"Ein Ergebnis, das man sich in ganz Europa ansieht"

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Rapid hat es fünf Mal nicht geschafft, Austria und Sturm jeweils zwei Mal nicht sowie SSW Innsbruck bzw. FC Tirol, der LASK und GAK auch nicht. Aller guten Dinge waren also 14.

Mit dem 3:1-Sieg von Red Bull Salzburg auswärts gegen Celtic Glasgow im legendären Celtic Park gelang am fünften Spieltag der Europa-League-Gruppenphase erstmals einem ÖFB-Klub auf schottischen Boden ein Sieg.

Und es war nicht nur an der Zeit, sondern auch ein verdienter Erfolg.

„Wenn man als erste österreichische Mannschaft hier gewinnt, dazu auch noch den Gruppensieg holt, kann man einfach nur zufrieden sein“, freute sich Trainer Adi Hütter über den historischen Triumph.

„Haben weiteres Statement abgegeben“

Sein Goalie Peter Gulacsi ging gar weiter: „Wir haben ein weiteres Statement hier abgegeben. Ich denke, das ist ein Ergebnis, das man sich in ganz Europa ansieht.“

Zumindest könnte dem einen oder anderen sicher auffallen, dass die Europa League den Salzburgern liegt. Im sechsten Jahr seit der Einführung steht man zum vierten Mal in der Runde der letzten 32, ist zum dritten Mal Gruppensieger und hat in der Ära Rangnick seit 2012 auswärts noch nie verloren.

In den bislang acht Auswärtsspielen gab es sieben Siege und ein Remis – das 0:0 von Basel im Achtelfinale der vergangenen Saison. Die letzte Europa-League-Auswärtsniederlage datiert vom 23. Feburar 2012 (1:4 in Kharkiv).

Nach dem fulminanten 5:1 bei Dinamo Zagreb konnten die „Bullen“ nun auch aus dem Celtic Park drei Punkte mitnehmen. Ein besonderer Tag für die rot-weiß-roten Geschichtsbücher.

„Der Trainer hat das vor dem Spiel angesprochen, dass hier noch niemand aus Österreich gewonnen hat. Umso schöner ist es, dass wir dazu den Gruppensieg fixiert haben“, jubelte auch der slowenische Teamspieler Kevin Kampl. „Es ist ein extrem schönes Erlebnis gewesen.“

Alan dankte es mit seinen Toren

Der 24-Jährige führte aus: „Hier überhaupt zu spielen, ist schon einmal mega. Dann auch noch zu gewinnen und den Gruppensieg zu fixieren, ist natürlich Wahnsinn für unsere junge Truppe. Wir haben uns das verdient, haben hart gearbeitet, auch wenn nicht immer alles geklappt hat. Aber wir haben mit Herz und Leidenschaft gespielt und so ein super Spiel gemacht.“

Gulacsi setzte noch einen obendrauf: „Wir haben gezeigt, was für eine geile Mannschaft wir sind. Wir waren die ersten 30 Minuten überragend. Celtic war vielleicht ein wenig überrascht, dass wir so aggressiv waren und so schnell nach vorne gespielt haben. Wir hatten auch Chancen auf das 3:0 oder 4:0. Zehn Minuten waren wir dann unter Druck, aber alles in allem haben wir verdient gewonnen.“

Alan stand in den Minuten 8 und 13 jeweils „alan“ und sorgte für einen Traumstart der Gäste. Der Brasilianer gab sein Startelf-Comeback und bekam dabei den Vorzug gegenüber Marcel Sabitzer.

„Seine Qualität in internationalen Spielen hat den Ausschlag gegeben, dass ich ihn vor dieser Kulisse bringe. Er hat es mit beiden Toren für die Mannschaft gedankt“, schilderte Hütter, der ansonsten die Elf gegenüber dem Sieg bei Sturm Graz (2:1) unverändert ließ.

Vor dieser Kulisse zu bestehen, war vor allem nach dem Trauma von Malmö ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Mannschaft. Kampl: „Wir haben aus solchen Spielen gelernt, sind gestärkt hervorgegangen und ich hoffe, dass das bei den nächsten Aufgaben genauso sein wird, wenn es eng zugeht. Dass wir da auch die Oberhand behalten, wenn es nicht so klappt, und mit Herz und Leidenschaft dagegengehalten. Dann können wir auch solch große Spiele gewinnen.“

Mit der Europa League hat man sich längst angefreundet, wenngleich alte Wunden aufgerissen wurden, wie Kampl erörtert: „Man ist auch wieder sauer, dass wir in Malmö versagt haben und verdient nicht in die Champions League gekommen sind. Es ist leider wieder die Europa League geworden, aber wir versuchen natürlich, ein wenig aufzumischen, mit unserem Team ein wenig zu rocken. Das gelingt uns ganz gut. Wir sollten uns jetzt aber nicht zu große Ziele stecken, sondern einfach drauf los spielen und sehen, was kommt.“

Man schielt schon auf die Auslosung

Nach dem Abschluss der Gruppenphase in zwei Wochen mit dem Heimspiel gegen Giurgiu folgt die Auslosung und dann werden die Salzburger erfahren, gegen wen sie Mitte Februar spielen werden.

Fakt ist, die „Bullen“ werden zuerst auswärts und wie vergangene Saison erst im Rückspiel zu Hause antreten sowie bei der Auslosung gesetzt sein. Also die vier schlechtesten Gruppendritten der Champions League sowie die Gruppenzweiten der Europa League sind die möglichen Gegner.

Hütter: „Es wird so oder so ein harter Brocken werden, aber die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie imstande ist, mit zwei guten Spielen einigen Mannschaften sehr weh zu tun.“

 

Aus Glasgow berichtet Bernhard Kastler

Für den Brasilianer, der die alleinige Führung in der EL-Torschützenliste übernahm und bei sechs Treffern im laufenden Bewerb hält, waren diese Tore Balsam auf die Seele.

„Diese Saison ist ein wenig schwierig für mich, weil ich immer wieder einmal verletzt bin, aber Gott sei Dank habe ich wieder getroffen, ich freue mich für mich und vor allem für die Mannschaft.“

„Mit Herz und Leidenschaft“

Die hat sich beim Kultklub aus Glasgow, der dank des 1:0-Sieges von Astra Giurgiu gegen Dinamo Zagreb auch fix im Sechzehntelfinale steht, selbst das Leben dann etwas schwer gemacht.

„Wir haben die ersten 30 Minuten extrem gut gespielt und waren 2:0 voran. Danach haben wir etwas Luft rausgelassen, weil wir allerdings auch sehr viel investiert haben. Celtic ist nicht irgendein Team, vor allem zu Hause, wenn sie von ihren Fans so gepusht werden. Da ist es normal, dass man mal etwas schwimmt, wenn man den Anschlusstreffer erhält. Einige Mannschaften hätten hier noch den Ausgleich bekommen und wir dagegen haben noch das 3:1 gemacht. Das zeigt, wie viel Herz und Leidenschaft wir haben und absolut verdient gewonnen haben“, sagte Kampl.

Hütter sah es ähnlich: „Die Mannschaft hat alles, was wir besprochen haben, umgesetzt. Wir haben versucht, hoch zu verteidigen, schnell umzuschalten. Natürlich haben wir durch das 1:0 und 2:0 sehr viel Selbstvertrauen gehabt, vielleicht zu viel. Die Schotten haben uns dann mit dem 1:2 bestraft.“

„Haben Super-Erfolg gelandet“

„Mir war klar, dass Celtic zu Hause auch Druck machen wird. Die einzig richtige gute Torchance hat Peter Gulacsi super gehalten. Sonst haben sie immer wieder über die Seiten Druck gemacht. Was wir in der zweiten Hälfte nicht gut gemacht haben, war, dass wir im Spiel nach vorne nicht mehr so die Kontrolle und leichte Ballverluste hatten. Wir haben aber den Fight angenommen und unterm Strich einen Super-Erfolg gelandet. Wir haben richtig gut gespielt.“

Der Erfolg war freilich auch ob der Atmosphäre ein ganz besonderer. Auch wenn mit 32.000 Zuschauern - darunter Rod Stewart - das Stadion nur halbvoll war, bleibt es den Spielern ganz besonders in Erinnerung.

„'You'll never walk alone' ist einfach etwas Besonderes, da hätten die auch noch zehn Minuten mit dem Anpfiff warten und wir zuhören können, weil es einfach so schön war. Es macht einfach Riesen-Freude, hier zu spielen. Von uns waren auch einige Fans da und das ist ein schöner Abend für alle Österreicher“, sagte Kampl.

Eine besondere Atmosphäre

Gulacsi, früher beim FC Liverpool unter Vertrag, schlug in dieselbe Kerbe: „Die Atmosphäre war unglaublich. Nach der Pause 'You'll never walk alone' zu hören, das ich für sechs Jahre jede Woche gehört habe, das war ein besonderes Gefühl.“

Martin Hinteregger sagte das, was sich alle Kicker dachten: „Deswegen spielen wir Fußball.“

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