Rapid stellt Fan-Arbeit auf neue Beine und greift durch

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Die Ausschreitungen im Playoff-Hinspiel zur Europa League zwischen PAOK-und Rapid-Fans sind noch allgegenwärtig.

Die unschönen Szenen haben Spuren hinterlassen. Der letzte verbliebene österreichische Europacup-Vertreter muss nun mit den Konsequenzen leben.

Ein Tropfen würde das längst bis obenhin angefüllte Fass zum Überlaufen bringen, ein Ausschluss aus dem internationalen Bewerb wäre die weitreichende Folge.

Die „Feuertaufe“ wartet am Donnerstag im ausverkauften Hanappi-Stadion, wo bereits neue Regeln gelten sollen. Die tolerante, liberale Linie war einmal – zumindest wenn man den Vereinsverantwortlichen Glauben schenkt.

Strategie oder Dummheit?

„Der Großteil der Fans im Stadion will Rapid unterstützen, andere schaden dem Verein immer wieder. Die Frage ist, ob da Strategie oder Dummheit dahinter steckt“, stellt Präsident Rudolf Edlinger in den Raum.

Szenen, wie jene in Saloniki, hatte bis dato noch keiner der Rapid-Delegation erlebt. Und keiner will diese noch einmal erleben.

Somit kündigt der Präsident an, rigoros gegen Störenfriede vorzugehen. Das Zünden und Werfen von Pyrotechnik oder anderen Gegenständen sowie Gewalt wird geahndet.

Um dies umzusetzen sollen die Stadionverbote bis zur Höchststrafe von zehn Jahren ausgereizt werden, zudem werden Regressforderungen an die Unruhestifter gestellt.

„Vielleicht waren wir bisher zu tolerant. Aber das wird es nicht mehr geben“, so Edlinger weiter. Jeder grün-weiße Fan sei weiterhin willkommen. Zuschauer, die mit gewaltbereiten und gesetzeswidrigen Aktionen dem Verein schaden wollen, werden hingegen aufs Äußerste verurteilt.

Rapid stellt Fan-Arbeit auf neue Beine

Das führt auch zu einer Neu-Organisation der Strukturen innerhalb des Vereins. Zur Überraschung vieler gibt Klubservice-Leiter Andy Marek ein Teilsegment seines Arbeitsbereiches ab.

„Wir stellen die Fan-Arbeit auf neue Beine“, verkündet der Stadionsprecher, der künftig nur mehr in beratender Funktion für die Betreuung der „aktiven Fanszene“ zuständig sein und sich u.a. mehr auf Stadionbau, Merchandising und Ticketing konzentrieren wird.

Dass sich die Zeiten geändert haben, musste auch Rapid mit einiger Verspätung feststellen. Spätestens der Platzsturm im Mai 2011 machte bewusst, dass es so nicht weitergehen kann.

Bereits seit Monaten soll an einem neuen Fan-Projekt gearbeitet werden, das von einem Sozialarbeiter und einem Kenner der Sicherheits- und Organisationsbranche geleitet werden soll.

Im Herbst soll der neue Versuch – einschließlich eines neu eröffneten Fanzentrums – offiziell vorgestellt werden.

Entwicklungen der Fan-Szene enorm

Die Fan-Entwicklung habe laut Marek in den vergangenen Jahren Ausmaße erreicht, die auf diese Art und Weise nicht mehr zu stemmen gewesen wären.

„Alles ist anders geworden, die Fan-Gruppierungen werden immer größer und es ist nicht mehr mit allen Fans ein Dialog möglich“, berichtet Rapids Stimme.

Zu dieser „Handvoll“ an Gesprächsverweigerern sollen auch jene zählen, die in Saloniki für die abgeschossenen Feuerwerkskörper in den PAOK-Sektor verantwortlich zeichneten.

Auf sechs vor Ort Festgenommene wartet ein Prozess, der von Seiten Rapids ein Hausverbot für zehn Jahre mit sich bringt. Außer im Falle eines Freispruchs.

Da es sich bei jenen Anhängern aber nicht um die Pyro-Abfeuerer handeln soll, hofft Rapid auf aufschlussreiches Video-Material der griechischen Polizei.

„Es ist eine Sisyphusarbeit“

Marek war immer wieder vorgeworfen worden, zu tolerant zu sein, „aber viele Dinge haben gut funktioniert“.

„Aber es gibt keine Wunderpille. Es ist eine Sisyphusarbeit“, stellt der langjährige Klubmitarbeiter klar und verweist auf die Fan-Problematik in anderen Ländern.

Das direkte Verhältnis zu den Fans soll weiterhin gepflegt werden. Jene, die aus der Reihe tanzen, aber ausnahmslos zur Rechenschaft gezogen werden.

Im Rückspiel gegen PAOK könnte schon eine Kleinigkeit dem Verein ungeahnten Schaden zufügen. „Wir wissen, dass das Damoklesschwert über uns hängt“, so Marek.

Alle Sicherheits-Vorkehrungen getroffen

Die Hoffnung, dass die Griechen ohne Fans anreisen, wurde im Keim erstickt. Rund 750 werden am Donnerstag die Ost-Tribüne füllen.

Insgesamt sind knapp 600 Polizisten und 350 Sicherheitsbeamte im Einsatz, 30 Prozent mehr als bei einem Großeinsatz im Wiener Derby.

Bei intensiven Kontrollen soll garantiert werden, dass nur PAOK-Fans mit griechischem oder deutschem Pass (aufgrund von anreisenden griechischstämmigen Fangruppen aus Deutschland) ins Stadion kommen. Damit soll verhindert werden, dass Anhänger des befreundeten Klubs Partizan Belgrad zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Geht es nach Rapid-Präsident Edlinger sollen 16.000 dem Fußball wegen kommen und Rapid in die Gruppenphase befördern. „Alle anderen wollen wir hier nicht.“


Alexander Karper

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