"Mit uns kommt keiner zurecht"

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Wobei die Spielanlage der Niederländer den Salzburgern in diesem Fall sehr gut zu Gesicht stand. „Die Spielweise ist uns entgegengekommen. Sie haben nie tief, sondern immer nur breit gespielt. Sie haben nach vorne wenige Lösungen gefunden“, so Hinteregger.

Salzburg kennt das. „Sie haben ähnlich wie die Bayern gespielt, waren auf Ballbesitz aus, wollten uns von hinten nach vorne mit Kombinationsfußball ausspielen – wir haben das aber einfach nicht zugelassen. Die Bayern waren die perfekte Vorbereitung, das ideale Testspiel“, sagte Stefan Ilsanker.

Deswegen war Ajax – abgesehen von zwei Halbchancen – offensiv auch nicht vorhanden. Hinteregger: „Wenn wir hinten taktisch perfekt spielen, jede Situation annehmen und immer hellwach sind, sind wir da hinten nur sehr schwer zu schlagen.“ Letztendlich wies die Statistik 4:14 Torschüsse, davon 2:7 aufs Tor, auf.

"Innerlich das ganz Spiel gelächelt"

Dementsprechend glücklich war Schmidt nach der Partie auch: „Super! Wir haben Ajax unser Spiel aufgezwungen und verdient gewonnen. Innerlich habe ich das ganze Spiel gelächelt – weil wir sehr gut gespielt haben.“

Ilsanker wollte nichts von einer schwachen Ajax-Truppe wissen: „Ich möchte mal hören, dass wir geil gespielt, super gepresst und sie unter Druck gesetzt haben.“

Tatsächlich, Salzburg hat geil gespielt, super gepresst und sie unter Druck gesetzt. Der erste Teil des Kampfes zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Spielideen ist ganz klar an die Salzburger gegangen.
 

Harald Prantl

Man ist immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt.

Diese Fußball-Weisheit kommt vor allem in österreichischen Gefilden oft zu kurz.

Dass sie nach dem sensationellen 3:0-Auswärtssieg von RB Salzburg in Amsterdam Gültigkeit hat, beweist eine Aussage von Ajax-Coach Frank de Boer.

„Wir haben es nicht geschafft, unseren eigenen Rhythmus zu finden. Nicht weil wir so schlecht waren, sondern Salzburg einfach zu gut war für uns“, so der Niederländer. Tatsächlich war es keineswegs ein schwaches Ajax, sondern ein grandios spielender Gegner aus Österreich, der den Ausschlag gab.

De Boer zollt Respekt

„Die erste Hälfte kann man nicht besser spielen“, freute sich Christian Schwegler nach der Partie. Gerade einmal 35 Minuten hatte es gedauert, ehe die „Bullen“ mit 3:0 in Front lagen. „Als Auswärtsmannschaft ist es das Ziel, dass die Fans mit der eigenen Mannschaft unzufrieden sind“, kommentierte Martin Hinteregger die Pfiffe der Ajax-Fans nach etwas mehr als einer halben Stunde.

Die Anhängerschaft der Hausherren traute ihren Augen kaum, denn ihre Lieblinge vermochten praktisch nie das Spiel, das sie für gewöhnlich auszeichnet, aufzuziehen. Die gesamte Salzburger Mannschaft spielte – wie bereits im Vorfeld angekündigt – extrem aggressives Pressing.

„Es war ein sehr hartes Stück Arbeit. Wir mussten sehr viel laufen, haben aber das Spiel von der ersten Minute an beherrscht“, so Kevin Kampl. Dass das Spiel der Salzburger überaus laufintensiv ist, blieb freilich auch de Boer nicht verborgen: „Kompliment nicht nur an die Spieler, sondern auch an das ganze Trainerteam von Salzburg – es verlangt viel Disziplin und Kondition, um so aufzutreten. Man muss sehr gut sein, um gegen sie zu spielen, und das waren wir heute nicht. Wir konnten keine Sekunde unser eigenes Spiel aufziehen.“

Schwegler grinste: „Keine Mannschaft kommt mit unserem Spiel zurecht. Sie können sich zwar auf uns vorbereiten, auf dem Platz fühlt sich das aber ganz anders an – da spürst du einen enormen Druck. Da brauchst du einige Zeit, um dich daran zu gewöhnen – und dann bist du aber meistens schon in 0:1, 0:2 oder 0:3 in Rückstand.“

Die Bayern als perfekte Vorbereitung

Es ist genau der Stil, der Salzburg unter Trainer Roger Schmidt auszeichnet. „Genauso wollen wir immer spielen – pressen, pressen, pressen“, erklärte Jonatan Soriano. Dass dieses Rezept nicht nur national, sondern auch international bestens funktioniert, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr.

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