"Das habe ich nicht vergessen"

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"Das mit Grödig zu schaffen, hat mehr Gewicht"

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In seiner Heimat blieb ihm der Aufstieg verwehrt, in seiner Wahlheimat gelang ihm der große Coup.

Adi Hütter musste nach Salzburg zurückkehren, um seinen ersten Titel als Trainer zu feiern. Nach der schmerzvollen Trennung von Altach vor einem Jahr, kam der SV Grödig gerade recht für den 43-Jährigen.

In seinem fünften Jahr als Coach sorgte Hütter für die große Überraschung in der Ersten Liga und stieg vergangenen Freitag mit Grödig in die Bundesliga auf.

im LAOLA1-Interview spricht der Vorarlberger über die Bedeutung seines ersten Titels, Mentor Heribert Weber und späte, persönliche Rache an Austria Lustenau.

LAOLA1: Herzliche Gratulation zum Aufstieg. Wie feiert eigentlich Adi Hütter?

Adi Hütter: Viel ruhiger als in den Jahren, in denen ich als Spieler drei Mal Meister wurde. Da verträgt man auch mehr (lacht). Zudem habe ich als Trainer eine Vorbildfunktion und habe mich dementsprechend zu verhalten. Wir, die Trainer, haben danach in der Kabine in Ruhe das eine oder andere Bier getrunken und waren dann drüben in der Kantine und haben mit den Fans gefeiert. Es ist immer schön, wenn man feiern darf, weil man etwas Großartiges erreicht hat. Aber es geht immer weiter.

LAOLA1: Der erste Titel als Trainer hat aber wohl eine große Bedeutung für Sie.

Hütter: Als ich jung war habe ich über Titel als Spieler gar nicht so nachgedacht. Wie ich dann nach Salzburg gekommen bin, wusste ich, dass man Titel gewinnen kann. Ich habe auch mit außergewöhnlichen Spielern wie Heribert Weber zusammengearbeitet. Er hat mir immer vorgezeigt, in jedem einzelnen Training Vollgas zu geben. Er hat das mit seiner Persönlichkeit einfach vorgelebt und das hat mich dann auch inspiriert. Folglich wurde ich mit ihm als Spieler einmal Meister und einmal unter ihm als Trainer. Es war wunderschön als Spieler. Jetzt als Trainer wird mir aber erst bewusst, dass es viel schwieriger und komplexer ist. Dieser Titel hat schon einen besonderen Stellenwert, ich wollte immer auf meiner Visitenkarte einen solchen stehen haben. Jedoch ist es noch nicht zu Ende, ich will ja weitere sammeln. Aber dieser ist schon besonders, weil er überraschender als mit Altach ist. Das mit Grödig zu schaffen, das hat schon mehr Gewicht.

LAOLA1: Hat Ihnen Heribert Weber dieses Sieger-Gen seinerzeit implementiert?

Hütter: Die ganze Salzburger Mannschaft eigentlich und natürlich auch Trainer Otto Baric. Da waren viele dabei, die viele Titel gewonnen haben. Aber Heribert Weber war schon außergewöhnlich, nämlich mit damals 37 Jahren noch so gut spielen zu können. Das hat mir schon sehr imponiert. Er war auch von der Hierarchie mit Abstand am höchsten angesiedelt, von seinem Ehrgeiz und der Akribie habe ich sehr viel profitieren können. Er war und ist erfolgsorientiert, dank ihm habe ich gewusst, wie es wirklich geht. Wir haben am Montag telefoniert und das habe ich ihm auch gesagt. Er ist für mich ein Trainer-Vorbild, weil er damals schon sehr innovativ war. Er praktizierte eine moderne Trainingsgestaltung, die mir imponiert hat und von der ich heute immer noch profitiere.

LAOLA1: Ist es für Sie schon realisierbar, was Sie mit Grödig speziell im Frühjahr vollbracht haben?

Hütter: Das wird wohl erst realisierbar sein, wenn man symbolisch auch den Meisterteller überreicht bekommt. Klar weiß ich, dass wir das geschafft haben. Die Anerkennung und Wertschätzung bekommt man mit, ich habe über 100 SMS bekommen, auch von Kollegen aus der Bundesliga sowie der Ersten Liga. Das ist schon sehr erfreulich. Noch dazu, das mit einem Verein zu schaffen, mit dem man das nicht erwarten kann. Wenn man mal etwas wegkommt, dann kann man das sicher noch mehr realisieren. Aber um noch auf das Frühjahr sprechen zu kommen ...

LAOLA1: Ja, bitte.

Hütter: In der Historie ist zu sehen, dass Austria Lustenau schon mehrmals im Frühjahr Probleme hatte und nach großem Vorsprung den Aufstieg verpasste. So gesehen hat die Medaille zwei Seiten. Die Konkurrenz spielt nicht so mit und auf der anderen Seite haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Das haben andere nicht gemacht und deswegen stehen wir verdient oben.

LAOLA1: Haben Sie im Winter darauf spekuliert, dass Austria Lustenau abstürzt?

Hütter: Nein, das nicht. Im Winter war es weiterhin das Ziel, unter den Top 3 zu bleiben. Ich sagte zum Frühjahrsauftakt lediglich, dass wir da sein müssen, sollten die beiden vor uns schwächeln. Dass das genauso eintrifft, das war vielleicht eine Selbstprophezeiung (grinst). Aber Altach war ja auch hinter uns, Top 3 damit das Ziel. Dann waren die ersten Ergebnisse im Frühjahr etwas überraschend und es lief für uns. Wir haben mit Christian Haas einen sehr emotionalen Manager, der schon sagte, dass wir da und dort gewinnen werden und vorne sein werden. Das ist auch alles eingetroffen. Zehn Runden vor Schluss meinte er, wir werden nicht knapp, sondern überlegen Meister. Ich sagte ihm, dass er mit seinen Prognosen sehr gefährlich unterwegs sei (lacht). Aber er hat ein gutes Gespür und Auge. Und er lebt eine Vision vor, strahlt das aus. Ab dem 2:1-Sieg bei der Austria habe ich auch angefangen, daran zu glauben. Da haben wir die Mannschaft darauf vorbereitet, dass sie etwas Großes erreichen können. Sie haben das irrsinnig gut gemacht, es ist einfach so eine Energie und Leidenschaft entstanden, die ich in ausgedrückter Form noch selten gesehen habe.

LAOLA1: Sie haben das in Ihrer ersten Saison mit Grödig mit einem neu zusammengewürfelten Team zu Wege gebracht. Warum ging es so schnell?

Hütter: Es war eine der besten Entscheidungen, dass ich mir einen professionellen Trainerstab mit mehreren Trainern wie Edi Glieder rund um mich schare. Das hat mir Christian Haas hier ermöglicht. Wir, die Trainer, und die Mannschaft, in der zu Saisonbeginn 13 neue Spieler standen, haben relativ schnell zusammengefunden. Das ist einer meiner Stärken, ein Team schnell zu formen. Das hat aber auch mit Spielphilosophie, dem Kombinationsfußball, zu tun. Diese Arbeit ist sicherlich pickelhart, weil nicht auf Zufall aufgebaut, wenn es kontrolliert ablaufen soll. Die interne Kommunikation ist mir zudem sehr wichtig. Das ist ein Prozess, bis dass die Spieler das von mir Vermittelte auf dem Feld umsetzen. Aber es ist uns allen sehr gut gelungen. Mir ist das schon im Sommer bei tollen Testspielen von uns aufgefallen, dass das schnell klappen könnte. Und ich verlange auch Disziplin, die braucht eine große Gruppe einfach. Wenn es die abseits des Platzes nicht gibt, dann schon gar nicht auf dem Platz. Aber der Erfolg ruht auf mehreren Säulen.

LAOLA1: Die da wären?

Hütter: Es geht darum, was dir der Verein zur Verfügung stellt. Sei es Mannschaft, sei es das Trainer-Team. Ohne einem entsprechenden Stab geht es gar nicht mehr. Ich bin dann eher der, der die Fäden von oben in der Hand hat. Als Cheftrainer bist du für vieles verantwortlich – sowohl für Positives, als auch für Negatives. Das haben wir ganz gut im Griff gehabt. Die Philosophie ist eine ganz wichtige Säule in meinem Trainer-Leben, die andere die Führung der Gruppe. Man redet da immer von der sozialen Kompetenz. Ich breite das immer gerne aus und nenne es auch emotionale Intelligenz. Nämlich die Selbstkontrolle zu haben und zu wissen, wer man eigentlich ist. Wie man auf gewisse Siege und Niederlagen reagiert und zu erfahren: Wie ticke ich? Und als Trainer ist es unheimlich wichtig zu wissen, wie die einzelnen Spieler damit umgehen. Dahingehend habe ich mich auch weitergebildet, schließlich hat man jeden Tag mit Menschen zu tun. Man muss wissen, wie man mit dem und dem umgeht. Die Gesellschaft hat sich grundsätzlich geändert. Dem autoritären Stil, den man heute sicherlich auch ab und zu als Trainer braucht, wurde früher zu viel Platz eingeräumt. Man hat sich ja nicht entfalten können. Wenn man heute etwa in die Schulen geht, dann ist das ja nicht mehr so wie früher vor 30 Jahren. Egal wo und auch im Fußball hat man sich geöffnet. In der Trainer-Ausbildung ist das ein wichtiger Aspekt geworden. Auch im Nachwuchs wird mit sozialer Kompetenz erzogen. Wenn ein junger Spieler durch die Akademie geht und dann nach vier Jahren auf einen autoritären Trainer treffen würde, dann kennt sich ja der hinten und vorne nicht mehr aus und traut sich dann nicht einmal ordentlich die Schuhbänder binden. Das ist wirklich so, hat sich aber auch geändert. Das ist auch richtig so. Disziplin und Regeln sind allerdings wichtig, vor allem in einer Gruppe. Soziale Kompetenz als Trainer zu haben ist wichtig, es braucht natürlich auch die fachliche, aber ich denke, man muss im sozialen Bereich fast besser sein. Ich mache mir etwa auch jeden Tag Gedanken, was ich den Spielern sage und wie. Man kann nicht irgendetwas sagen, die Spieler legen das auf die Waagschale. Deswegen muss man als Trainer sehr intelligent sein.

LAOLA1: Freuen Sie sich dann schon auf Sascha Boller, sozusagen als Herausforderung?

Hütter: Ich kann nicht nachverfolgen, was alles in Lustenau war. Ich weiß nur, dass er dort zwei Jahre der König war. Jetzt ist er auf einmal der Stinkstiefel. Ich habe ihn kennengelernt. Vielleicht ist er nicht einfach, weil er anders ist, als die anderen. Ich habe ihn am Platz gesehen und da ist er einfach sehr gut. Im Sommer tanzt er nach meiner Pfeife. Wenn er dem Team schadet, schadet er der ganzen Sache. Wir setzen große Erwartungen in ihn und ich weiß, dass er sie erfüllen will.

LAOLA1: Wie kam es zum speziellen Zeitpunkt der Boller-Verpflichtung?

Hütter: Das war die einzige Transfertätigkeit, die wir frühzeitig entschieden haben. Sicherlich hatte es auch ein wenig den Hintergedanken, dem Konkurrenten in die Suppe zu spucken. Aber in erster Linie wollten wir professionell sein. Sein Vertrag lief aus, wir wussten, dass es dort Probleme gab. Doch seine Fähigkeiten sind unbestritten. Ich wollte ihn schon als Altach-Trainer, weil er mir als Spieler taugt, weil er etwas bewegt. Und wenn wir nun auch gewartet hätten, dann hätte er wohl auch anderswo unterschrieben. Es war ein wenig Bayern-Mentalität dabei, dem anderen Verein einen guten Spieler wegzunehmen. Dass das auch für ihn kein Honiglecken sein würde, wussten wir. Aber er kann nun sagen, nächste Saison in der Bundesliga zu spielen.

LAOLA1: Es war also Kalkül?

Hütter: Es war eine gezielte Aktion, es war professionell. Der Spieler war kostenlos frei. Wenn ich mit einem Spieler nicht gesprochen habe, dessen Vertrag in zwei Monaten ausläuft, dann muss ich mich selbst hinterfragen. Ich glaube nicht, dass Austria Lustenau in dieser Hinsicht alles richtig gemacht hat.

LAOLA1: Altach und Austria Lustenau sind riesige Rivalen. Wieviel Rivalität verspüren Sie persönlich?

Hütter: Erstens: Ich bin Altacher. Zweitens habe ich eines nicht vergessen: Als die Admira vor uns Meister wurde (2011, Anm.), hat in der vorletzten Runde Austria Lustenau gegen Admira 15 Minuten vor Schluss 3:1 geführt. Wir haben das Derby gegen FC Lustenau gespielt, haben kurz vor Schluss das 3:2 und 4:2 erzielt. Ich wusste, dass es dort 3:1 steht und wir wären am letzten Spieltag mit einem Heimsieg gegen St. Pölten durch gewesen. Ich habe gejubelt und dachte mir, warum kommt da keiner? Sagten sie mir, die Admira hat noch 5:3 gewonnen. Man kann jetzt Hypothesen aufstellen, aber eines ist klar, Austria Lustenau hätte es nicht gefallen, wenn wir aufgestiegen wären. Sicher hat die Admira dann wie aus einem Guss gespielt, aber ich glaube nicht, dass Lustenau damals noch 3:5 hätte verlieren müssen. Vielleicht ist es eine späte, persönliche Rache, zwar bin ich mit Altach jetzt nicht oben, aber mit Grödig. Und das habe ich eben nicht vergessen. Die Rivalität da draußen ist so groß, deswegen ist es schwierig, dass einer aufsteigt. Die Spiele gegeneinander sind nervenzerreißend. Und sieht man sich die letzten Aufsteiger an, dann erkennt man: Überall, wo es keine Rivalitäten in der Umgebung gab, kamen die Aufsteiger her. Wie etwa letztes Jahr in Wolfsberg oder heuer in Grödig.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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