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Das Kandinsky-Gemälde unter den Trainern

England hat einen neuen Teamchef. Nach langer Suche hat sich der Verband für Roy Hodgson entschieden (Alle Details).

Der 64-Jährige ist ein Trainer-Vagabund, der in seiner Karriere schon allerlei gesehen hat.

LAOLA1 weiß zehn Dinge über Roy Hodgson:

  • Hodgson wuchs im Südlondoner Bezirk Croydon auf. Seine Mutter war Bäckerin, sein Vater, ein Liverpooler Everton-Fan, arbeitete in einer Chemie-Fabrik. Der markante Akzent ihres Sohnes sollte dafür sorgen, dass in früheren Tagen einige seiner Auftritte in TV-Werbungen synchronisiert werden musste, um sie für alle Engländer verständlich zu machen.
  • Während seiner Zeit als semiprofessioneller Kicker unterrichtete der zweifache Vater zwei Jahre lang an der Londoner Alleyn’s School Sport, den Lehrer-Job übte er kurzfristig auch im südafrikanischen Pretoria an der Hillview High School aus, als er dort für Berea Park seine Fußballschuhe schnürte.
  • Im April 1999 traf sich ÖFB-Boss Beppo Mauhart in Prag mit Roy Hodgson, um sich über dessen Vorstellungen zu unterhalten. Österreich suchte nach Herbert Prohaskas Aus einen neuen Teamchef. Der Brite wurde Interimstrainer bei Inter Mailand, Otto Baric neuer ÖFB-Coach. Als sich der ÖFB um den Jahreswechsel 2001/02 auf der Suche nach einem Nachfolger für Baric befand, war Roy Hodgson, immer wieder beliebter Vortragsgast bei Trainerseminaren des ÖFB, abermals ein heißes Thema. Anfang Jänner 2002 weilte der Engländer in Wien, um mit ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig und Bundesliga-Vorstand Reinhard Nachbagauer zu sprechen. „Ich bin sehr interessiert“, ließ der Kandidat ausrichten. Doch Verband und Liga sprachen sich letztlich für eine österreichische Lösung aus. Hans Krankl machte das Rennen.
  • In nicht weniger als acht verschiedenen Ländern verdiente der Neo-Teamchef bereits seine Brötchen als Trainer. Er arbeitete in Schweden, England, der Schweiz, Italien, Dänemark, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Norwegen und Finnland (die detaillierte Liste untenstehend als Tabelle). „Wenn man eine Grafik meiner Karriere machen würde, sähe sie aus wie ein Kandinsky-Gemälde“, verglich er sich einst mit den Werken des russischen Expressionisten.

  • Dank seiner zahlreichen Trainerstationen beherrscht der 64-Jährige einige Sprachen. Neben Muttersprache Englisch spricht Hodgson fließend Norwegisch, Schwedisch, Japanisch, Deutsch und Italienisch. Außerdem kann er sich auch auf Koreanisch, Dänisch, Französisch und Finnisch verständigen.
  • Als Trainer von Malmö FF beendete der Trainer-Vagabund die Meisterschaft zwischen 1985 und 1989 fünf Mal an erster Stelle. Dumm nur, dass danach Playoffs stattfanden, in denen der Meistertitel ausgespielt wurde – lediglich zwei Mal holten die Südschweden den Titel. Dennoch wurde dem Coach ein Vertrag auf Lebenszeit angeboten. Hodgson lehnte ab. „Auch aus finanziellen Gründen. Die schwedischen Steuern sind so hoch, dass, selbst wenn man gutes Geld verdient, nach dem Abzug von 65 Prozent nicht mehr viel übrig bleibt“, verriet er später.
  • In seiner Jugend spielte der Londoner oft Tennis. Doch als er für eine Exhibition an der Seite von Stefan Edberg gegen Mats Wilander und einen anderen Promi antreten sollte, fehlte ihm der Mut, er lehnte ab. Seine Lieblingstennisspieler sind übrigens Björn Borg und Roger Federer.
  • Als Coach von Udinese Calcio, das er nach seiner Zeit beim FC Kopenhagen übernahm, saß der Engländer lediglich von Anfang Juli bis Mitte Dezember 2001 auf der Bank. In den italienischen Zeitungen erschien folgendes: „Freilich bin ich sehr glücklich, zurück auf diesem Level zu sein, aber ich hätte mir für meine Rückkehr einen besseren Klub aussuchen können. Das ist ein extrem seltsamer Verein.“ Seltsam, dass die Klub-Führung der Nord-Italiener nicht sonderlich amüsiert war und ihm die Chance gab, sich einen neuen Arbeitgeber auszusuchen – Entlassung.
  • 2010 wurde Hodgson von den englischen Trainern und Spielern zum Coach des Jahres gewählt. Er erreichte mit Fulham das Finale der Europa League, wo letztlich Atletico Madrid im Finale mit 2:1 die Oberhand behielt, und wurde in der Premier League Zwölfter. Die Kollegen fanden das derart beeindruckend, dass er die Wahl mit Rekordvorsprung für sich entscheiden konnte.
  • Roy Hodgson steht auf Rock-Musik. Dem neuen Teamchef der „Three Lions“ wird nachgesagt, ein großer Fan der „Rolling Stones“ zu sein. Seine liebste TV-Serie ist „B.J. and the Bear“, in der es um den Trucker B.J. und den Schimpansen Bear geht. Er hat alle 48 Episoden auf Video daheim. Außerdem ist er ein fleißiger Leser. Zu seinen Lieblings-Autoren zählt Nobelpreis-Gewinner Philip Roth, doch auch der Tscheche Milan Kundera, der Deutsche Herman Hesse und der Österreicher Stefan Zweig haben es ihm angetan. „Meine Lieblingsbücher erscheinen eher selten in den Bestseller-Listen“, meinte er einmal.


Harald Prantl

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