Aufmacherbild

"Wir haben Österreich würdig vertreten"

Trauer wegen des Ausscheidens aus der Europa-League-Qualifikation? Stolz wegen der Leistung als Underdog gegen einen großen Namen im europäischen Fußball?

In St. Pölten dominierten nach dem 2:3 gegen PSV Einhoven die gemischten Gefühle. Oft kommt es nämlich nicht vor, dass man nach einer Niederlage vom Publikum gefeiert wird. Feuerwerk inklusive.

„Es war nach dem Abpfiff ein komisches Gefühl. Wir sind alle Profis und wollten unbedingt gewinnen, nachdem wir in Eindhoven ein super Ergebnis erzielt haben, wollten wir weiterkommen. Deswegen überwiegt schon die Enttäuschung. Dennoch: Was die Fans heute für uns getan haben, war wirklich unglaublich. Darauf sind wir irrsinnig stolz“, erklärte Dominik Hofbauer.

Konstantin Kerschbaumer fand: „Man kann stolz darauf sein, als Zweitligist einem Topklub wie PSV Eindhoven Paroli geboten und zwei sehr gute Spiele gezeigt zu haben. Aber am Ende ist es natürlich bitter, weil mehr drinnen war.“

„Cleverness und Erfahrung“ als Unterschied

Kerschbaumer krönte seine Leistung mit dem zweiten SKN-Treffer („Schön für mich, bringt uns aber leider nichts“), war es jedoch auch, dessen Fehler das 0:1 der Niederländer einleitete.

„Ich wollte einen Pass spielen, habe den Blick in die Tiefe gesucht, als mir der Ball weggespitzelt wurde. Dann waren wir hinten zu spät dran“, ärgerte sich der 22-Jährige.

Ein Fauxpas wie dieser wird von einem Klassegegner eben eiskalt bestraft. „Die Cleverness und die Erfahrung von Eindhoven haben es ausgemacht“, analysierte Hofbauer.

Zudem machen starke Einzelspieler wie WM-Teilnehmer Memphis Depay den Unterschied aus, der nach seiner Einwechslung mit einem Treffer und einem Assist die Entscheidung herbeiführte. „Man hat gleich gesehen, dass der Bursche etwas drauf hat. Es kommt nicht von ungefähr, dass er von Großklubs umworben wird“, unterstrich Kerschbaumer.

Cocu: „St. Pölten hat eine sehr gut organisierte Mannschaft“

Die „Wölfe“ haben alles in die Waagschale geworfen – zum Weiterkommen reichte dies nicht, Respekt erarbeitete man sich damit jedoch umso mehr. Sowohl bei den 8000 Zuschauern in der ausverkauften NV Arena, als auch beim Gegner.

„Sie haben eine sehr gut organisierte Mannschaft, in der jeder für den anderen arbeitet. Sie haben vielleicht nicht die herausragenden, großen Spieler, aber als Team sind sie wirklich stark“, lobte PSV-Trainer Phillip Cocu.

Auch ÖFB-Legionär Marcel Ritzmaier, der das erste Eindhoven-Tor mustergültig vorbereitete, zollte seinen Landsleuten Respekt: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass St. Pölten eine gute Mannschaft hat. Umsonst sind sie nicht so weit gekommen. Wir wussten, dass es nicht leicht wird, aber letzten Endes haben wir verdient gewonnen. Wenn man auf beide Spiele zurückblickt, war es hart erkämpft, aber wir kennen unsere Qualitäten. Die haben wir ausgespielt.“

„Die große Bühne ist nicht weit weg“

Für St. Pölten geht es nun darum, die richtigen Lehren aus dem Europa-League-Abenteuer in den Erste-Liga-Alltag mitzunehmen.

„Man kann sich viel abschauen, sieht allerdings auch, dass man mitspielen kann und die große Bühne wirklich nicht weit weg ist. Das gibt Hoffnung und Selbstvertrauen“, meinte Kerschbaumer.

Auch Hofbauer fand, dass der Unterschied nicht so groß wie vielerorts angenommen sei: „Man glaubt immer, in der 2. Liga in Österreich können sie nicht Fußball spielen, im Ausland hört man immer, wir können nur Skifahren. Aber es ist nicht so viel Unterschied gewesen. Ich sage es immer wieder: Mit einem guten Matchplan, Fitness und Leidenschaft kann man im Fußball sehr viel bewegen.“

„Wichtig ist, wie die Spieler damit umgehen“

Es wäre jedoch ein Fehler zu glauben, dass der angepeilte Aufstieg in die Bundesliga aufgrund der gewonnenen Erfahrung auf internationalem Level ein Selbstläufer wird. Vor dieser Gefahr warnte Trainer Herbert Gager:

„Wegen solcher Spiele werden wir nicht gleich aufsteigen, da gehört mehr dazu. Immer nur davon zu reden, wird nicht genügen“, stellt der 44-Jährige klar und nahm diesbezüglich seine Schützlinge in die Pflicht:

„Wichtig ist, wie die Spieler damit umgehen. Wenn sie nach diesen guten Leistungen glauben, dass es einfach so weitergeht, wird es ein Problem. Wenn die Spieler jedoch sehen, was möglich ist, wenn man Gas gibt, an sich glaubt und von seiner Stärke überzeugt ist, kann man sehr viel erreichen.“

Initialzündung für Standort St. Pölten?

Während diverse Bundesliga-Aufsteiger der jüngeren Vergangenheit zwar die Mannschaft nicht jedoch die Infrastruktur für die höchste Spielklasse hatten, stellt dies bei den Niederösterreichern kein Problem dar.

Die Hoffnung, dass der Europacup-Schnupperkurs eine Initialzündung für den Standort St. Pölten gewesen sein könnte, lebt so gesehen. „St. Pölten hat schon einmal in der Bundesliga gespielt, es ist viel Potenzial da“, ist Hofbauer überzeugt.

Über allem steht bis zur Rückkehr in den Meisterschafts-Alltag jedoch auch für den 23-Jährigen die Performance beim Europa-League-Abenteuer:

„Wir haben Österreich würdig vertreten. Darauf sind wir stolz.“


Peter Altmann

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»