"Die Schere geht auseinander"

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Didi Kühbauers Bedenken

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Was für den WAC eine Premiere ist, ist für Didi Kühbauer nichts Neues – ein Start im Europacup.

Der 44-Jährige war mit der Admira (als Spieler und Trainer), Rapid, Real Sociedad, Wolfsburg und Mattersburg schon international im Einsatz.

„Das ist ein machbarer Gegner“, sagt der Burgenländer vor dem Duell mit dem weißrussischen Klub Schachtjor Soligorsk (Do, 18:30 Uhr, LIVE-TICKER).

Im LAOLA1-Interview spricht „Don Didi“ über Spieler, die in niedrigeren Spielklassen mehr verdienen als in der Bundesliga, Probleme, die ein Weiterkommen in der Europa League verursachen könnte, und seine Bedenken wegen des kleinen Kaders.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit dem Transfer-Sommer?

Didi Kühbauer: Ich bin eigentlich sehr zufrieden. Mir war bewusst, dass wir uns in diesem Sommer nur punktuell verstärken werden, den Umbruch hatten wir ja schon in der vergangenen Saison. Bis jetzt bin ich mit den Neuen sehr zufrieden.

LAOLA1: Vor allem Philip Hellquist hat sich in der Vorbereitung schon als treffsicher erwiesen.

Kühbauer: Das stimmt. Ich würde mir wünschen, dass sich das in den Pflichtspielen fortsetzt. Abgesehen davon ist er ein sehr lauffreudiger Spieler. Er ist ein Vollprofi und wir sind froh, ihn zu haben.

LAOLA1: Wie weh haben Ihnen die Abgänge getan? Manuel Kerhe und Nemanja Rnic waren in der Vorsaison immerhin regelmäßig im Einsatz.

Kühbauer: So ist der Fußball. Rnic wollten wir halten, aber er hatte ein besseres Angebot. Kerhe hat leider das Geld der Bundesliga vorgezogen. Das ist legitim, wir müssen das akzeptieren. Das waren gute Spieler für uns, aber wir konnten ihre Abgänge eben nicht verhindern.

LAOLA1: Es fällt in diesem Sommer auf, dass einige Klubs in der Ersten Liga und sogar in der Regionalliga mehr zahlen können als so mancher Verein aus der Bundesliga.

Kühbauer: Ich kann nur für den WAC sprechen: Bei uns wird man nicht reich. Aber dafür wird das Gehalt bei uns immer anständig überwiesen. Früher hat es immer geheißen, die Profis wollen in der Bundesliga spielen. Aber das ist, wie man sieht, nicht mehr so der Fall.

LAOLA1: Ist die Kaderplanung abgeschlossen?

Kühbauer: Wir suchen noch einen Außenspieler. Aber das ist aufgrund unserer budgetären Möglichkeiten schwierig. Wir zahlen keine horrenden Ablösesummen und auch keine absurden Gehälter. Wir haben noch keinen Spieler gefunden, der zu uns passt. Aber wir suchen weiter.

"So einen Saisonstart werden wir nicht mehr hinlegen"

LAOLA1: Vergangene Saison ist dem WAC der Saisonstart – ohne Europacup – gut geglückt.

Kühbauer: So einen Saisonstart werden wir nicht mehr hinlegen – neun Siege aus elf Spielen waren unglaublich. Im Frühjahr hatten wir dann das Pech, einige Verletzte zu haben. Auch deswegen habe ich bei diesem kleinen Kader Bedenken. Wenn über Wochen hinweg vier, fünf Stammspieler ausfallen, fällt die Leistung ab. Aber das können wir nicht steuern, es kann immer etwas passieren.

LAOLA1: Sind die Ansprüche in Wolfsberg nach dem Erreichen des Europacups gestiegen?

Kühbauer: Wenn sie für einzelne gestiegen ist, ist das in Ordnung. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Wir haben eine Top-Saison gespielt und heuer das Budget reduziert. Erneut Fünfter zu werden, wäre ein unglaublich gutes Resultat. Wir werden wieder versuchen, die Großen zu ärgern. Ich glaube aber, dass die Schere auseinandergeht. Die finanziell besser dastehenden Klubs haben von der Kadergröße her einen riesigen Vorteil – wenn da drei Spieler ausfallen, können sie das auch über Wochen hinweg kompensieren.

LAOLA1: Der Einbau der Rasenheizung wurde verschoben. Stört sie das?

Kühbauer: Da bin ich der falsche Ansprechpartner, das ist nicht mein Thema. Mir ist wichtig, dass der Rasen gut ist und die Spieler Spaß haben, darauf zu spielen.

LAOLA1: Und wie sieht es mit dem insolventen RZ-Sägewerk aus?

Kühbauer: Auch das hat nichts mit mir zu tun. Ich mache mir da keine Sorgen. Innerhalb der Mannschaft wurde darüber auch nie gesprochen. Der Präsident hat gesagt, dass das kein Problem ist – ich vertraue ihm da zu 100 Prozent.

LAOLA1: Abschließend die Frage nach der Nummer eins im Tor. Können Sie diese schon beantworten?

Kühbauer: Wir haben ein absolutes Luxusproblem. Alexander Kofler und Christian Dobnik sind beide sehr stark und haben eine gute Vorbereitung gemacht. Für mich ist das eine schwierige Situation, die sich andererseits wohl jeder Trainer wünscht. Es wäre durchaus eine Möglichkeit, dass einer im Europacup und Cup, der andere in der Meisterschaft spielt.

Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Welche Bedeutung hat die Europa-League-Quali für den WAC?

Kühbauer: Wir haben das aufgrund unserer Leistungen – und mit Hilfe von Salzburg – geschafft. Wir wollen uns anständig verkaufen und Österreich gut vertreten. Wir kennen Schachtjor Soligorsk mittlerweile in- und auswendig. Das ist ein machbarer Gegner, wenngleich wir gute Leistungen bringen müssen.

LAOLA1: Was erwartet Ihre Mannschaft in Weißrussland?

Kühbauer: Das ist eine sehr solide, erfahrene Truppe, die schon lange zusammenspielt. Soligorsk kommt viel über die Außenbahnen und schaltet gut um. Es gibt keine herausragenden Spieler, vielmehr zählt das Kollektiv. Das gilt für uns übrigens auch. Für Soligorsk kann es ein Vorteil sein, dass sie mitten in der Meisterschaft stehen. Wir haben aber absichtlich internationale Testspiele angesetzt, um uns vorzubereiten. Mit einem Europacup-Spiel ist das aber natürlich nicht zu vergleichen.

LAOLA1: Welche Bedeutung messen Sie dem 3:1-Sieg im Test gegen Schalke zu?

Kühbauer: Wir waren in allen Belangen weiter, Schalke steht im Gegensatz zu uns erst am Beginn der Vorbereitung, und hatte schwere Beine. Trotzdem wollten sie sicher nicht verlieren, das hat man auch gesehen. Wir können das Resultat richtig werten. Wir dürfen nicht erwarten, dass wir in Deutschland für Furore sorgen würden. (lacht) Für das Selbstvertrauen war es aber sicher gut.

LAOLA1: Sollte der WAC in der Europa League weiterkommen, würden zwischen 30. Juli und 30. August zumindest acht, maximal zehn Pflichtspiele auf dem Programm stehen.

Kühbauer: Unser Kader ist noch kleiner als letztes Jahr. Es ist wichtig, dass sich kein Spieler verletzt – das kann man jedoch nie vorhersehen. Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits will man international dabei bleiben, andererseits hat man in der Meisterschaft das tägliche Brot. Sollten wir weiterkommen, was natürlich unser Ziel ist, wäre es eine riesige Belastung.

LAOLA1: Wie legt man das von der Trainingssteuerung an?

Kühbauer: Im Moment sind wir gut in Schuss. Die größte Gefahr besteht durch die Reisen und die vielen Spiele. Wir können nicht in diesem Umfang trainieren, wie wir das gerne würden. Es ist ein regeneratives Programm angebracht. Die taktische Arbeit hat schon stattgefunden, jeder Spieler weiß um seine Aufgaben und seine Laufwege – das ist kein Problem. Das Problem ist, dass man im Training kaum richtig belasten kann. Die Arbeit im taktischen Bereich ist also machbar, körperlich noch zuzulegen ist schwierig – da liegt der Hund begraben. Aber wir sind positiv.

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