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Langweilig nur der Modus: Quali der Überraschungen

Fast die Hälfte der EM-Qualifikationsspiele ist absolviert. Österreich steht mit zehn Punkten aus vier Spielen sehr gut da.

Doch das ÖFB-Team ist international gesehen nicht die einzige Überraschung. Die Tabellenführer der Quali-Gruppen lesen sich durchaus interessant: Tschechien, Israel, Slowakei, Polen, England, Rumänien, Österreich, Kroatien und Dänemark.

Auf halbem Weg nach Frankreich zieht LAOLA1 eine Zwischenbilanz:

 

Die Tops und...

 The Czech are back

Europameisterschaften liegen Tschechien. Man denke nur an die 1996er-Generation, die es ins EM-Finale schaffte, oder Karel Brückners Super-Elf aus dem Jahr 2004. Zuletzt ist es dagegen still geworden um Österreichs nordöstlichen Nachbarn. Jetzt schickt sich Ex-Viktoria-Pilsen-Meistertrainer Pavel Vrba an, eine neue Erfolgs-Generation zu formen. Schon beim 1:2 im Testspiel gegen das ÖFB-Team im Juni deuteten die Tschechen ihr Potenzial an. Nun führen sie die Gruppe A mit vier Siegen in vier Spielen vor Island und den Niederlanden an. Beim Spitzenspiel gegen die Nordländer feierten Tomas Rosicky und Co. einen verdienten 2:1-Erfolg, auch wenn der Siegestreffer sehr glücklich zustande kam. Islands Defensive produzierte ein Eigentor, wie man es bisher selten sah: Rechtsverteidiger Elmar Bjarhasson lenkte einen Pass zur Mitte aus unmöglich spitzem Winkel auf das kurze Eck ab, wo sich Goalie Hannes Thor Halldorsson die Kugel selbst ins Netz bugsierte.

 Super-Torjäger vom Verteilerkreis

Während Tschechien und Island in Gruppe A überraschen, tut dies Israel in Gruppe B. Mit drei Siegen aus drei Spielen liegt das Team von Eli Guttman auf Platz eins. Nach Erfolgen gegen Zypern und Andorra konnte man nun auch einen großen Gegner besiegen. WM-Teilnehmer Bosnien zog mit 0:3 den Kürzeren. Als Torschütze vom Dienst fungierte wieder einmal Austria-Angreifer Omer Damari. Der 25-Jährige führt gemeinsam mit Danny Welbeck die Torschützenliste der EM-Qualifikation an. Im Gegensatz zum Arsenal-Star (4 Spiele) brauchte der Israeli nur drei Spiele und acht Schüsse für seine fünf Treffer.

 25 Jahre Mauerfall wird gefeiert

Neben Tschechien spielen mit der Slowakei, Polen und Rumänien noch weitere Länder des ehemaligen Ostblocks groß auf. Insbesondere die Slowaken beeindruckten mit einem Auswärtssieg in der Ukraine und dem 2:1-Heimsieg gegen Europameister Spanien. Polen führt die Deutschland-Gruppe mit zehn Zählern souverän an, während auch Rumänien nach Jahren der Tristesse wieder in die Gänge zu kommen scheint. Im Spitzenspiel der schwach besetzten Gruppe F wurde Nordirland mit 2:0 besiegt. Beide Mannschaften haben beste Chancen auf die EM-Quali, nachdem Favorit Griechenland den Start total verpatzte, womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

 Der Aufstand der Zwerge

Josef Hickersberger sagt Danke. Der Ex-ÖFB-Teamchef ist nun nicht mehr der einzige Trainer, der seinen Stuhl nach einer Niederlage gegen die Färöer räumen musste. Er teilt sich diese unrühmliche Ehre mit Claudio Ranieri, der als Griechenland-Coach nach der 0:1-Heimpleite gegen die Schafsinseln, seinem vierten Spiel in dieser Position, gehen musste. Der Triumph der Färöer war keine Sache des Glücks. Die Männer aus dem hohen Norden begegneten den Griechen auf Augenhöhe und trafen wenige Minuten vor dem Siegestor durch Joan Simun Edmundsson die Stange. Doch die Überraschung durch die Färöer blieb nicht die einzige an diesem Wochenende. Die Floskel von „den Kleinen, die es nicht mehr gibt“ bewahrheitete sich einmal mehr. In der Österreich-Gruppe durfte sich Liechtenstein über einen 1:0-Erfolg in Moldawien freuen. Malta erreichte in Bulgarien ein 1:1 und San Marino trotzte Estland ein 0:0 ab.

 

 

...Flops

 WM-Teilnehmer kommen nicht in die Gänge

Von neun Gruppen werden nur zwei von WM-Teilnehmern angeführt. England, das sich bisher sehr souverän präsentiert, und Kroatien sind die Ausnahmen. Ansonsten scheint die Endrunde in Brasilien kein gutes Omen für den Länderspiel-Herbst gewesen zu sein. Die Favoriten leisteten sich ihre Patzer. Egal ob das deutsche 0:2 gegen Polen, Spaniens Niederlage in der Slowakei oder Portugals Blamage gegen Albanien. Dazu kommen die desaströsen Griechen und mittelmäßige Russen, während in Gruppe B Belgien sowie Bosnien-Herzegowina nur die Ränge vier und fünf belegen. Scheinbar zehren die im tropischen Klima Brasiliens absolvierten WM-Spiele noch immer an den Kräften so mancher Kicker.

 Der Modus ist langweilig

Es ist langweilig: Niederlagen gegen Island und Tschechien – trotzdem haben die Niederlande noch immer ausgezeichnete Chancen auf die EM-Qualifikation. Die Aufstockung der EM-Teilnehmer auf 24 Mannschaften hat den Qualifikation-Spielen den Reiz genommen. Für die großen Länder verkommen Bewerbsspiele zu Freundschaftspartien, da sie auch mit mehreren Niederlagen noch immer alle Chancen auf das Ticket nach Frankreich haben. Die Spannung geht verloren, weil sich selbst Gruppen-Dritte noch für die EM qualifizieren. Natürlich kam Michel Platinis Modus-Änderung kleinen Teams wie Österreich entgegen. Aber der sportlichen Konkurrenzsituation tat die Teilnehmer-Aufstockung nicht gut.

 Der erfolglose Dick

Es war ein kurzes Vergnügen. Nach nur vier Spielen trat Dick Advocaat als Trainer der serbischen Nationalmannschaft zurück. Die Bilanz ist keine rühmliche: In vier Spielen gab es nur einen Punkt, darunter das Abbruch-Spiel gegen Albanien - neben den Pyrotechnik-Würfen der Kroaten in Mailand der zweite Fan-Skandal in diesem Quali-Herbst. Am Freitag verloren die Serben mit 1:3 gegen Dänemark. Danach bezeichnete der niederländische Coach die Leistung seines Teams als „schrecklich“. Advocaat sollte sich aber auch selbst an der Nase nehmen. Seine letzten fünf Stationen als Nationaltrainer waren von nur wenig Erfolg gekrönt. Für die Vereinigten Arabischen Emirate arbeitete er 2005 nur drei Monate, danach folgte ein kurzes Engagement bei den Südkoreanern, mit denen Advocaat bei der WM 2006 in der Vorrunde scheiterte. Auch in Belgien (2008-2009) machte der 67-Jährige zu wenig aus den vorhandenen Talenten. Mit Russland verpasste er 2012 bei der Europameisterschaft den Einzug ins Achtelfinale und jetzt folgte das Missverständnis bei Serbien. Vielleicht sollte Herr Advocaat langsam ans Aufhören denken…

 

Jakob Faber

 Türkisches Chaos

Über die „Pistolen-Affäre“, die den Leverkusener Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak ihren Platz im Kader gekostet hat, haben wir bereits berichtet. Beim 3:1-Pflichtsieg gegen Kasachstan mussten die krisengebeutelten Türken nun mit dem nächsten Skandal kämpfen. Torhüter Volkan Demirel wurde beim Aufwärmen minutenlang ausgepfiffen und beschimpft. Daraufhin reichte es dem 33-Jährigen. Er signalisierte dem Trainer-Team, dass er das Spiel nicht bestreiten wolle und verließ nicht nur das Spielfeld, sondern gleich auch das Stadion. Der Hintergrund der Pfiffe sind wohl die letzten Istanbuler Derbys, in denen sich der Fenerbahce-Goalie den Unmut vieler Galatasaray- und Besiktas-Fans zuzog. Unter anderem drohte er ÖFB-Nationalspieler Veli Kavlak Prügel an.

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