Pirlo - der coolste Typ vom Stiefel

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Wir schreiben den 20. Juni 1976.

Antonin Panenka tritt zum entscheidenden Elfmeter im Finale der Europameisterschaft gegen Deutschland an.

Sepp Maier fliegt in die linke Ecke, während der tschechische Mittelfeldspieler den Ball lässig in die Mitte lupft und seinem Land den ersten großen Titel sichert.

Der spätere Österreich-Legionär Panenka wird zum Nationalhelden, sein Elfmeter zur Legende.

Der „coolste Typ“

Nun schreiben wir den 24. Juni 2012.

Nach 120 intensiven, aber torlosen Minuten steht Italien im Penaltyschießen gegen England – und mit dem Rücken zur Wand.

Ricardo Montolivo versagen bei seinem Versuch die Nerven, England geht in Führung und sieht sich schon mit einem Bein im Halbfinale.

Andrea Pirlo tritt an – das Ausscheiden vor Augen – und lupft den Ball zentral ins Netz. Der Routinier hält seine Mannschaft im Rennen und strahlt dabei offenbar so viel Coolness aus, dass seine Teamkollegen gestärkt und die Gegner eingeschüchtert sind.

Englands Ashley Young und Namensvetter Cole verschießen, die Engländer sind draußen.

„Die einfachste Art“

„Ich habe gesehen, dass der Torhüter voll geladen war und mir gedacht, es so zu machen. Es war einfacher, so zu schießen“, beschreibt der 33-Jährige im italienischen Staatsfernsehen seinen besonderen Strafstoß.

Dass auf den Juventus-Akteur in brenzligen Situationen Verlass ist, konnten die Tifosi allerdings vorab erahnen. Schon 2006 im WM-Finale übernahm Pirlo Verantwortung und traf als erster Schütze vom Elfmeterpunkt.

In kollektiver Erinnerung blieb aber sein damaliger Teamkollege Fabio Grosso, der die „Ehre“ hatte, den letzten Strafstoß zu verwandeln.

Mit dem „Löffel“ zum Respekt

Im Viertelfinale gegen England trifft Pirlo erneut nicht den entscheidenden Elfmeter, diesmal spricht die Welt aber über ihn.

Sein Lupfer, in Italien liebevoll „cucchiaio“ (Deutsch: Löffel) genannt, verschafft ihm die Aufmerksamkeit, die einem Strippenzieher im Hintergrund nicht immer gegeben ist.

„Andrea Pirlo – Respekt“, so lautet etwa das kurze Statement von ManCity-Stürmer Edin Dzeko via Twitter.

Spaniens Xavi, spielerisch von der gleichen Gattung wie der Mann der Stunde, reiht sich in die Gratulanten ein: „Was für ein großartiger Elfmeter von Pirlo – ein Phänomen!“

Auf dem Weg zum „MVP“

Italiens Fußball liegt in den Händen des gebürtigen Lombarden. Seit Jahren dirigiert er das Spiel der „Squadra Azzurra“.

Nach einem bestechend starken Jahr im Dress von Juventus hat der Mittelfeld-Regisseur diese Form auch in die Europameisterschaft getragen.

Der Routinier ist einer der Hauptverantwortlichen für den Erfolg der Prandelli-Elf. Seine Leistungen bei der Endrunde in Polen und der Ukraine sind bislang überragend.

Nicht wenige plädieren deshalb bereits jetzt für die Ernennung Pirlos zum Spieler des Turniers.

Mit seinem „Löffel“ hat er den Entscheidungsträgern nur ein weiteres Argument geliefert.


Christian Eberle

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