Shevas "wunderbarer Traum"

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Diese Drehbuch könnte kitschiger nicht sein.

Andriy Shevchenko lässt die Ukraine bei der Heim-EM von der großen Überraschung träumen.

Der alternde Stürmerstar der Osteuropäer sorgte am Montagabend im Alleingang für den 2:1-Auftakterfolg gegen Schweden und avancierte damit endgültig zum ukrainischen Fußball-Helden.

Freuen durfte sich mit dem 35-Jährigen auch Teamchef Oleg Blochin, der seinen Kritikern vorerst den Wind aus den Segeln nahm.

Blochins Überraschung

Das imposante Olympiastadion von Kiew war Bühne für ein nicht möglich geglaubtes "Comeback". Zwar ist Shevchenko nach wie vor unumstrittener Star der Ukrainer, in der Start-Elf gesetzt war er zuletzt jedoch nicht mehr.

Überraschend war deshalb auch, dass Blochin zum Auftakt auf seinen in den vergangenen Monaten von Knie-und Rückenproblemen geplagten Star vertraute.

Und ausgerechnet Shevchenko machte vor 65.000 Zuschauern die schlechten Vorstellungen des EM-Co-Gastgebers vor dem Startschuss des Turniers, gegen Österreich gab es ein 2:3, vergessen.

"Dieser Sieg sollte uns nicht den Kopf verdrehen"

Mit seinen Teamtoren 47 und 48 innerhalb von sechs Minuten sorgte der 109-fache Internationale für die Wende und stellte Schwedens fünf Jahre jüngeren Star Zlatan Ibrahimovic nicht nur beim Treffer zum 2:1 in den Schatten.

"Das ist wie ein wunderbarer Traum. Heute fühle ich mich fantastisch, wie zehn Jahre jünger. Ich danke allen, die an mich geglaubt haben", meinte der bei der offiziellen Pressekonferenz mit Applaus empfangene Shevchenko.

Gleichzeitig richtete der Kapitän den Blick auf die kommenden Aufgaben. "Dieser Sieg sollte uns nicht den Kopf verdrehen. Wir müssen das vergessen und uns auf die nächsten Spiele konzentrieren", meinte "Scheva".

In diesen trifft die Ukraine auf die beiden Aufstiegsfavoriten aus Gruppe D: Am Freitag geht es gegen Frankreich, Dienstag wartet England. Shevchenko ("Wenn wir so weitermachen, können wir es ins Viertelfinale schaffen") wird nach der jüngsten Vorstellung gesetzt sein.

Viel mehr als ein Maskottchen

Dass Shevchenko noch einmal zum Matchwinner wird, hätten nur wenige gedacht. Europas Fußballer des Jahres 2004 hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich gelassen. Nach 175 Toren für den AC Milan wechselte die damalige Torgarantie vor sechs Jahren zu Chelsea, wo sein sportlicher Abstieg begann.

In England schoss er in zwei Jahren ganze zwei Tore, eine missratene einjährige Rückkehr zu Milan endete mit wenig Einsätzen und null Toren. Zurückgekehrt zu seinem Stammclub Dynamo Kiew ist er auch dort nicht mehr die erste Wahl.

Dass Shevchenko an der EM trotzdem dabei sein würde, bezweifelte niemand. "Wenn er nicht mehr als Spieler mitkommt, nehme ich ihn als Maskottchen, Teambotschafter und Idol für die anderen Spieler ins Aufgebot", sagte Blochin vor ein paar Monaten.

So weit kam es natürlich nicht. Denn Shevchenko hat sich seinen Status nicht nur aus sportlicher Sicht verdient.

Viele Freiheiten

Auch als Repräsentant gibt er eine gute Figur ab. Er ist scheu, aber nicht unnahbar - und sprachgewandt. Der seit seiner Zeit in Italien mit dem amerikanische Model Kristen Pazik verheiratete Shevchenko parliert problemlos auf Italienisch und Englisch. Auch deshalb wurde er als Aktiver zum ukrainischen EM-Botschafter ernannt.

Trotz dieses repräsentativen Amtes musste er - anders als der Verbandspräsident und der OK-Chef - aber nicht bei jeder sportpolitischen Reise dabei sein. Denn in der Ukraine hat Shevchenko einen Status, der ihm die eine oder andere Freiheit erlaubt.

So fehlte er im Oktober 2011 bei einem Meisterschaftsspiel von Dynamo Kiew nicht wegen einer Sperre oder Verletzung. In der Ukraine fanden die Golf-Meisterschaften statt, die Shevchenko nicht versäumen wollte. Am ruhenden Ball wurde er Vizemeister.

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