„Junge Spieler, die alles auf dem Platz geben“

Den 33-jährigen Regisseur verbindet seit vielen Jahren eine enge Verbundenheit mit dem grün-weißen Fanblock, dementsprechend kann er den Unmut verstehen.

„Man muss natürlich immer Verständnis haben, dass die Fans enttäuscht sind. Aber wir sind auch enttäuscht. Es stehen sehr viele junge Spieler auf dem Platz, die alles gegeben haben, wo es alles andere als einfach war“, rückt Hofmann seine Mannschaft ins rechte Licht.

Bei weitem ist nicht alles schlecht, was Rapid in den vergangenen Wochen ablieferte. Vielmehr handelt es sich um Abstimmungsschwierigkeiten, fehlende Automatismen, Laufwege etc., die sich bei der neu zusammengewürfelten Mannschaft erst entwickeln müssen.

Dass die Geduld der Anhängerschaft limitiert ist, weiß der Kapitän. „Sie nehmen sehr viel in Kauf, fliegen extra nach Finnland, um uns siegen zu sehen, von daher kann man es verstehen.“

Pfiffe sorgen für noch mehr Verunsicherung

Allerdings appelliert er an die Vernunft und den sportlichen Gedanken der Mannschaft nicht komplett den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

„Es ist natürlich schade, weil es uns im Moment wirklich nicht weiterhilft, wenn wir nach dem Spiel ausgepfiffen werden. Das ist natürlich schade.“

Im Playoff-Hinspiel zur Europa League gegen HJK Helsinki konnte man Zeuge werden, dass bei Rapid derzeit einiges zusammenkommt.

Schwierigkeiten im Kreieren von Chancen, Abschlussschwäche, unglückliche Gegentore und die eine oder andere Entscheidung gegen die Grün-Weißen.

Viel Aufwand für wenige Chancen

Hofmann versucht trotzdem, kühlen Kopf zu bewahren und nimmt sich der unzufriedenstellenden Situation an.

„Bei uns ist es einfach im Moment so, dass wir viel arbeiten müssen, damit wir zu Chancen kommen. Da brauchen wir auch immer wieder einige und der Gegner braucht anscheinend den Ball gegen uns nur ins Tor hauen. Das ist sehr bitter und schade“, spielt der Routinier auf den „Sonntagsschuss“ zum 1:1 und den mehrmals abgefälschten Ball zum 1:2 an.

Trotz allem herrscht beim dreifachen Familienvater noch Zuversicht, dass das Kapitel im Rückspiel noch ein positives Ende nimmt.

„Ich bin trotzdem guter Dinge, dass wir nächste Woche den Aufstieg schaffen können.“

„Situation, in der vieles noch nicht so funktioniert“

Schon am Sonntag steht mit dem Wiener Derby eine weitere richtungsweisende Partie auf dem Programm, in der Rapid einen weiteren Rückschlag tunlichst vermeiden will.

Während die offensivere Spielweise der Austria den Hütteldorfern entgegenkommen könnte, will man sich im Playoff-Rückspiel gegen Helsinki nicht erneut die Zähne am Abwehrbeton ausbeißen.

„Wir haben sehr viel den Ball, aber der Gegner spielt natürlich auch mit. Der Gegner steht im Moment quasi vor dem eigenen Tor und verteidigt gegen uns. Da ist es nicht so leicht, durchzukommen“, erklärt Hofmann.

„Vor allem in der Situation, in der wir jetzt sind. In der vieles noch nicht so funktioniert, wie bei einer eingespielten Mannschaft und auch beim einen oder anderen das Selbstvertrauen fehlt.“

Das Glück ist ein Vogerl

Kein Wunder, schließlich ließen die Erfolgserlebnisse und positiven Erfahrungen bisher auf sich warten.

An Qualität innerhalb des Kaders mangelt es nicht, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Viel mehr fehlt Routine, Abgeklärtheit, Ruhe, Selbstverständlichkeit und auch ein wenig Glück.

„Glück haben wir zurzeit sicher keines, das muss man so sagen. Es waren auch in Helsinki wieder ein, zwei Situationen dabei. Wenn wir einen Schiedsrichter haben, der genau hinschaut, gibt es einen Elfer für uns. Glücklich sind wir nicht, aber wir werden es uns erarbeiten, dass das Glück wieder zurückkommt.“

Ein erster Schritt in diese Richtung - und auch auf die Fans zu - könnte im Derby gemacht werden.  Vielleicht erzeugt das Machtwort des Kapitäns mehr Verständnis für den eingeschlagenen Weg, der Zeit benötigt.


Aus Helsinki berichtet Alexander Karper

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