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"Ich brauche die Unterstützung des Trainers"

Man kann getrost von einem emotionalen Abend für Daniel Segovia sprechen.

„Ich bin sprachlos! Ein Traum! Für mich ist es das erste Mal in meiner Karriere, dass ich im Europacup spiele, und das habe ich mit meinem SKN gemacht. Ich glaube, heute werde ich nicht schlafen!“

„Mein“ SKN. Die beiden Schlüsselworte in dieser Botschaft. Denn die Rückkehr des Spaniers in die niederösterreichische Landeshauptstadt hat sich wohl jetzt schon bezahlt gemacht – für beide Seiten.

Mehr oder weniger im Alleingang schoss er die „Wölfe“ in die dritte Quali-Runde der Europa League, in welcher der PSV Eindhoven wartet. Er erzielte beide Tore beim 2:0 gegen Botev Plovdiv, schon beim 1:2 im Hinspiel besorgte er das wichtige Auswärtstor.

Unglückliches Bundesliga-Abenteuer

Artig bedankte sich Segovia bei seinen Kollegen für die „super Assists“ und stellte klar: „Wir haben heute alle gewonnen. Alle!“ Im Rampenlicht stand jedoch fraglos der Goalgetter selbst.

Kaum zum SKN zurückgekehrt, hat der 29-Jährige nämlich seinen Torriecher wiedergefunden. Die Abstecher zur Admira und zum Wolfsberger AC verliefen indes alles andere als wunschgemäß.

Zur Erinnerung: In der Winterpause der Saison 2012/13 heuerte er nach 29 Toren in 48 Erste-Liga-Spielen für St. Pölten in der Südstadt an, konnte sich dort unter Trainer Didi Kühbauer jedoch nicht wie erhofft in Szene setzen. Der Treffer zum Klassenerhalt im direkten Duell beim SV Mattersburg ging jedoch auf sein Konto.

Im Sommer 2013 folgte die Flucht zum WAC, der jedoch nur wenig später von Kühbauer übernommen wurde. Nur 18 Mal durfte er für die Kärntner auflaufen, höchstselten von Beginn an. Am Ende reichte es nicht einmal für ein Saison-Tor.

„Wenn ich nicht spiele, kann ich keine Tore schießen“

Die Rückhol-Aktion St. Pöltens kam genau zur rechten Zeit. „Das war eine andere Zeit“, will Segovia eigentlich nicht allzu viele Worte über die vergangenen eineinhalb Jahre verlieren, um es im selben Atemzug in seiner Lobpreisung des SKN dann irgendwie doch zu tun:

"Die Leute, die mich kennen, wissen, wie ich als Spieler bin. Wenn ich spielen kann, kann ich Tore schießen – ich bin ein Stürmer. Wenn ich nicht spiele, kann ich keine Tore schießen. Das ist wie bei jedem anderen Spieler auf der Welt. Ich persönlich brauche die Unterstützung des Trainers und dass die Leute an mich glauben. Das ist sehr wichtig. Hier kommt alles zusammen, hier passt alles. Hier ist mein Zuhause. Hier fühle ich viele Emotionen.“

Segovia ist tendenziell nicht der erste Angreifer, der durch Vertrauen und Rückendeckung seines Trainers aufblüht.

„Fußball ist Kopfsache“, betont St. Pölten-Trainer Herbert Gager im Hinblick auf den Spanier, „er hat bei Admira und WAC nicht die Einsatzzeiten gekriegt, die er sich vorstellt. Für einen Stürmer ist es schwer, wenn er nicht das Vertrauen kriegt. Vielleicht hat er auch nicht alles richtig gemacht, das weiß ich nicht. Aber hier fühlt er sich wohl, das merkt man.“

„In Österreich ist er ein Weltklasse-Stürmer“

Auch, weil Segovia die Anerkennung seiner Kollegen genießt. „Es ist sehr wichtig, wenn man so einen Stürmer hat“, meinte etwa Konstantin Kerschbaumer. Dominik Hofbauer verstieg sich in der ersten Emotion nach Schlusspfiff gar zur Behauptung: „Für unsere Liga in Österreich ist er ein Weltklasse-Stürmer.“

Nach diesem Meilenstein für den Verein sei diese Übertreibung verziehen. Dass Segovias Rückkehr angesichts seines in der Ersten Liga bereits unter Beweis gestellten Killerinstinkts ein entscheidendes Puzzle-Teil in dieser Saison sein kann, steht jedoch außer Frage.

Denn Europa League hin oder her, Saison-Ziel Nummer eins ist der Aufstieg. Nachdem die beiden bisherigen Bundesliga-Abenteuer des Angreifers gescheitert sind, will er nun mit „seinem“ SKN in der höchsten Spielklasse Spuren hinterlassen.

„Jeder unserer Spieler kann in der Bundesliga spielen“

„Für jeden Spieler bei uns gilt: Wir wollen mit dem SKN in der Bundesliga spielen. Ich glaube, mit einem Fußball wie gegen Plovdiv gehören wir auch in die Bundesliga. Aber noch ist es zu früh. Wir haben in der Meisterschaft erst ein Spiel absolviert“, tritt Segovia ein wenig auf die Euphoriebremse.

Von der Qualität her sieht er die Niederösterreicher jedoch für den Sprung nach oben gerüstet: „Wir sind in der Ersten Liga, aber ich persönlich glaube, dass jeder unserer Spieler in der Bundesliga spielen kann. Wir haben wirklich eine gute Mannschaft. Das Trainer-Team hat eine gute Idee vom Fußball, wir wollen immer guten Fußball zeigen. Wir haben alles, damit es funktionieren kann.“

Und seit diesem Sommer auch wieder Daniel Segovia.


Peter Altmann

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