Gebeutelte Engländer fordern Mit-Favorit Frankreich

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Im Duell zweier alter Rivalen geht Frankreich als ungewohnt klarer Favorit ins Aufeinandertreffen mit England.

Vor dem Auftaktspiel der Gruppe D am Montagabend in der Donbass Arena von Donezk (18.00 Uhr) spricht vieles für einen Erfolg der unter Laurent Blanc aufgeblühten "Bleus". England geht im Unterschied zum Gegner nämlich keineswegs gestärkt ins Rennen um den Viertelfinal-Einzug.

Für viele Experten gilt Englands aktuelle Auswahl als schwächste Nationalelf seit langem. Schon das Überstehen der Gruppenphase sei als Erfolg zu werten, vom EM-Titelgewinn wagt auf der Insel niemand zu träumen.

Verletzungssorgen und Diskussionen bei England

Die Vorbereitung der Briten tat ihr übriges dazu, dass Englands Kickern wenig zugetraut wird. "Das könnten die tollsten oder die härtesten drei Wochen meiner Karriere werden", sagte Roy Hodgson vor dem Start ins Turnier.

Der erst seit 1. Mai amtierende Teamchef musste sich mit einigen Problemen herumschlagen. Verletzungssorgen in der Abwehr, dazu Diskussionen um John Terry sowie den daheimgelassenen Rio Ferdinand beschäftigten den 64-jährigen Hodgson in den vergangenen Wochen über Gebühr.

Die noch zwei Spiele andauernde Sperre von Starstürmer Wayne Rooney rückt da schon in den Hintergrund.

Top-Niveaue fehlt

Dabei ist vor allem die Offensive eine Baustelle der "Three Lions". Den Ausfall von Rooney sollen dessen Klubkollegen bei Manchester United, Danny Welbeck und Ashley Young, kompensieren. Noch dazu steht Andy Carroll von Liverpool bereit.

Dem Trio fehlt es aber an Erfahrung auf internationalem Top-Niveau. Zumindest am anderen Ende des Spielfelds sollte mit Joe Hart von Englands Meister Manchester City das englische Torhüterproblem vergangener Turniere gelöst sein.

Defensive als Mittel zum Erfolg?

Gut möglich, dass sich England gegen Frankreich deshalb mit einem Defensivkonzept Marke Chelsea versucht. Dies deutete zumindest Young an.

"Er legt großen Wert auf die Defensive. Wir werden auch Montag so weitermachen", sagte der Angreifer. Unter Hodgson spielte England erst zweimal. Gegen Norwegen und Belgien gab es jeweils 1:0-Erfolge.

"Les Bleus" im Aufwind

Frankreich dürfte sich davon unbeeindruckt zeigen. Die auf etliche Akteure aus der englischen Premier League setzende Equipe tricolore gilt nicht umsonst als heißer Kandidat auf den EM-Titel.

Nach dem von skandalösen Umständen begleiteten WM-Aus in Südafrika 2010 hat Laurent Blanc eine erfolgreiche Renaissance eingeleitet.

Der 46-Jährige führte die junge Mannschaft zu 21 Spielen (15 Siege) ohne Niederlage in Serie und schaffte dank seiner Autorität den nötigten Stimmungsumschwung.

"England gegen Frankreich niemals ein normales Spiel"

"Wir sind bereit, wieder zu gewinnen, das Verlangen ist zurück", charakterisierte Franck Ribery die Veränderung. Der Flügelstürmer vom FC Bayern bildet gemeinsam mit Samir Nasri (ManCity) und Karim Benzema (Real Madrid) das durchschlagskräftige Offensivtrio.

Auch Frankreichs Idol Zinedine Zidane glaubt deshalb an eine Rückkehr an die europäische Spitze. "Das Duo Ribery und Benzema kann die Funken fliegen lassen", meinte der Europameister von 2000.

Blanc selbst erwartet gegen die Briten vor allem eine physisch fordernde Partie. "England wird alles geben, weil England gegen Frankreich niemals ein normales Spiel ist. Aber wir fürchten sie nicht mehr als jedes andere Team", sagte der ehemalige Mitspieler von Zidane.

England mit langer Durststrecke

Wie am Montag in Donezk bestritten Frankreich und England auch bei der EURO 2004 in Portugal ihr erstes Spiel gegeneinander. Damals siegten die seit 1997 in fünf Vergleichen mit England ungeschlagenen Franzosen 2:1.

Beim Turnier 2008 in Österreich und der Schweiz war England nicht dabei, Frankreich schied bereits nach der Gruppenphase aus.


Mögliche Aufstellungen:

Frankreich - England

18.00 Uhr, Donezk, Donbass Arena, SR Nicola Rizzoli/ITA

Frankreich: 1 Lloris - 2 Debuchy, 4 Rami, 5 Mexes, 3 Evra - 6
Cabaye, 18 Diarra, 15 Malouda - 11 Nasri, 10 Benzema, 7 Ribery

Ersatz: 16 Mandanda, 23 Carrasso - 22 Clichy, 21 Koscielny, 13
Reveillere, 17 M'Vila, 19 Martin, 12 Matuidi, 20 Ben Arfa, 9 Giroud,
14 Menez, 8 Valbuena

England: 1 Hart - 2 Johnson, 6 Terry, 15 Lescott, 3 Cole - 16
Milner, 4 Gerrard, 17 Parker, 19 Downing - 22 Welbeck, 11 Young

Ersatz: 13 Green, 23 Butland - 14 Jones, 12 Baines, 18 Jagielka, 5
Kelly, 20 Oxlade-Chamberlain, 8 Henderson, 7 Walcott, 9 Carroll, 21
Defoe

Es fehlt: 10 Rooney (gesperrt)

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