"Das ist definitiv etwas für die Geschichtsbücher"

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Es war kein berauschendes Fußballfest, auch kein spielerischer Leckerbissen.

Das einzige, was für Rapid aber zählt, ist der 1:0-Auswärtssieg bei Dinamo Minsk. Genauer gesagt der zweite in der EL-Gruppenphase, das gelang Rapid im fünften Anlauf zum ersten Mal.

Damit stellte man nicht nur den eigenen bisherigen Punkterekord aus der Saison 2013/14 bereits nach dem 2. Spieltag ein, sondern führt mit sechs Zählern auch die Gruppe E an.

Und obendrauf stehen die Vorzeichen gut, erstmals international zu überwintern. Denn bisher kamen in den letzten sechs Jahren alle 35 Teams, die nach den ersten zwei Runden sechs Punkte auf dem Konto hatten, auch in die K.o.-Phase.

„Das ist definitiv etwas für die Geschichtsbücher“

„Die Mannschaft hat jetzt schon Geschichte geschrieben, das ist uns bisher noch nie gelungen und definitiv etwas für die Geschichtsbücher“, war selbst Trainer Zoran Barisic euphorisch.

Zwar freut sich der 45-jährige Wiener über den Erfolgslauf seiner Grün-Weißen, einen Blick auf die Tabelle wird er aber trotzdem nicht riskieren – Momentaufnahme und so.

„Die K.o.-Phase habe ich definitiv noch nicht im Kopf. Wir bleiben aber gefährlicher Außenseiter“, so der Chefbetreuer, der mit dem Comeback von Louis Schaub und der Aufstellung von Matej Jelic im Sturm überraschte.

Während sich Letzterer für die Mannschaft ausgepowert hatte, und zwei hundertprozentige Chancen inklusive Stangenschuss vergab, musste Schaub kurz vor der Pause erneut angeschlagen in die Kabine – ein kleiner Wermutstropfen in der Stunde des Erfolgs.

Doch glaubt man den ersten Einschätzungen, dürfte nichts Schlimmeres passiert sein. „Scheinbar war er zu ehrgeizig. Er hat nicht allzu viele Schmerzen verspürt und schleppt das schon länger mit. Wir waren sicher, dass er schon fit genug war“, rechtfertigt sich Barisic.

Minsk-Trainer Rasovic zollt Rapid Respekt

Alles in allem war es ein hartes Stück Arbeit, um schlussendlich als Sieger die Borisov-Arena zu verlassen und mit drei Punkten im Gepäck die Heimreise anzutreten. Davon ging man aber bereits im Vorfeld aus.

„Es ist zwar Dinamo Minsk, aber auswärts ist es hier nicht leicht zu spielen. Sie haben uns Probleme bereitet. Wir wussten, dass wir Schläge kriegen und haben einiges einstecken müssen“, beschrieb Mittelfeldmotor Stefan Schwab den kampfbetonten Gegner.

Dieser stand hinten solide, ging keinem Zweikampf aus dem Weg und nahm phasenweise auch das Spiel in die Hand. Top-Chancen fand man allerdings durchwegs aus Kontern vor.

"Der Sieg von Rapid war verdient. Rapid war gegen uns stärker als Viktoria Pilsen. Unser Gegentor war der einzige taktische Fehler, den wir begangen haben. Aber Spieler mit so einer Qualität wie bei Rapid nützen diesen Fehler“, zollte Minsk-Trainer Vuk Rasovic dem rot-weiß-roten Kontrahenten Respekt.

„Haben versucht, noch eine Schippe draufzulegen“

Nach einer guten, aber nicht überragenden ersten Halbzeit nahmen sich die Hütteldorfer in der Kabine einiges vor. Die Umstellungen zeigten daraufhin große Wirkung.

„Wir haben versucht, noch eine Schippe draufzulegen“, meinte Stefan Stangl, der zusammen mit Florian Kainz auf der linken Seite überzeugte. Auch Schwab merkte an: „In der zweiten Hälfte haben wir mehr Tempo nach vorne reingebracht, das war entscheidend, denke ich.“

Die Drangperiode nach dem Seitenwechsel wurde dann auch mit dem schlussendlich spielentscheidenden Treffer von Steffen Hofmann belohnt.

„It’s a captain’s goal“, und wieder einmal ein ganz Wichtiges des mittlerweile 35-Jährigen, der sich zwar feiern ließ, aber in der Natur seiner Person am Teppich blieb.

Der Kapitän musste es wieder einmal richten

„Wir hatten einige gute Aktionen. Der Ball ist dann in den Rückraum gekommen, ich habe ihn direkt genommen und wunderbar ins lange Eck getroffen“, analysierte der Schütze des Goldtors sachlich.

Sein Trainer und die Mitspieler schwärmten hingegen in den höchsten Tönen, vom in die Jahre gekommenen Regisseur, der weiterhin enormen Einfluss auf das Kollektiv hat.

„Er ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns, der momentan auch die Tore schießt. Er führt die Mannschaft und gibt uns immer Rückhalt“, urteilte Kainz.

Assistgeber Schwab ergänzte: „Steff ist irrsinnig wichtig für uns, er spult viele Kilometer ab und hat auch die nötige Ruhe vor dem Tor. Das Tor hat er wunderschön gemacht, ein ganz wichtiges für uns.“

Mit Drecksarbeit zur Tabellenführung

Die Grün-Weißen brachten den Sieg schlussendlich in trockene Tücher. Die Art und Weise bereitete dem Trainer jedoch Bauchschmerzen:

„Ich bin sehr erleichtert, vor allem nach der Schlussphase wo wir nicht mehr so imstande waren, den Ball in den eigenen Reihen zu halten.“

Bei einem Stangenschuss der Hausherren hatte man Glück, ansonsten ließ man aber nichts mehr anbrennen. Vor allem, da die nötige und geforderte Drecksarbeit über 90 Minuten abgeliefert wurde – für Barisic ein Pflichtpunkt.

Nach dem Schlusspfiff konnte man den Moment genießen, mit den mitgereisten Fans feiern und sich vor Augen führen, dass man momentan in der Bundesliga und in der Europa League obenauf ist.

„Der Aufstieg wäre der Wahnsinn“

„Das ist ein perfekter Start, es läuft. Sechs Punkte nach zwei Spielen bei 3:1 Toren – das ist wunderschön. Wir sind voll auf Kurs und die Gegner akzeptieren uns. Es schaut ganz gut aus im Moment.“

Der Kapitän und Siegtorschütze sieht es genauso, will sich auf dem Geleisteten aber nicht ausruhen. Für ihn stehen nun die entscheidenden Spiele gegen Viktoria Pilsen an. Drei Punkte noch, dann wäre auch Rapids Nummer elf beruhigter:

„Wir sind auf einem guten Weg, der Aufstieg wäre der Wahnsinn. Es läuft im Moment bei uns allen sehr gut. Ich hoffe, dass wir noch ein paar Siege mehr machen können.“

In die kommenden Spiele geht man nun als Gejagter, mit drei Punkten Vorsprung auf Villarreal und Pilsen sowie sechs auf Minsk. Dabei will Barisic doch nur ein „gefährlicher Außenseiter“ bleiben.


Alexander Karper

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