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"Haben hier schon bei besserer Stimmung gespielt"

Die Blicke der Rapid-Spieler irrten vergeblich im Happel-Stadion umher. Keine lautstarken Fans, keine Stimmung, Tristesse pur.

Schon vor dem Stadion herrschte Stille. Bis auf Ordner und Polizisten war kein Mensch nahe des errichteten Sperrrings zu erspähen.

Eine neue Situation für alle Beteiligten, die den Auftakt in der Europa League so gerne als Fußball-Fest zelebriert hätten.

„Es ist natürlich nicht schön, wenn es ein Geisterspiel ist. Das ist sehr schwierig“, gab Deni Alar zerknirscht zu.

„Absolut ungewohnte Situation“

Seine Mitspieler waren derselben Meinung. „Es war eine absolut ungewohnte Situation. Die Fans hätten uns sicher weitergeholfen, aber das war nicht der Fall“, stellte Markus Katzer, Torschütze zum 1:2-Endstand, klar.

Der Prater, der zuletzt in der Europa-League-Saison 2010/11 erbebte, war ausgestorben. Keine Anfeuerungsrufe, kein Jubel, keine Pfiffe.

„Wir haben hier schon bei sicher besserer Stimmung gespielt, aber wir haben gewusst, dass es so kommen wird und uns darauf eingestellt“, meinte Steffen Hofmann.

„Mit den Fans im Rücken hätten wir vielleicht ein, zwei Prozent mehr gehabt. Aber es ist mühsam, das zu diskutieren. Wir haben das Spiel verloren und damit aus.“

Rosenborg hätte gerne vor Fans gespielt

Auch Linksverteidiger Katzer lässt das „Geisterspiel“, das schon seit Wochen wie ein Damoklesschwert über Rapid schwebte, nicht als Grund für die Niederlage gelten.

„Es ist total ungewohnt, wenn keine Leute da sind. Das soll aber keine Ausrede sein. Wir haben uns damit abfinden müssen, genauso wie der Gegner.“

Dieser zeigte sich nach dem Auswärtssieg sehr fair und hätte sich durchaus einen Showdown vor 50.000 enthusiastischen Fans gewünscht.

„Uns wäre es lieber gewesen, mit Fans zu spielen. Freilich war es für die Spieler ein seltsames Gefühl“, ließ sich Rosenborg-Trainer Jan Jönsson entlocken.

Diskerud sah leeres Stadion als Vorteil für Rosenborg

Mittelfeldspieler Mikkel Diskerud wollte aber nicht verschweigen, dass der fehlende 12. Mann den Gästen in die Karten gespielt hatte.

„Ich denke schon, dass es ein Vorteil für uns war. Sonst wären ja fast 50.000 Fans hinter Rapid gestanden.“

An die Bedingungen mussten sich aber auch erst einmal die Trondheimer gewöhnen.

„Es hat sich wie ein Freundschaftsspiel angefühlt. Es war für beide Teams speziell.“

„Vielleicht hätten uns die Fans gepusht“

Inwieweit ein volles Stadion Rapid zum Sieg verholfen hätte, wird wohl auf ewig unbeantwortet bleiben.

„Das kann man nie sagen. Vielleicht hätten uns die Fans noch ein bisschen nach vorne gepusht, was natürlich für uns ein Plus gewesen wäre. Aber mit dem haben wir leben müssen, auf das haben wir uns ganz gut vorbereitet“, fasste Guido Burgstaller zusammen.

Mit dem Zusatz: „Aber im Ganzen müssen wir einfach besser auftreten.“ Auch wenn keine Fans im Stadion sind.

Zumindest lebt im grün-weißen Lager die Hoffnung, dass es nach zwei Geisterspielen binnen zwei Jahren endgültig genug ist.


Alexander Karper/Harald Prantl

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