"Rapid war sicher die beste Zeit in meiner Karriere"

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„Auf Wiedersehen“ hieß es im Mai 2013 als Markus Heikkinen nach sechs Jahren den SK Rapid verlassen musste.

Oft sind diese Worte nur symbolischer Natur. Auch im Fall des 35-jährigen Finnen hätten wohl beide Seiten nicht gedacht, dass sich die Wege so schnell wieder kreuzen sollten.

Wie es der Zufall so will, trifft der langjährige Leistungsträger mit HJK Helsinki im Playoff zur Europa League auf seinen Ex-Verein, bei dem er die „beste Zeit seiner Karriere“ verbrachte.

Gekrönt wurde die Zeit in Wien durch den Meistertitel 2008, drei Europa-League-Teilnahmen sowie die Geburten seiner drei Söhne. „Bei einem Spiel von mir geht es nicht, aber überall anders können sie ihre Rapid-Trikots anziehen“, erzählt der stolze Familienvater im Interview mit LAOLA1.

Zudem schwelgt Heikkinen in Erinnerungen und spricht über den Niveau-Unterschied zwischen der finnischen und österreichischen Liga sowie Diskussionen mit seiner Frau über das Karriereende.

LAOLA1: Du bist nach Jahren als Legionär wieder in der Heimat. War es dein Wunsch, gegen Ende deiner Karriere zurückzukehren?

Markus Heikkinen: Natürlich habe ich letzten Herbst ganz lange überlegt, was ich machen soll. Ich habe dann ein ganz gutes Angebot aus Norwegen gekriegt und eines von Helsinki. Es war keine leichte Entscheidung. Ich habe dann mit meiner Familie gesprochen, das war die beste Lösung. Wir sind damit sehr zufrieden, alles ist gut gegangen.

LAOLA1: Nach Rapid gab es ein kurzes Gastspiel in Norwegen. Kürzer als eigentlich geplant?

Heikkinen: Das waren nur drei Monate, da die Saison dann im November vorbei war. Das war ein bisschen zu kurz. Ich wollte noch spielen, aber in Skandinavien ist die Saison ganz früh vorbei. Hier spielt man ja nur sechs, sieben Monate.

LAOLA1: Seit Winter bist du beim finnischen Meister HJK Helsinki engagiert, eine Rückkehr zu den Wurzeln. Wie wohl fühlst du dich dort?

Heikkinen: Natürlich kenne ich den Verein schon aus früheren Zeiten. Ich war schon drei Jahre von 2000 bis 2003 hier. Im Hintergrund arbeiten noch immer dieselben Leute. Somit war es für mich ganz einfach, wieder zurückzukommen. Außerdem kenne ich viele Spieler von der finnischen Nationalmannschaft. Es war also nicht schwierig, mich zu integrieren. Es war wie eine Rückkehr.

LAOLA1: Helsinki will in die Europa-League-Gruppenphase, doch im Playoff wartet ausgerechnet Rapid. Wie groß war die Freude über dieses Los?

Heikkinen: Ich habe mich sehr darüber gefreut. Nach unserem Spiel bei APOEL Nikosia hat mein Zimmerkollege gesagt, dass in der Europa League auch Rapid eine Möglichkeit wäre. Ich habe damals überlegt, dass die Chance ungefähr 1:40 ist, also nicht so hoch. Als ich vor der Auslosung gehört habe, dass Rapid in unserer Fünfergruppe ist, war ich mir sicher, dass es Rapid wird. Stefan Ebner (Anm.: Sportmanager wirtschaftlicher Bereich) hat mir gleich ein SMS von der Auslosung geschickt, auch mit Steffen Hofmann habe ich am selben Tag noch telefoniert. Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich wieder Rapid, die Fans und die Spieler in Wien und hier sehen kann. Für mich werden es zwei ganz besondere Spiele. Es ist schade, dass nicht beide Teams aufsteigen können. Aber das ist Fußball.

Heikkinen mit Freund und Ex-Kollege Steffen Hofmann

LAOLA1: Wie wird der Playoff-Gegner Rapid von deinem Verein HJK Helsinki eingeschätzt?

Heikkinen: Rapid ist in den letzten fünf Jahren vier Mal in die Europa-League-Gruppenphase gekommen. Dagegen hat das in der finnischen Fußballgeschichte nur ein Verein ein einziges Mal geschafft. Das war HJK Helsinki, aber schon in der Saison 1998/99, als sie die Champions League erreichten. Danach hat das keiner mehr geschafft. Das sagt viel aus. Es gibt halt doch einen Unterschied zwischen den Ligen.

LAOLA1: Bei Rapid hat sich seit deinem Abgang viel verändert – sowohl im Team, als auch Rundherum. Kannst du trotzdem noch mit Tipps dienen?

Heikkinen: Bisher wurde ich nur gefragt, welches Hotel in Wien gut wäre, aber noch nicht über die Mannschaft. Wie du gesagt hast, hat Rapid viel verändert. Ich weiß nicht genau, wie sie spielen. Natürlich kenne ich aus meiner Zeit vielleicht noch zehn Spieler, aber auch die jungen haben sich sicher weiterentwickelt. Tipps kann ich leider nicht geben. Ich weiß nicht, wie stark sie sind. Aber Rapid wird beobachtet, da brauchen sie meine Meinung nicht. Ich kann nur über ein paar Spieler etwas sagen.

LAOLA1: Auf welchem Niveau siehst du HJK Helsinki? Was ist charakteristisch für deinen Verein?

Heikkinen: Wir haben nach der fünften Meisterschafts-Runde eine große Veränderung gehabt. Unser Trainer wurde nach schlechten Ergebnissen rausgeworfen. Unter seinem Nachfolger sind wir in der Meisterschaft bis jetzt ungeschlagen. In dieser Liga haben wir eine gewisse Routine, Spiele zu gewinnen. Wir sind ganz gut organisiert und haben auch ein paar Spieler mit individueller Klasse, die Tore schießen können. Da rede ich aber über die finnische Liga, Europa-League-Spiele sind ganz anders.

LAOLA1: Fünf Mal in Folge Meister, das kann sich sehen lassen. Du scheinst die finnische Liga aber nicht sonderlich stark einzuschätzen.

Heikkinen: Helsinki war fünf Mal hintereinander Meister, aber das Budget ist ungefähr doppelt so groß wie das des Zweiten. Da gibt es ganz große Unterschiede. Aber mit dem Geld haben sie schon einiges richtig gemacht. Es ist nicht so einfach, immer Meister zu werden. Salzburg ist während meiner Zeit in Österreich auch nicht immer Meister geworden.

LAOLA1: Auffällig am Helsinki-Kader sind die vielen Routiniers über 30 Jahre.

Heikkinen: Über das Alter kann ich nicht viel sagen, da es für mich keine Rolle spielt. Natürlich haben wir einige Spieler, die viel Erfahrung haben und hoffentlich in unseren Europacup-Spielen mithelfen können.

LAOLA1: Es wird ein emotionales Wiedersehen mit deinem Ex-Klub. Pflegst du noch andere Kontakte nach Österreich, zu Rapid und auf wen freust du dich besonders?

Heikkinen: Nein, nur zu Ebner, Hofmann und dir (lacht). Neben Steffen bin ich während unserer gemeinsamen Zeit sehr lange in der Kabine gesessen und habe viel mit ihm geredet. Stefan Kulovits und Markus Katzer sind nicht mehr dabei, das waren meine Ansprechpartner Nummer eins. Masseur Wolfgang Frey war auch die sechs Jahre da, ein super Typ. Ansonsten gibt es aber viele andere, auch mit „Zoki“ habe ich ein gutes Verhältnis gehabt.

LAOLA1: Sechs Jahre bei Rapid sind eine lange Zeit. Von welchen Highlights und welchen Geschichten erzählst du heute noch gerne?

Heikkinen: Mittlerweile habe ich ein bisschen eine andere Sicht auf meine Zeit bei Rapid. Ich glaube, es ist immer so, dass man im Nachhinein nur gute Erinnerungen behält. Die ganzen sechs Jahre waren sehr schön. Natürlich haben wir auch Schwierigkeiten gehabt, aber das ist im Leben nun einmal so.

LAOLA1: Positiv in Erinnerung geblieben sind wohl sicherlich der Meistertitel 2008 sowie die Teilnahmen in der Europa League.

Heikkinen: Der Meistertitel auf jeden Fall. Das sind wir gleich nach meinem ersten Jahr geworden. Damals habe ich gedacht, dass wir mehrere Meistertitel gewinnen können. Aber es war schwieriger, als ich gedacht habe. Es war aber sicherlich die beste Zeit in meiner Karriere und vor allem das Leben in Wien. Unsere drei Buben sind alle in Wien geboren. Der Älteste wird im Oktober sechs Jahre alt, der Mittlere im Oktober vier und der Kleinste im Jänner zwei.

LAOLA1: Schaut der Nachwuchs dem Papa bereits fleißig im Stadion auf die Beine?

Heikkinen: Ja, das machen sie. Es ist manchmal ein bisschen schwierig gewesen, weil sie im Stadion ihre Rapid-Trikots anhaben wollten (lacht). Da musste ich ihnen sagen, dass sie das lieber lassen sollen. Bei einem Spiel geht das nicht, aber überall anders können sie ihre Rapid-Trikots anziehen, wann sie wollen.

LAOLA1: Der Abschied von Rapid kam plötzlich, du wärst gerne in Wien geblieben. Wie denkst du heute über dieses unrühmliche Ende?

Heikkinen: Das stört mich nicht mehr. Ich war ja nicht der Einzige, der gehen musste. Als ich gewusst habe, dass es vorbei ist, habe ich nur mehr überlegt, welchen Schritt wir als Familie als nächsten machen sollen.

LAOLA1: Du bist selbst schon 35 Jahre alt. Wie lange hast du noch vor zu spielen und fühlst du dich noch topfit?

Heikkinen: Ich fühle mich noch sehr gut, aber ich weiß es noch nicht. Meine Frau hat mich auch schon gefragt, wie lange ich noch spielen muss. Sie hat immer gedacht, dass die Karriere schon mit 33 oder 34 Jahren vorbei ist. Aber solange ich noch Motivation habe und mich gut fühle, warum nicht?

LAOLA1: Bei Helsinki spielst du statt im defensiven Mittelfeld in der Innenverteidigung. Wie kam es zu diesem Positionswechsel?

Heikkinen: Seit der neue Trainer übernommen hat. Je öfter ich auf dieser Position gespielt habe, desto mehr hat es mir gefallen. In der finnischen Liga sind die Innenverteidiger besonders viel am Ball und versuchen, von hinten das Spiel aufzubauen. Es ist ganz schön. Bei Rapid habe ich das in sechs Jahren höchstens zehn Mal gespielt.

LAOLA1: Mikael Forssell ist vielen ein Begriff, Demba Savage weniger. Wer ist deiner Meinung nach der große Star im Team?

Heikkinen: Forssell ist derzeit gut in Form. Er hat in den letzten vier Liga-Spielen drei Tore geschossen. Er sorgt zurzeit für einen guten Schwung. Auf ihn muss Rapid auf jeden Fall aufpassen. Savage ist auch nicht schlecht, spielt eine ganz gute Saison und hat schon sieben Tore geschossen.

LAOLA1: Ihr habt vergangene Woche gegen den FC Barcelona (Endstand: 0:6) gespielt. Was konntet ihr aus diesem Testspiel mitnehmen?

Heikkinen: Das Timing war ein bisschen unglücklich. Wir hatten die schwierige und lange Reise nach Zypern und zurück. Am nächsten Tag haben wir dann gegen Barcelona gespielt. Es war sehr schwierig, wir haben auch viel gewechselt. Barcelona ist eine ganz gute Mannschaft, was soll ich dazu sagen? (lacht)

LAOLA1: In der Champions-League-Quali seid ihr gescheitert. Wie wichtig wäre es für Helsinki, zumindest die Europa League zu erreichen?

Heikkinen: Das ist ein bisschen anders bei Rapid, niemand hat vor der Saison damit gerechnet, dass wir in die Gruppenphase kommen. Im Prinzip haben wir nichts zu verlieren. Für Helsinki und den ganzen finnischen Fußball wäre es das erste Mal nach 16 Jahren, eine Gruppenphase zu erreichen. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass es nicht einfach ist. Es ist kein Muss für uns.

LAOLA1: Eishockey ist die Sportart Nummer eins. Welchen Stellenwert hat Fußball in deiner Heimat Finnland überhaupt?

Heikkinen: Der ist leider nicht so groß, wie in den anderen Ländern, wo ich gespielt habe. Natürlich hängt viel vom Erfolg ab. Wenn wir in die Gruppenphase kommen sollten oder Finnland sich für die nächste EM qualifiziert, würde es sicher einen kleinen Boom geben. Aber Eishockey hatte in den letzten Jahren viel Erfolg, deshalb ist das die Nummer eins in Finnland. Dahinter kommt aber schon Fußball, sonst gibt es noch Wintersport wie Langlaufen oder Basketball, Volleyball und Leichtathletik.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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