Acht Teams kämpfen um vier EM-Tickets

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Mit Polen und der Ukraine als Veranstalter, Spanien (Titelverteidiger), Deutschland, Russland, Italien, Frankreich, Niederlande, Griechenland, England, Dänemark und Schweden (bester Gruppenzweiter) stehen zwölf der 16 Teilnehmer der EM-Endrunde vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 fest.

Wer am 2. Dezember (18.00 Uhr MEZ) in Kiew noch in den Töpfen für die Auslosung der EM-Gruppen liegen wird, entscheidet sich am Freitag und Dienstag im Play-off.

Hier ein Überblick der vier Paarungen:

BOSNIEN-HERZEGOWINA - PORTUGAL

Die Gastgeber vermitteln vor dem ersten Duell Zuversicht. "Ich bin optimistisch. Wir haben seit sechs Spielen nicht mehr verloren, nur ein Tor kassiert und hervorragend gespielt", sagte Teamchef Safet Susic, der am Freitag auf den gesperrten Ex-Austrainer Sasa Papac verzichten muss. Susic attestierte dem Gegner tolle Spieler, doch verteidige er nicht gut.

Edin Dzeko, der in dieser Saison in 14 Spielen für Manchester City schon 13-mal traf, meinte: "Die Revanche-Chance ist da. Wir haben gezeigt, dass wir den besten Teams Probleme bereiten können."

An Motivation mangelt es dem Außenseiter auch allein schon wegen des Ausscheidens im Play-off der WM-Qualifikation für Südafrika nicht. Damals setzten sich die Portugiesen in den zwei Spielen jeweils 1:0 durch.

"Der Zeitpunkt ist so ungünstig"

Die Iberer kennen die Gegebenheit in Zencia von 2009, haben daher diesmal eigene Sicherheitsleute mit und eine weiträumige Absperrung um ihr Hotel gefordert. Diesmal ist auch Star Cristiano Ronaldo dabei, der vor zwei Jahren wegen einer Knöchelverletzung pausieren musste.

"Es wird eine Schlacht", glaubt Saragossa-Stürmer Helder Postiga, und Portugal-Legende Luis Figo warnte: "Bosnien ist viel stärker als vor zwei Jahren!" Die "Seleccao" beschäftigt auch ein Streit zwischen Jose Bosingwa und Teamchef Paulo Bento.

Letzterer warf dem wie Ricardo Carvalho (Real Madrid) suspendierten Chelsea-Legionär "fehlende mentale Reife" vor. "Der Zeitpunkt ist so ungünstig, das ist schlecht, ich bin tief enttäuscht", erklärte Verbandsvizepräsident Armandio de Carvalho vor der Abreise.

Bosingwa nicht mehr für Portugal

Bosingwa hatte Bento angegriffen und gesagt, der Coach habe ihn beleidigt. Der Teamchef hatte erklärt, der Verteidiger sei auch aus "emotionalen und mentalen Gründen" nicht dabei. Der Spieler schlug verbal zurück und sagte: "Er ist bekanntlich ein Trainer, der mit seinen Spielern viele Konflikte hat und weder mental noch emotional in der Lage ist, eine Gruppe von Männern anzuführen."

Bosingwa will deshalb nun "nie mehr unter diesem Trainer spielen". Ex-Teamchef Antonio Oliveira meinte zu dem Zwist: "Schade, er ist einer der besten Verteidiger Europas".

TÜRKEI - KROATIEN

Wenn er den WM-Dritten von 2002, der in der Österreich-Gruppe hinter Deutschland Zweiter war, zum EM-Ticket 2012 verhilft, dann wird Teamchef wird Guus Hiddink auch am Bosporus als Held gefeiert.

2002 hat der am Dienstag 65 Jahre gewordene Niederländer Co-Gastgeber Südkorea bis ins WM-Halbfinale geführt und ist mit Russland 2008 in Österreich und der Schweiz auch erst im EM-Semifinale gescheitert.

Misslingt die Mission EM 2012, dürfte Hiddink das aber den Job kosten. Schon nach dem 1:3 gegen Deutschland in der Gruppenphase hat die Zeitung "Takvim" geschrieben: "Go home, Hiddink!"

Kroaten sinnen nach Revanche

Während die Türken ihrem Trainer ein verspätetes Geburtstagpräsent bereiten wollen, sehnen die Kroaten auf Rache für den am 20. Juni 2008 im Wiener EM-Viertelfinale mit 1:3 im Elferschießen (1:1 n.V.) erlittenen K.o.-Schlag.

"Wir haben auf unsere Revanche gewartet und von ihr geträumt. Damals waren wir die bessere Mannschaft, und das macht uns optimistisch", sagte Teamchef Slaven Bilic, und Josip Simunic meinte: "Vor drei Jahren haben wir geweint, diesmal soll unser Gegner das erleben".

Mladen Petric, der in Wien den entscheidenden Elfer verschossen hat, fehlt wegen Verletzung ebenso wie Regisseur Niko Kranjcar.

TSCHECHIEN - MONTENEGRO

Österreichs Nachbar gilt als klarer Favorit. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn Standard-Goalie und Chelsea-Legionär Petr Cech nach seinem in Blackburn erlittenen Nasenbeinbruch passen müsste.

Der 29-Jährige, der seit seinem Schädelbruch im Oktober 2006 stets mit Kopfschutz spielt, hofft aber auf seinen Einsatz: "Wenn ich spielen sollte, dann sehe ich mit meinem Helm und der Gesichtsmaske wie Batman aus."

Teamchef Michal Bilek ist die Favoritenrolle gar nicht recht, er warnte seine Truppe. Tomas Rosicky versprach vollen Einsatz: "Die Gäste-Fans können schreien, wie sie wollen, wir geben alles, um zur EM zu fahren."

"Jetzt oder nie!"

Die Montenegriner, die von einigen tausend Anhängern begleitet werden, haben ihre erste Endrunden-Teilnahme im Visier. "Wir gehen in die zwei Spiele so, als wären sie die letzten unserer Karriere", kündigte Kapitän Mirko Vucinic an. Er, seine Mitstreiter und Trainer Branko Brnovic wissen, dass sie bisher etwas Großes erreicht haben und noch Größeres schaffen können.

"Ich weiß nicht, ob wir jemals so nah kommen werden, das ist eine Chance - jetzt oder nie", sagte Vucinic, der als gutes Resultat in Prag ein 1:1 bezeichnet. "Am wichtigsten ist es zu treffen. Wir haben in der Offensive die Fähigkeit, der tschechischen Abwehr Probleme zu bereiten."

Der Außenseiter hatte sich Tschechien als Gegner gewünscht.

ESTLAND - IRLAND

Wie Montenegro wittert auch Estland eine Fußball-Sensation. "So eine Chance werden wir vielleicht nie mehr bekommen", sagte Mittelfeldspieler Konstantin Vassiljev, der mit seinen Kameraden den Balten zum ersten EM-Start verhelfen möchte. Es wäre der größte Erfolg des nördlichsten Landes des Baltikums.

"Wir benötigen ein Ergebnis, das uns alle Chancen fürs Rückspiel offen hält", meinte Teamchef Tarmo Rüütli, der am liebsten zu null spielen möchte.

Das Nationalteam kann sich laut estnischen Medien in den bisher "wichtigsten Spielen der Fußball-Geschichte Estlands" der Unterstützung der gesamten Nation sicher sein.

Ganz Estland drückt die Daumen

Die knapp 10.000 Eintrittskarten für das Hinspiel waren innerhalb weniger als einer halben Stunden vergriffen. Diejenigen, die kein Ticket mehr ergattert haben, werden vor TV-Geräten zu Hause, in Lokalen oder beim Public Viewing auf dem Freiheitsplatz in der Innenstadt Tallinns die Daumen drücken.

Die Iren, in der kommenden WM-Qualifikation einer der Gegner Österreichs in Gruppe C, wollen natürlich dem estnischen Mädchen ein Ende ohne "happy" bereiten.

Dafür wird ihr Trainer Giovanni Trapattoni, der auf den gesperrten Kevin Dolye und einige Verletzte verzichten muss, schon sorgen.

Nach Henry-Skandal erstmals der Playoff-Erfolg?

In Tallinn werden die Schützlinge des Italieners ihr Heil wohl nicht ausschließlich in der Offensive suchen. Co-Trainer Marco Tardelli sagte über den Favoriten: "Für viele unserer Spieler sind die zwei Partien die Chance ihres fußballerischen Lebens."

Die Iren hoffen auf ihre zweite EM-Teilnahme. Vor 24 Jahren, am 11. November 1988, bescherte ihnen ein 1:0 der Schotten gegen Bulgarien die Fahrkarte nach Deutschland. Gegen den Favoriten spricht, dass er bisher in sechs Play-off-Matches erst einmal (WM 2002 gegen Iran) die Barrage überstand.

Zuletzt versperrte der Franzose Thierry Henry den Iren in Paris St. Denis den Weg zur WM 2010 in Südafrika. Der Star hatte das entscheidende, aber irreguläre Tor mit seiner Hand vorbereitet.

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