"Kunstgriffe führen zu nichts"

Aufmacherbild
 

Seit 20 Jahren gehört Austria Lustenau dem österreichischen Profi-Fußball an.

1994 stiegen die Vorarlberger in die zweithöchste Spielklasse auf und waren zumindest in dieser vertreten. 1997 gelang sogar der Bundesliga-Aufstieg, in der obersten Spielklasse konnten sich die Grün-Weißen drei Jahre halten.

„Wir waren damals auf dem besten Weg dazu, DER Verein in Vorarlberg zu werden. So wie der SV Mattersburg etwa im Burgenland“, sagt Präsident Hubert Nagel im Gespräch mit LAOLA1, dabei angesprochen auf die Idee eines FC Vorarlberg und das Rennen mit Altach um die Vormachtstellung. Dazu später mehr.

Krise im Jahr des 100-jährigen Bestehens

Die Gegenwart ist nicht ganz so rosig, wie man es sich im Jahr des 100-jährigen Bestehens vorgestellt hat. Denn der Auftakt in die neue Saison der Ersten Liga misslang. Nach acht Runden steht die Austria mit ebenso vielen Punkten auf dem achten Rang. Das Titelrennen ist aktuell nur per Feldstecher zu beobachten.

Nach einem 1:1 vor zwei Wochen in St. Pölten und einer Sitzung mit Trainer Helgi Kolvdisson (seit 2011 dabei) wurde dieser im Amt bestätigt. Nach Saisonende läuft der Kontrakt des Isländers aus.

„Ich bin seit 20 Jahren für Trainerfragen bei der Austria zuständig und wir haben nur einen einzigen Vertrag vorzeitig aufgelöst. Wir wollen mit ihm die Saison fertigmachen, er kann die Trendwende einleiten. Die Mannschaft hat zuletzt in St. Pölten gezeigt, dass sie mit ihm weiterarbeiten will.“

Nagels Nachschub: „Aber natürlich brauchen wir Punkte und Siege. Wenn es gar nicht geht, müsste man etwas tun. Das ist im Fußball so. Manchmal braucht es dann vielleicht nicht einen besseren Trainer sondern einen, der einen anderen Zugang hat und eine andere Ansprache wählt. Ich hoffe, wir kommen da herum. Aber klar ist auch, dass ich hier keine Treueschwüre abgeben kann.“

„Wollen anderen Fußball sehen“

In dieser angesprochenen Sitzung wurde keine konkrete Punktezahl in den nächsten Partien gefordert, aber doch auch etwas dem Trainer mitgegeben.

„Wir wollen einen anderen Fußball sehen. Wir wollen eine aggressivere Austria sehen, eine offensiver denkende, eine Mannschaft, die die Fans mitnimmt. So dass die alte Heimstärke wieder zum Tragen kommt“, erklärt der 63-Jährige, der freilich nicht will, dass man hinten hineingezogen wird.

„Die Abstände sind so klein, man hat es auch vergangenes Jahr etwa bei Mattersburg gesehen, wie schnell es gehen kann. Es ist aber in beiden Richtungen alles möglich“, schreibt Nagel auch den Titelkampf noch nicht ganz ab. Wacker hat es mit vier Siegen en suite zuletzt in dieser engen Liga vorgemacht.

Wie die Innsbrucker wollen die Vorarlberger auch wieder in die obere Spielklasse, aber nicht um jeden Preis. „Wir riskieren nicht Kopf und Kragen. Und man muss sehen: In den letzten 20 Jahren waren wir im schlimmsten Fall die zweitbesten Vorarlberger im österreichischen Fußball. Das ist ja auch nicht nichts“, sagt Nagel.

Eine Stadion-Lösung steht im Raum

Im Hintergrund wird indes an der neuen Stadion-Lösung gebastelt, und zwar schon längere Zeit. Diese wäre freilich auch möglicher Antrieb für einen Hauptsponsor, der den Lustenauern spürbar fehlt.

„Es gab vergangene Woche ein Treffen mit dem Bürgermeister und anderen Fraktionen. Wir haben dabei vereinbart, noch nicht allzu viel preiszugeben, aber es scheint, als würde es in den nächsten Wochen ein paar richtungsweisende Entscheidungen geben, mit denen wir auch leben können.“

Wie LAOLA1 erfuhr, soll dabei am selben Standort, also im Reichshofstadion, ein entsprechender Um- und Ausbau erfolgen. Die Gespräche laufen diesbezüglich, die Zeit drängt mittlerweile aber auch schon.

Denn das Protestkomitee der Bundesliga hat die befristete Zulassung des Reichshofstadions für Erste-Liga-Spiele nur bis inklusive 30. November 2014 verlängert. Da endet die Herbstsaison. Für das Frühjahr gibt es noch keine.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur dürfen in Lustenau  weiterhin keine TV-Spiele stattfinden. Eine zeitnahe positive Entscheidung wäre freilich im Sinne des Klubs. Auch die Fans hätten sich dies wohl verdient. Nagel weiß: „Wir haben seit Jahren mit den höchsten Zuschauerschnitt in der Liga.“

Das Dauer-Duell mit Altach

Wenn es um Fußball-Vorarlberg geht, dann geht es freilich auch um die Vormachtstellung. Die hält aktuell das zwölf Autominuten entfernte Altach, das vergangene Saison in die Bundesliga aufstieg.

Klein bei gibt die Austria im Kampf mit dem Rivalen freilich nicht, und auch Nagel beweist noch Steher-Qualitäten.

„Wenn ich der Meinung wäre, Altach ist nicht zu biegen, dann wäre ich schon längst im Liegestuhl“, lächelt der Austria-Boss, gibt aber zu, dass der SCRA aktuell die Nase aus dem einen Grund vorne hat.

„Es ist der Hauptsponsor. Wenn man ihnen den wegnimmt und uns gibt, dann drehen wir ab morgen den Spieß um. Das ist ihnen gelungen und deswegen sind sie verdient vor uns. Wir hoffen, dass sich das irgendwann ändert“, so Nagel, der persönliche Überlegungen, kürzer zu treten, durchaus im Sinn hat ("Es ist aber immer auch die Frage, wer folgt nach.")

Ganz und gar nichts hält der längstdienende Klubchef im österreichischen Profi-Fußball indes von einer Idee eines starken FC Vorarlberg, der in der ewigen Ligen-Debatte auch schon auf kam.

„Diese Kunstgriffe führen zu nichts. Ein starker Klub muss sich bilden und wachsen. So einer könnte durchaus Rheindorf Altach, FC Dornbirn oder Austria Lustenau heißen, aber er muss von selbst aus entstehen und den kann man nicht machen. Einen Klub zu diktieren, das spielt es nicht. So ein Klub muss in einem Ort wachsen, ihm muss es gelingen, sich so zu etablieren, damit er DER Verein wird. Wie etwa Mattersburg im Burgenland. Wir waren selbst auf dem besten Weg dazu.“

 

Bernhard Kastler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen