Vorbild und Rivale namens Ried

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"Die dürfen nicht nach Ried gehen"

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Nur noch wenige Tage, nur noch zwei Spiele, nur noch ein bisschen warten.

Am Freitag wird es in Grödig so weit sein, dann darf Kapitän Ione Cabrera endlich das tun, worauf er sich schon seit Wochen geistig einstellen durfte: Das Stemmen des Meistertellers der Ersten Liga.

Dann ist der Traum, der sich am 3. Mai durch einen 2:1-Sieg gegen Austria Lustenau in der 7000-Seelengemeinde nahe Salzburg erfüllte, auch symbolisch endgültig Realität geworden.

Feiertage in Grödig

„Da werden wir noch einmal zwei Tage und zwei Nächte feiern“, gibt Christian Haas im Gespräch mit LAOLA1 die Richtung vor. Nachdem der Aufstieg fixiert wurde, war dies nicht anders.

„Aber am Sonntag habe ich mir dann gesagt: Mit Feiern alleine wird nichts weitergehen.“

Schon seit Wochen hat der 35-Jährige viel um die Ohren. Als der Aufstieg konkreter und konkreter wurde, machte sich der Sektionsleiter und Kassier – so lauten laut Grödig-Homepage offiziell die Funktionen des Sportchefs – seine Gedanken für die erste Bundesliga-Saison in der Klubgeschichte.

Ein Budget ist längst erstellt und das Credo steht diesbezüglich schon immer: „Wir geben nicht mehr aus als das, was wir haben. Wir lassen uns sicherlich nicht auf finanzielle Abenteuer ein.“

Seine drei Säulen nennt Haas wie folgt: Sport, Wirtschaft, Infrastruktur. Und da gibt es noch in allen Bereichen etwas zu tun, ehe die Saison am 13./14. Juli mit der 1. ÖFB-Cup-Runde eröffnet wird.

Mit 25 Jahren begann sein Abenteuer

Vorerst aber ein Blick zurück. Es war das Jahr 2002, als beim hiesigen Grödiger Fußballklub eine neue Zeitrechnung einsetzte. Ein neuer Vorstand löste den alten ab, angeführt von Anton Haas.

Der Geschäftsführer der „A. Haas Schrott & Metalle GmbH" in Wals-Siezenheim stieg gemeinsam mit seinem Co-GF und Sohn Christian ins Funktionärswesen ein. Damals war Haas Jr. erst 25 Jahre alt.

„Vor zehn Jahren waren nur Bierbänke da, jetzt ist es klein und fein. Wir haben den neuesten Kunstrasen-Platz dazubekommen, haben zwei Trainingsplätze. Die Profis trainieren in Rif (Olympia-Stützpunkt), die Mannschaft hat Top-Bedingungen“, schildert er die Rahmenbedingungen stolz.

„Wir wollen Spieler, die den Willen haben und die sagen, bei Grödig kann ich mich weiterentwickeln. Aber mit lauter Jungen wird es auch nicht gehen. Zwei, drei erfahrene Spieler werden wir brauchen, sie müssen aber auch zu uns passen“, erklärt Haas das Anforderungsprofil.

„In Österreich wird zu viel für Spieler bezahlt“

Unmengen werde man in Grödig nicht verdienen können. „Was ich höre, was andere Spieler in der Bundesliga verdienen, das würde ich nie zahlen“, sagt der Schrott-Händler klipp und klar.

„Es wird viel zu viel Geld für Spieler ausgegeben, aber der Markt wird noch mehr bereinigt werden“, glaubt der Sportchef, für den Spielerberater bei Transfers innerhalb Österreichs unnötig sind.

„Sie diktieren den Markt. Aber für einen Wechsel eines Spielers von Grödig nach Ried oder umgekehrt brauche ich keinen Spielerberater.“ Haas weiß, wie der Hase läuft.

„Am Ende geht es immer und überall ums Geld“, so der Kenner der Szene, der sich zu behaupten traut, fast alle Spieler im österreichischen Profibereich zu kennen, aber deswegen auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Doch mit Geld kennt sich der Unternehmer vom Kerngeschäft her aus.

„Bei anderen Vereinen ist das vielleicht so, dass sie einen Wunschspieler um den Preis verpflichten und glauben, danach werden sie das Geld schon eintreiben, aber das passiert nicht. Ich glaube nicht an Wunder, dass während der Saison der und der Sponsor kommt.“

Vorbild Ried

In dieser Hinsicht ist die SV Ried das Vorbild für den SV Grödig, obwohl man sich eher mit Pasching vergleiche, weil auch die Oberösterreicher etwa ein Vorstadt-Klub sind.

Wie auch die Innviertler wollen sich die Salzburger breit aufstellen, was die Sponsorenbeiträge betrifft. Dafür habe man Anfang des Jahres einen Wirtschaftsbeirat gegründet, der von 15 auf 30 Mitglieder erweitert werden soll.

Hauptsponsor Scholz, das mit 50 Prozent bei der „A. Haas Schrott & Metalle GmbH“ beteiligt ist, bleibt, weitere sollen folgen. Das ist auch deswegen möglich, weil der Lokal-Rivale Red Bull in dieser Hinsicht keiner ist, sind die „Bullen“ doch dank Mäzenatentums auf keine Sponsoren angewiesen.

Leicht werde es dennoch nicht. „Wir, die kleinen Vereine, müssen uns das ja alles hart erarbeiten. Ob das Ried, Wolfsberg, Mattersburg, Wiener Neustadt ist, die großen Vereine tun sich ja alle viel leichter. Verbund oder Wien Energie werden bei Grödig eher nicht einsteigen.“

Weil Ried das Vorbild ist, geht es auch darum, dem Nachwuchs dementsprechend Raum und Platz zu geben. „Wie die SV Ried arbeitet, ist hervorragend. Sie machen es gescheit, verkaufen auch Spieler.“

Rivale Ried

Vor drei Jahren wurde der Nachwuchsbereich in Grödig umgestellt, in den folgenden Saisonen ist es das erklärte Ziel, Spieler in der Kampfmannschaft hervorzubringen. Dahingehend wird aus dem Vorbild Ried der Rivale.

„30 Kinder sind von Salzburg in die Akademie nach Ried gegangen. Die dürfen nicht nach Ried gehen, die müssen zu uns kommen. Es war ja immer so: Wenn nicht zu Red Bull, dann nach Ried. Wir müssen sie zu uns bringen, bei uns kriegen sie auch die Chance. Wir als Verein müssen sie auch rausbringen, das wird aber noch dauern“, stellt Haas fest.

Dauern wird einiges noch. In zwei Monaten geht die Bundesliga-Saison 2013/14 los. Bis dahin muss das Problem Zufahrt zur Unterbergsarena geklärt werden, außerdem wird das Fassungsvermögen auf 5000 Zuschauer geschraubt werden. „Jetzt sind wir in der Entscheidungsphase“, weiß Haas.

Seine Tage fangen aktuell um 6 Uhr an und hören gegen Mitternacht auf. „Das wird bis Mitte Juli nicht anders sein, aber das ist es mir wert.“ Auch was das Finanzielle betrifft? „Rechnen darf man im Fußball nicht. Ausgezahlt hat es sich wortwörtlich nicht, aber emotional.“

Mit dem vorläufigen Höhepunkt am Freitag, wenn der Teller in Grödig gestemmt wird.

 

Bernhard Kastler

Grödigs Meister-Trainer Adi Hütter nennt ihn heute Visionär. An Ehrgeiz mangelte es dem Sportchef schon früher nicht. „Beim Einstieg hatte ich das Ziel Erste Liga. Ich wollte auch nur dann mithelfen, wenn wir auch angreifen würden“, erzählt Haas beim Interview-Termin in seinem Büro in Wals.

An dessen Wand ist der Weg nach oben mit diversen Fotos und Auszeichnungen praktisch tapeziert. Der Unternehmer spielte selbst Fußball, war sowohl bei Grödig als auch beim PSV Salzburg tätig und später in seiner Funktionärsrolle auch noch als Tormann-Trainer tätig.

Doch nicht er und sein Vater alleine seien für diesen Erfolg verantwortlich zu machen. „Da geht es nicht immer um uns, wir haben gute Leute im Vorstand“, verweist Haas etwa auch auf Rudi Codalonga, der sich zudem ehrenamtlich um die Anlage nahe der Tauernautobahn kümmert.

Ganz allein nach Erste-Liga-Abschied

Der Sektionsleiter-Stellvertreter ist der Vater von Hannes, dem Obmann von Grödig, der wiederum in der Gemeinde der Vorsitzende im Bauausschuss ist. Dieser Tage auch nicht unwesentlich.

Haas verweist oftmals auf die vielen Leute, „die es auch braucht“ und beim Verein anpacken. Wie sieht er seine Rolle? „Ich bin vielleicht der Antreiber und der Visionär, der sagt, wir müssen wieder ein Ziel haben. Wir müssen uns weiterentwickeln, wir wollen ja langfristig in der Bundesliga bleiben.“

Vor vier Jahren war von der Bundesliga ganz und gar nicht die Rede. Damals musste sich Grödig nach nur einer Saison in der Ersten Liga wieder verabschieden. Nach dem Abstieg saß Haas allein in eben diesem Büro, in dem nun alle für die Bundesliga notwendigen Maßnahmen besprochen werden.

„Damals bin ich hier ganz alleine gesessen, bis auf Didi Berchtold waren alle Spieler weg. Damals sagte ich, so höre ich sicher nicht auf. Normalerweise kehren wenige Vereine dann wieder zurück, wir haben es eine Saison später geschafft. Für diesen Ehrgeiz sind wir belohnt worden.“

Glaube an den Aufstieg

Im Winter habe er schon daran geglaubt, es noch in dieser Saison schaffen zu können. Obwohl Austria Lustenau neun Punkte Vorsprung hatte. Die ersten Runden im Frühjahr ließen ihn weiter hoffen, ehe Haas wusste, dass Grödig nicht nur knapp, sondern klar voran aufsteigen würde.

Nach außen ließ er das nicht. „Mit den Jahren bin ich sicherlich sachlicher und ruhiger geworden. Ich bin ein direkter Mensch und auch emotional, aber manchmal ist es besser zu schweigen.“

Auch wenn es um neue Spieler geht. Nach dem Abschied von Stefan Lexa und Ernst Öbster sollen natürlich auch neue Spieler kommen. Sechs oder sieben sollen es sein. Vor allem im Angriff, der Vertrag von Top-Torschütze David Witteveen soll verlängert werden, wollen die Salzburger handeln.

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