Oranje-Coach nach Pleite in Island unter Beschuss

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Island bleibt die Überraschung der Qualifikation für die -EM 2016 in Frankreich.

Am Montag versetzten die Nordmänner dem WM-Dritten Niederlande einen schweren 2:0-Schlag und führen mit schon sechs Punkten Vorsprung auf "Oranje" die Quali-Gruppe A an.

Während Island-Star Gylfi Sigurdsson über einen "perfekten Abend" jubelte, muss sich Niederlande-Coach Hiddink massive Kritik gefallen lassen.

"Es war eine dumme Niederlage"

"Es war eine dumme Niederlage", befand Bayern-Star Arjen Robben, dessen Team die Partie in Reykjavik spielerisch über weite Phasen dominiert hatte, sich gegen die isländische Defensive aber die Zähne ausbiss.

"Wir wussten, dass wir viel hinterherlaufen würden, dass Holland mehr Ballbesitz haben würde, aber unser Plan ging perfekt auf: gut verteidigen und schnelle Konter spielen", umriss Doppeltorschütze Sigurdsson die isländische Taktik. Die erste Endrunden-Teilnahme ist für das Team des schwedischen Coaches Lars Lagerbäck (Torverhältnis 8:0) nach drei Spielen rückt damit in den Bereich des Realistischen.

Scharfe Kritik aus der Heimat

In den Niederlanden hingegen lässt die historische erste Niederlage im elften Pflichtspiel gegen die Inselkicker die Kritik an Trainer Guus Hiddink immer lauter werden.

"Es ist Zeit, für einen jüngeren Trainer Platz zu machen", äußerte sich etwa Frank de Boer gegenüber "Voetbal International" unmissverständlich.

Dem Coach von PSV Eindhoven fehlt im Oranje-Spiel eine "echte Idee. Es gibt keine Bewegung, keine Überraschung. Van Persie ist auf einer Insel, niemand hilft ihm", analysierte de Boer.

"Hiddink hat keine Inspirationen"

"Was nun mit Oranje, Guus?", schrieb "De Telegraaf" und folgerte aus dem Auftritt: "Oranje ist im Auflösungszustand." Das "Algemeen Dagblad" ging noch einen Schritt weiter: "Hiddink hat keine Inspirationen. Als ob das heilige Feuer in ihm erloschen ist."

"De Volkskrant" schließlich verfiel in Sarkasmus: "Die Mannschaft von Hiddink fällt auseinander wie eine Mannschaft von kleinen Fräuleins."

Robben war ratlos. "Es ist 2 vor 12. Wir beginnen wieder bei Null. Wir müssen nicht denken, dass wir gut sind. Denn wir sind nicht gut", sagte der Club-Kollege von David Alaba.

Tschechien in Hochstimmung

In Hochstimmung sind hingegen die Tschechen nach dem 4:2-Erfolg in Kasachstan. "Der Kunstrasen kann Tschechiens Feldzug nicht stoppen", kommentierte die "Pravo" den dritten Sieg im dritten Spiel. Was dieser wert ist, wird man am 16. November sehen. Dann kommt es in Prag zum Aufeinandertreffen der noch ungeschlagenen Tschechen und Isländer.

Die Niederländer empfangen den Gruppenvierten Lettland, der der Türkei mit Glück ein 1:1 abtrotzte und die Situation für Türken-Coach Fatih Terim weiter verkompliziert: Mit einem Punkt ist man Letzter, derzeit zwei Punkte hinter den drittplatzierten Niederländern.

Rekordmann Ödegaard sprachlos

Fast sprachlos war Norwegens neuer Rekordmann Martin Ödegaard, der in Gruppe H beim 2:1-Heimsieg über Bulgarien mit 15 Jahren und 300 Tagen zum jüngsten Spieler in der Geschichte der EM-Quali wurde.

"Für mich ist es schwer, in Worte zu fassen, was ich dieses Jahr alles erlebt habe. Ich versuche es einfach zu genießen", erklärte das Talent, das zugeben musste "nervös" gewesen zu sein.

"Aber als dann der Jubel kam, musste ich einfach lächeln. Alles an diesem Abend war absolut genial. Es ist ein tolles Gefühl, jetzt diesen Rekord zu haben."

Conte gelassen

Norwegen, derzeit Dritter, hielt sich mit dem zweiten Sieg im dritten Spiel alle Chancen offen, auch wenn Kroatien und Italien weiter makellos sind. Die Italiener kamen beim 1:0 auf Malta freilich nur mit einem azurblauen Auge davon. Länderspiel-Debütant Graziano Pelle sorgte mit seinem Treffer in der 24. Minute für die Entscheidung. Für Trainer Antonio Conte zählen aber nur die Punkte.

"Nach dem Desaster bei der WM haben wir in eineinhalb Monaten vier Partien gespielt und sie alle gewonnen. Sicherlich hätten wir heute Abend etwas mehr leisten können. Aber wir haben in der Gruppe die volle Punktzahl", betonte der Coach und freut sich nun auf das Duell mit den ebenfalls verlustpunktfreien Kroaten am 16. November.

Wales träumt

Gruppe B wurde am Montag von zwei Teams angeführt, die nicht unbedingt an der Spitze erwartet worden waren. Leader Wales (7 Punkte) träumt nach dem 2:1-Heimsieg gegen Zypern weiter von der ersten Endrunde seit 1958, Israel (6) könnte erstmals seit der WM 1970 wieder auf der großen Bühne vertreten sein.

Hauptverantwortlich dafür ist derzeit Austria-Goalgetter Omer Damari, der nach seinem Triplepack beim 4:1 in Andorra bei vier EM-Quali-Treffern hält und am Montagabend gleichauf mit Polens Robert Lewandowski und Islands Sigurdsson die Torschützenliste anführte.

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