"Gibst' uns bissl a Geld?"

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LAOLA1: Einerseits steht man den Medien bei der Vienna kritisch gegenüber und spart mit Informationen, andererseits sucht zum Beispiel Herbert Dvoracek in diversen Fanforen den Kontakt mit den Anhängern. Verstehen Sie diese zeitweise Intransparenz?

Tesar: Nein. Ich glaube, dass dem Herbert Dvoracek die Vienna durchaus am Herzen liegt und ihm die Vienna ein Anliegen ist. Ich glaube auch, dass diese Intransparenz nicht erst seit gestern besteht. Das hat sich über die Jahre entwickelt und ist zu einem Automatismus geworden, den man mit einer gewissen Kraftanstrengung durchbrechen müsste. Das kommt aus Zeiten, bevor Dvoracek Präsident war und hat sich über viele Jahre hin entwickelt. Ich glaube, man hat auf der Hohen Warte schon vor zehn bis 15 Jahren verschlafen, dass sich die Führung eine Profi-Fußballklubs beziehungsweise die Anforderungen daran verändert haben.

LAOLA1: Welche "Kraftanstrengungen" bräuchte es, um diese Automatismen zu durchbrechen?

Tesar: Zum einen braucht es neue Sponsoren. Und die Bereitschaft der Vienna, diese Sponsoren zu betreuen. Es ist nicht mehr so wie vor 20, 30 oder 40 Jahren: "Geh Ferdl, gibst du uns ein bisschen Geld für neue Dressen", sondern das ist eben ein Geben und Nehmen. Der Sponsor hat Interesse, sich zu präsentieren. Darum will er einen Fußballverein sponsern. Da gehört laufend zusammengearbeitet und nicht nur punktuell, wenn es darum geht, das Sponsoring für die nächste Saison oder das nächste Jahr festzustellen.

LAOLA1: Vor allem stadtnahe Sponsoren scheinen sich zurückzuziehen. Ist die angesprochene Intransparenz auch ein Grund, warum potenzielle Geldgeber abgeschreckt werden? 

Tesar: Die stadtnahen Sponsoren sind ein eigenes Kapitel. Zum einen wäre es wichtig, wenn sich die stadtnahen Sponsoren über die Großklubs hinaus engagieren würden. Im Bereich des Wiener Fußballs passiert ganz, ganz wichtige Integrationsarbeit. Da passiert ganz viel Jugendarbeit und von dem her wäre es total gescheit für die Stadt, auch die kleineren Klubs finanziell abzusichern. Auf der anderen Seite stellt sich nur die Frage, wieviel Einfluss bekommt dann ein Sponsor bei Geldgeschichten. Das ist aber etwas, das sich jeder anschauen kann und das ausgehandelt gehört. Das wird dann festgeschrieben und man kann mit einer klaren Linie zusammenarbeiten. Ich denke, die Stadt Wien täte gut daran, die Nachwuchsarbeit der Fußballvereine wesentlich besser finanziell abzusichern. Ob sie das jetzt direkt mit dem Stadtbudget macht oder über stadtnahe Betriebe und Sponsoring ist im Endeffekt egal. Ich glaube, dass die Stadt Wien wirklich übersieht, wieviel nicht nur im Spitzensport, sondern wie enorm viel gesellschaftliche Arbeit in den Vereinen geleistet wird.

LAOLA1: Es gibt viele geplatzte Bauprojekte, die Herbert Dvoracek schon sehr früh ins Gespräch gebracht hat. Glauben Sie, dass das Alibi-Aktionen sind oder warum geht man damit so schnell an die Öffentlichkeit?

Tesar: Ich glaube, die Projekte sind keine Alibigeschichte. Es sind seine Entscheidungen, die er alleine trifft, wann man mit bestimmten Informationen an die Öffentlichkeit geht. Im Nachhinein gesehen wäre es bei vielen Projekten gescheiter gewesen, mit den Veröffentlichungen zuzuwarten, bis diese konkreter werden. Auf der anderen Seite ist es für eine öffentliche Debatte auch richtig, manche Sachen früh zu kommunizieren, um mit möglichen Gegnern rechtzeitig in Kontakt treten zu können. Wenn fertige Dinge an die Öffentlichkeit kommen, gibt es erstmal Widerstand aus den öffentlichen Bereichen, der sehr oft vehement sein kann. Da hilft es natürlich, möglichst früh in eine sehr offene Kommunikation zu treten. Das ist eine Abwägungsgeschichte, welchen Weg man gerne einschlagen möchte. Herr Dvoracek entscheidet sich halt für den Weg, alles früh zu kommunizieren. Das wirkt dann vielleicht manchmal ein bisschen patschert, auf der anderen Seite ist es natürlich ein sehr offener Weg, der Projekte weiterbringen kann.

LAOLA1: Die Stimmung bei der Vienna war lange Zeit sehr negativ, auch gegenüber dem Lizenzverfahren. Mittlerweile hat man aber trotz des letzten Tabellenplatzes fast das Gefühl von einer Aufbruchsstimmung. Wie kommt das?

Tesar: Die Lizenz zu bekommen ist ein Ziel und an dem wird gearbeitet. Für diese Arbeit, die Voraussetzungen für die Lizenz zu bekommen, ist es natürlich gescheiter, zuerst alles zusammen zu haben, als schon sehr früh darüber zu reden, dass man sie sicher nicht bekommen wird. Auch da werden manchmal Gerüchte gestreut, die bei der Arbeit nicht förderlich sind. Den aktuellen Stand kann ich nicht mehr beurteilen.


Das Interview führte Niki Riss

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