"Ein Stockfisch ist hin und wieder auch wichtig"

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Am 7. Juli bricht für den SKN St. Pölten endgültig eine neue Ära an.

Der Voith-Platz wird an diesem Tag als Spielstätte Geschichte sein, die neue, schmucke Niederösterreich-Arena Realität.

Das 8.000 Zuschauer fassende Stadion – inklusive flexibler Erweiterbarkeit auf 13.000 – befindet sich in der Fertigstellung. Mit internationalen und nationalen Top-Mannschaften wird aktuell verhandelt, um das Eröffnungsspiel zu bestreiten.

Ziel Bundesliga

Mittelfristig soll die NÖ-Arena Austragungsort für Bundesliga-Spiele werden. „Da braucht man aber mehr als den Willen und ein Stadion“, weiß SKN-Trainer Martin Scherb.

Nach einem enttäuschenden Herbst ist der Auftakt ins Erste-Liga-Frühjahr geglückt, der FC Lustenau wurde vor eigenem Publikum mit 3:2 besiegt.

Vor dem Gastspiel bei Blau-Weiß Linz sprach LAOLA1 mit Scherb über Änderungen innerhalb der Mannschaft, das neue Zuhause und Lukas Thürauer.

LAOLA1: Was wurde im Winter nach der nicht zufriedenstellenden Herbstmeisterschaft verändert?

Martin Scherb: Wir haben uns nicht personell verändert, sondern innerhalb der Mannschaft runderneuert, sozusagen eine neue Struktur geschaffen. Was etwa die Verbesserung der Kommunikation betrifft, nicht nur hinsichtlich der Spieler, sondern auch dem Betreuer-Team. Wir haben wieder Hierarchien aufgebaut, das ist uns ganz gut gelungen. Wir haben nur einen Neuzugang (den spanischen Mittelfeldspieler Jano, Anm.), aber dennoch eine neue, andere Mannschaft.

LAOLA1: Inwieweit war dieser Herbst ein Rückschlag hinsichtlich der Ambitionen in St. Pölten?

Scherb: In nackten Zahlen war es ein Rückschlag. Jetzt denke ich, dass es sich als wichtige Erfahrung herausgestellt hat. Wir haben eigentlich bislang immer über den Erwartungen gespielt, wurden Fünfter, Vierter, Fünfter, haben uns aber wirtschaftlich nicht so entwickeln können, wie wir uns das erhofft haben. Es hat sich eine gewisse Stagnation im Verein und in der Mannschaft breitgemacht. Dieses böse Gespenst haben wir nun vertrieben, einen neuen Zug reingebracht und das war auch die wichtige Erfahrung aus dem Herbst.

Am 7. Juli wird die Niederösterreich-Arena eröffnet

LAOLA1: Apropos richtige Richtung: Geht Ihnen das Herz auf, wenn Sie jeden Tag an der bald fertiggestellten Niederösterreich-Arena vorbeifahren?

Scherb: Auf jeden Fall. Es ist eine ganz tolle Geschichte, aber es sind noch drei, vier Monate Arbeit, bis wir wirklich dort sind. Und da wartet auf uns harte Arbeit. Wir wollen im Frühjahr schon einen Lauf entwickeln, damit sich jeder auf das Stadion freut und Leute sagen: „So, jetzt haben sie sich in die Top-5 gespielt, dann können sie nächste Saison um die Top-3 spielen. Und mit uns Fans vielleicht auch um die ganz vorderen Plätze.“ Das ist eine mittelfristige Vision, auch um die Leute in St. Pölten mitzunehmen.

LAOLA1: …und um schlussendlich bald den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen?

Scherb: Das Stadion wird sicher nicht für die Erste Liga, sondern für die Bundesliga gebaut. Aber da braucht man mehr als den Willen und das Stadion. Man hat es ja gesehen, in einem anderen Bundesland (Kärnten, Anm.) wurde alles auf eine Karte gesetzt und man hat sich überpowert – nun steht das schönste Stadion Österreichs leer. Das wird in Niederösterreich sicher nicht passieren, denn wir stehen hier für Beständigkeit und Nachhaltigkeit, so wie das Stadion auch gebaut wird. Und ob es jetzt ein Jahr länger braucht, oder nicht – es wird auch noch in zehn Jahren toll bespielbar sein. Aber wir werden in den nächsten drei, vier Jahren sicher in der Bundesliga sein.

LAOLA1: Lukas Thürauer ist dort schon, sein Wechsel zur Admira ein logischer Schritt?

Scherb: Lukas wollte schon im Sommer weg, dann ist seine Verletzung dazwischengekommen. Sein Vertrag wäre im Sommer 2012 ausgelaufen, er hat ein Angebot von der Admira bekommen und die Vereine haben sich schnell geeinigt. Das war die logische Folge. Wir sehen uns auch als Sprungbrett, als Plattform für Spieler. Das ist nicht nur für Lukas ein Aufstieg, sondern auch eine Auszeichnung für den SKN, wo seine Leistungen auch aufgefallen sind.

LAOLA1: Was zeichnet ihn aus?

Scherb: Er hat ein unheimliches Auge, ich habe noch selten einen Spieler gesehen, der so ein gutes Auge für die Mitspieler und die Situation besitzt. Er macht das Unerwartete und das ist eine unglaubliche Qualität. Zudem ist er sehr torgefährlich, hat immer viele Treffer für uns erzielt und ist für mich in einem 4-2-3-1 als zentraler Offensivspieler am besten aufgehoben. Er arbeitet auch gut nach hinten, da beraubt man ihn aber seiner kreativen, offensiven Fähigkeiten. Lukas wird seinen Weg machen, so dass es vielleicht auch noch woanders hingeht.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Sie haben vorher Kommunikation angesprochen. Gab es Verstimmungen in der Mannschaft?

Scherb: Nein, ganz im Gegenteil. Die Mannschaft ist sehr homogen, die Spieler arbeiten auf und abseits des Platzes miteinander, machen auch privat sehr viel. Es wurden aber einfach Stammplätze zu leicht anerkannt, das Feuer hat im Training gefehlt und es wollte niemand den anderen ankratzen. Mit Hilfe eines Sportpsychologen haben wir nun dahingehend auch einiges gemacht, damit die Mannschaft wieder aggressiver gegen sich selbst wird – ohne sich zu verletzen. Das war ein neuer Zugang.

LAOLA1: Wann wurde diese Idee geboren?

Scherb: Nach der Saison. Ich habe mich mit einem Mentalcoach, der schon bei der Bundesliga Vorträge gehalten, Hannovers Mannschaft nach der tragischen Geschichte rund um Robert Enke wieder auf Schiene gebracht hat und aktuell für Köln arbeitet, getroffen und wir haben uns gleich verstanden. Er und sein Kollege waren zu Saisonbeginn da, sein Mitarbeiter war jetzt auch im Trainingslager mit. Da hat er der Mannschaft und mir sehr helfen können. Es war eine sinnvolle Sache.

LAOLA1: Das Nationalteam hat kürzlich auch einen Mentaltrainer engagiert. Geht es heutzutage noch ohne?

Scherb: Das muss jeder Trainer für sich selber entscheiden. Wenn er nichts davon hält, dann braucht er auch nichts zu machen. Aber es hilft manchen Spielern, mit Situationen besser klar zu kommen. Wir haben welche dabei, die nach dem ersten gescheiterten Pass oder beim ersten verlorenen Zweikampf Angst haben und sich selbst runterziehen. Da wurden in Einzelgespräche Strategien entwickelt, um so ein Negativerlebnis schneller und besser zu verarbeiten, damit es weitergeht. Das war nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für einzelne Spieler sehr wertvoll.

LAOLA1: Sind Fußballer mehr „Nerverl“ als viele glauben?

Scherb: Absolut. Überhaupt bei mir. Ich habe „leider“ eine sehr intelligente Mannschaft (schmunzelt). Sie macht sich sehr viele Gedanken, hin und wieder ist ein Stockfisch auch ganz wichtig (lacht). Die fehlen aber, das muss man eben bedenken, und umso wichtiger ist es sich mit den Stärken auseinanderzusetzen. Wenn es dann in die richtige Richtung geht, ist das natürlich von Vorteil.

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