"Werde die Stimmung bei Rapid auf ewig vermissen“

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Einer stand beim Duell zwischen dem SK Rapid und HJK Helsinki von Beginn an zwischen den Fronten: Markus Heikkinen.

Der 35-jährige Ex-Rapidler in Diensten der Finnen betrieb von Anfang an Understatement, freute sich über das Wiedersehen und jubelte trotz fünf Treffern seines Klubs nie.

Ein wahrer Sportsmann, der selbst in der Stunde des größten Erfolges für den finnischen Fußball seit 16 Jahren seinen Idealen treu blieb.

„Ich bin Profi und HJK ist jetzt meine Mannschaft. Natürlich bin ich enorm froh, dass das geklappt hat. So etwas passiert einmal in 20 Jahren. Ich weiß, was das bedeutet. Auf der anderen Seite weiß ich als Ex-Rapidler auch, was das jetzt für Rapid bedeutet. Das macht mich ein bisschen traurig“, so der Defensivspieler gegenüber LAOLA1.

Mitgefühl mit Rapid trotz historischem Erfolg

Während die grün-weißen Verlierer mit hängenden Köpfen, den Tränen nahe, durch die Katakomben des Happel-Stadions schlichen, ließ der Aufsteiger die Party beginnen.

Zurückhaltend wie eh und je genoss „Mika“ diesen Moment zwar, dachte aber im selben Atemzug an seinen besten Freund aus Rapid-Zeiten, Steffen Hofmann.

„Ich habe noch nicht mit Steff gesprochen, aber ich kann mir vorstellen, was er im Moment denkt.“

Heikkinen war selbst ein wenig überfordert, schließlich hatte er beim besten Willen nicht mit dem Aufstieg in die Gruppenphase gerechnet.

„Habe nicht damit gerechnet, dass das möglich ist“

Erst einmal gelang es einer finnischen Auswahl, in die Gruppenphase des Europacups einzuziehen – 1998/99 schaffte es HJK in die Champions League.

Der zweitgrößte Triumph wurde somit im Happel-Stadion erreicht, wo ein 3:3 nach dem 2:1 im Hinspiel zum historischen Weiterkommen reichte.

„Ganz ehrlich. Als ich damals bei Rapid gegangen bin, habe ich nicht damit gerechnet, dass ich noch einen Verein finde, mit dem das möglich ist. Dann auch noch mit einem finnischen Verein – wir haben aber auch sehr viel Glück gehabt.“

Denn nach Rapids fulminantem Start inklusive 2:0-Führung nach 13 Minuten hatte selbst der Defensiv-Abräumer das Schlimmste befürchtet.

„Bin nicht zufrieden, wie wir gespielt haben“

Das schnelle Anschlusstor gab Hoffnung. Danach reichten zwei weitere Standardsituationen, um das Spiel komplett auf den Kopf zu stellen.

„Ich bin nicht zufrieden, wie wir gespielt haben, aber natürlich zufrieden, dass wir aufgestiegen sind“, schämte sich Heikkinen beinahe für das destruktive Spiel der Gäste.

„Wir haben heute auch nicht so gut verteidigt und haben drei Gegentore bekommen. Aber jeder Schuss war ein Tor. Was soll ich dazu sagen? Das passiert nur einmal so.“

Rapids Auftreten empfand der Gegenspieler als extrem stark. Schlussendlich machte aber die Abgebrühtheit, Erfahrung und Effizienz vor dem Tor den Unterschied aus.

„Werde Stimmung bei Rapid auf ewig vermissen“

Wenn auch als Gegner durfte der dreifache Familienvater noch einmal den grün-weißen Flair vor 21.100 Rapid-Fans inhalieren.

Schon in Helsinki zollten ihm die Wiener Anhänger mit einem Spruchband („Markus Heikkinen – einer von uns“) Respekt, auch diesmal waren sie ihm positiv gesinnt.

„Es ist ein bisschen komisch. Für die Rapid-Fans kann ich keine Worte finden. Da bin ich sprachlos. Ich werde diese Stimmung auf ewig vermissen.“

Schon zu alt zum Feiern

Emotional prasselte viel auf den bekennenden Wien-Fan ein. Die Konzentration gilt es nun aber auf sechs weitere Europacup-Auftritte zu legen.

„Das bedeutet enorm viel für Helsinki. Jetzt ist es wirklich ganz schwierig zu verstehen, was das alles bedeutet. Nicht nur für unsere Mannschaft und den Verein, sondern auch für den finnischen Fußball.“

Fürs Feiern zu später Stunde in seiner ehemaligen Wahlheimat fühlte sich der 35-Jährige „schon zu alt“. Den einen oder anderen Tipp hatte er für seine Kollegen aber auf Lager.

Heikkinen selbst war hin- und hergerissen, er stand in diesem Duell zwischen den Fronten. Und unterstrich in dieser unangenehmen Situation seinen Status als wahrer Sportsmann.


Alexander Karper

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