Das Derby der letzten Chance

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LASK vs. BW Linz: Derby der letzten Chance

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Eines ist sicher: Das Linzer Derby kann nur besser werden als jenes in Wien.

Das 0:0 zwischen Austria und Rapid am Sonntag war an Trostlosigkeit nicht zu überbieten, da kann die oberösterreichische Version gar nicht schlechter abschneiden.

Der Vorteil  für den LASK und für Blau-Weiß Linz liegt aber auf der Hand. Beide Teams haben im Gegensatz zu den Wiener Pendants kaum mehr etwas zu verlieren.

Beide brauchen den Sieg

Die Schwarz-Weißen müssen mit sieben Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze ohnehin alles auf eine Karte setzen, wollen sie noch die immer kleiner gewordene Chance auf den Titel wahren.

Die Blau-Weißen sind nach hinten abgesichert und wollen noch das einzig verbliebene Ziel dieser erfolgreichen Aufstiegssaison erreichen: Einen Sieg gegen den großen Erzrivalen.

Apropos Sieg: Den gab es in den drei Duellen in dieser Saison noch für keine Mannschaft. 1:1, 1:1 und 2:2 lauteten die bisherigen Ergebnisse. Heißt es nun „Vier gewinnt“?

LAOLA1 sprach vorab mit den beiden Kapitänen, Rene Aufhauser und Tino Wawra, über den jeweiligen Status Quo der Linzer Klubs:

LASK

„Wir sind zum Siegen verdammt. Wir haben sieben Punkte Rückstand, das ist eine Menge Holz, es helfen nur noch Dreier.“ Rene Aufhauser weiß, was die Stunde geschlagen hat.

Der LASK ist nur noch Vierter in der Tabelle und sieben Runden vor Schluss scheint das Überholen von drei Teams sehr unrealistisch. Zumal das Schachner-Team zu viele Punkte liegen gelassen hat.

Zwar wurde im Frühjahr nur ein Spiel verloren, aber auch von acht nur drei gewonnen.

„Wir tümpeln mit Unentschieden herum“, weiß auch Aufhauser. „Das resultiert teils aus Pech, teils aus Unvermögen.“

In den Heimspielen gegen Hartberg, FC Lustenau und beim Gastspiel in Grödig (jeweils 1:1) kassierte der Absteiger jeweils ein spätes Gegentor nach einer Führung – trotz einer Vielzahl an Chancen.

„Primär sind wir schuld“

„Vielleicht fehlt uns die letzte Konsequenz. Aber ich habe schon so viel erlebt, es braucht da auch das Quäntchen Glück. Vor allem in diesen Spielen, in denen man führt und drückend überlegen ist, aber trotz Chancen für zwei Spiele nicht das zweite Tor macht. Dann bekommst du blöde Gegentore und verlierst Punkte“, schildert Aufhauser, der aber festhält: „Sicherlich sind wir primär selber schuld.“

Nach dem 1:1 in St. Pölten ärgerte die Linzer auch wieder ein anderer Faktor: Schiedsrichter. Andreas Kolleger stellte in Niederösterreich den Linzer Top-Torjäger Hannes Aigner nach nur 21 Minuten mit glatt Rot vom Platz. „Selbst die St. Pöltener haben gemeint, das ist Wahnsinn“, meinte der 13-fache Torschütze, der im vierten Derby selbstredend fehlt.

„Ich glaube, sie haben alle selbst nie aktiv Fußball gespielt und können das nicht richtig einschätzen“, sagt der 35-jährige Aufhauser, den vor allem die Einstellung bei den Referees in Liga zwei stört, zum „Gelb-Foul“.

Aufhauser will noch ein, zwei Jahre spielen

„Ich will sie nicht abqualifizieren. Wir können auch Fehler verzeihen, wenn die Schiedsrichter normal mit uns umgehen würden. Sie kommen oftmals sehr verunsichert und arrogant rüber. Dann wird es hektisch.“

Viele Ausfälle

Apropos Schiris und Sperren: Der LASK muss am Montag nicht nur auf Aigner verzichten, auch Kevin Wimmer und Ulrich Winkler fehlen gelbgesperrt. Wer neben Aufhauser Innenverteidiger spielen wird, wusste der Kapitän am Freitag noch nicht. Mutmaßlich wird es Sebastian Wimmer sein.

Nichtsdestoweniger brennt der LASK: „Uns kann keiner unseren Willen absprechen.  Jeder will in dieser Saison noch ein Derby gewinnen. Wir, die Blauen, die Fans – es wird sicher eine heiße Partie. Ich hoffe auf 8.000 bis 10.000 Leute, dann haben wir ein geiles Fußball-Spiel.“

Es muss nicht Aufhausers letztes Linzer Derby sein, sollte der LASK nicht aufsteigen. „Ich will noch ein oder zwei Jahre spielen“, verkündet der Abwehrchef, dessen Vertrag im Sommer ausläuft.

„Ich kann mir durchaus vorstellen, hier zu bleiben. Ich würde es mir wünschen, wenn der Trainer und die Mannschaft zusammenbleiben könnten, eine Kontinuität herrscht. Dann können wir in der Ersten Liga nächste Saison voll angreifen – oder wir steigen doch noch auf.“

FC Blau-Weiß Linz

Tino Wawra wird kommende Saison definitiv in Linz spielen, sein Vertrag läuft bis 2013. Ob der 32-Jährige im Derby auflaufen wird, ist allerdings eine andere Frage.

Der Kapitän des Aufsteigers hat schon länger mit Knöchelproblemen zu kämpfen, nun könnte ausgerechnet im Derby die Zwangspause drohen. Am Nachmittag erfolgt noch ein Fitness-Check.

Der Linksfuß will wie Goalie Wimleitner, der wegen eines eingeklemmten Nervs das 0:3 gegen Austria Lustenau verpasste (Wawra: „Der spielt zu 99 Prozent, er ist ein ‚Narrischer‘“), auflaufen.

Klar, geht es doch um die „Perfect Season“ aus Sicht des Nachfolge-Klubs des SK VÖEST. Der Klassenerhalt ist schon de facto eingefahren, nun geht es um das „eigentliche“ Saisonziel.

„Vor der Saison war für jeden die primäre Zielsetzung klar: Ein Derby-Sieg. Noch vor dem Klassenerhalt. Jetzt ist das unsere letzte Chance in dieser Saison“, weiß Wawra.

BW Linz will LASK in der Liga halten

Ein Derby-Sieg würde wohl auch die letzten Aufstiegs-Träume des Erzrivalen zerstören. Das wäre natürlich ganz im Sinne der Blau-Weißen.

„Wir wollen den LASK in der Liga halten, das ist klar. Es wäre für den Verein und auch für uns Spieler ein Rückschlag, ihn nicht mehr in der Liga zu haben.“

Derbys sind natürlich Kassenschlager und tun dem Budget des Liga-Neulings gut. Gegen die anderen Teams sind kaum über 2.000 Fans im Linzer Stadion. Das hat aber weniger mit der Mannschaft zu tun.

„Ich glaube, das Stadion ist nicht so die Sache unserer Fans“, erklärt Wawra und verweist auf die ehemalige Heimstätte „Donaupark“, wohin in der Regionalliga selten weniger Leute kamen.

Wawra muss noch einen Fitness-Check bestehen

Das Linzer Stadion hat für die „Voestler“ einen zu schwarz-weißen Touch.  Doch auch so manch Frühjahrsleistung würde erklären, warum die Zuschaueranzahl nicht immer zufriedenstellend war.

Probleme innerhalb der Mannschaft

Nach einem für den Aufsteiger überragenden Herbst verlor die Mannschaft von Trainer Thomas Weissenböck die ersten drei Frühjahrsspiele und gewann nur zwei der acht Partien.

„In der Vorbereitung ist nicht alles optimal gelaufen, es hat Probleme gegeben. Da darf sich keiner herausnehmen, weder die Spieler, auch nicht das Trainer-Team. Es haben alle Fehler gemacht“, gibt Wawra zu.

„Aber wir haben uns alle ausgesprochen, es ist wieder bergauf gegangen. Das 0:3 jetzt gegen Lustenau war einfach ein Total-Ausfall von uns“, hält der zweifache Torschütze fest.

Das soll sich Montagabend freilich nicht wiederholen, der LASK soll aus dem Titelrennen verabschiedet werden.

„Mich hat es sowieso überrascht, dass die anderen den LASK so lange noch vorne mitspielen haben lassen. WAC/St. Andrä und Altach hätten längst wegziehen können, haben es aber durch Selbstfaller nicht geschafft. Da dachte ich mir schon, der LASK würde deswegen am Ende ganz oben stehen. Jetzt glaube ich das nicht mehr“, meint Wawra nach den jüngsten Ergebnissen.

Zusatz: „Unser Ziel ist aber sowieso, ihm den Rest zu geben.“

Keiner hat etwas zu verlieren, aber wird es dieses Mal einen Sieger geben?

 

Bernhard Kastler

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