"Schwierige Abwicklung" der EURO 2012

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Rund eineinhalb Monate vor dem Beginn der Fußball-EM in Polen und der Ukraine hat der Turnierdirektor Martin Kallen in Wien aus dem Nähkästchen geplaudert.

Der Schweizer, der am Montag auf Einladung der Bundesliga in Österreich weilte, erzählte über die Vorbereitungen auf die EURO 2012 und zog Vergleiche zu den EMs in Österreich und der Schweiz sowie in Portugal. Bei diesen Events fungierte Kallen ebenfalls als Cheforganisator.

Deutlich schwierigere Abwicklung

Im Vergleich zu den Veranstaltungen 2004 und 2008 sei die Endrunde in Polen und der Ukraine die "größte Herausforderung", erklärte Kallen. Die anstehende Europameisterschaft sei deutlich schwieriger abzuwickeln als etwa die EURO 2008.

"Das liegt vor allem an jenen Bereichen, für die wir nicht zuständig sind, zum Beispiel Transport oder Grenzübergänge", sagte der von der UEFA eingesetzte Turnierchef. Weitere Probleme seien etwa die unterschiedliche Währung und Sprache.

Noch vor einiger Zeit hatte es aufgrund schleppender Vorbereitungen Gerüchte gegeben, dass Polen und der Ukraine die Ausrichtung des Turniers entzogen werden könnte. Dies sei jedoch nie zur Debatte gestanden, betonte Kallen.

Große Chance für Gastgeberländer

"Es hat aber schon immer wieder Bedenken gegeben, weil es in einigen Bereichen Verzögerungen gegeben hat und die Finanzierung nicht gesichert war."

Mittlerweile steht einem rauschenden Fußballfest laut Kallen praktisch nichts mehr im Weg. Der 48-Jährige lobte die Begeisterung in beiden Ländern, die er als "sehr sicher" erklärte, und sieht in der EURO 2012 eine große Chance für Polen und die Ukraine.

"Es sind sehr dynamische Staaten, die Leute wollen etwas bewegen. Für beide Länder ist es wichtig, durch die EM ein positives Image zu bekommen."

Noch nicht ausverkauft

Diesbezüglich lege sich vor allem die Ukraine ins Zeug. "Sie hat mit einem Negativ-Image zu kämpfen, das sie unbedingt korrigieren will."

Gelingen könnte dies durch die massive mediale Präsenz. Die UEFA kalkuliert mit 150 Millionen TV-Zuschauern pro EM-Match (Kallen: "das zweitgrößte Fernseh-Event der Welt nach der Fußball-WM") und verzeichnete bisher 12,2 Millionen Anfragen für die 1,4 Mio. Tickets.

Allerdings ist noch nicht jedes Spiel völlig ausverkauft - unter anderem deshalb, weil Nationen mit traditionell großem Fan-Anhang wie England ihr Kontingent nicht zur Gänze ausschöpften und Tickets an die UEFA retournierten.

Auch VIP-Packages für die erste EM im ehemaligen Ostblock sind nach wie vor in ausreichender Zahl erhältlich.

Letztes Mal mit 16 Mannschaften

Die bevorstehende Kontinental-Endrunde ist nicht nur die erste in Osteuropa, sondern auch die letzte mit 16 Teilnehmern. Ab der EM 2016 in Frankreich gehen 24 Teams an den Start.

"Die Qualität ist mit 16 Mannschaften sicher höher als mit 24. Andererseits ist dadurch die Vielfalt höher, und Länder wie die Schweiz oder Österreich werden da sicher nicht daheimbleiben", vermutete Kallen.

Ob der Schweizer auch 2016 die Rolle des Turnierchefs übernehmen wird, ist noch offen. "Derzeit mache ich mir darüber keine Gedanken, auch wenn ich seit eineinhalb Jahren in die Planungen involviert bin."

Weniger Hürden bei EURO 2016

Allein schon aufgrund der bestehenden Infrastruktur würde Kallen in Frankreich eine weit stressfreiere Veranstaltung als in Polen und der Ukraine erwarten, schließlich fallen bei einer Europameisterschaft in einem einzigen Land viele organisatorische Hürden weg.

"Wenn man eine EM möglichst einfach und effizient organisieren möchte, vergibt man sie nicht an zwei Länder. Die UEFA will aber den meisten Mitgliedern die Chance geben, eine EURO auszurichten, daher braucht es Doppelbewerbungen, auch wenn sie einen klaren Mehraufwand darstellen."

Österreichisches Catering

Mit dem Mehraufwand bei der EURO 2012 muss auch das österreichische Unternehmen "Do & Co" zurechtkommen, das für das Catering der VIP-Gäste in allen acht Stadien zuständig ist.

Um die logistische Herausforderung zu bewältigen, werden sich rund 300 "Do & Co"-Sattelschlepper auf den Weg in die EM-Länder machen. "Eine Europameisterschaft bedeutet ein paar Saisonen Formel 1 innerhalb von drei Wochen", sagte Firmenchef Attila Dogudan.

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