Was Edi stö(h)rt und mundet

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Hoffentlich war es kein schlechtes Omen.

Als sich Edi Stöhr zum ersten Training seines neuen Klubs Blau-Weiß Linz aufmachte, fand der Neo-Trainer einen kaputten Reifen an seinem Auto vor. Aber alles Schlechte hat auch etwas Gutes.

„Die Hilfsbereitschaft der Leute hat was. Freundlicher kann man nicht empfangen werden“, schildert der 56-Jährige im Gespräch mit LAOLA1. Kein Wunder, soll der Deutsche doch der Heilsbringer sein.

Vergangene Woche stellte das Schlusslicht der Ersten Liga nach langer Suche Stöhr als neuen Coach vor. Dieser folgte Interims-Lösung Gerald Perzy, der Manager hatte nach der Entlassung Thomas Weissenböcks Ende September (wieder einmal) das Zepter geschwungen und es montags abgegeben.

Linz statt Ländle

An einen bekannten Mann innerhalb Österreichs Fußballszene. Stöhr trainierte drei Mal die Austria aus Lustenau (1994-1999, 2001-2003 und 2009-2011), von 1997 bis 1999 auch in der Bundesliga.

Zuletzt fungierte der Bayer im Frühjahr 2012 als Feuerwehrmann für Altach, die schwierige Mission Titel schlug letztlich fehl. Nun hat Stöhr eine neue Herausforderung – Klassenerhalt mit BW Linz.

Die Spieler zeigten sich nach dem ersten Training begeistert (Tino Wawra: „Es war super“) und auch der neue Mann am Ruder blickt optimistisch in die Zukunft – wie das Interview mit LAOLA1 zeigt.

LAOLA1: Linz statt Ländle – ungewöhnlich erstmals in Österreich nicht in Vorarlberg zu arbeiten?

Edi Stöhr: Es ist auf alle Fälle eine ganz neue Erfahrung für mich. Die hat schon damit begonnen, dass bei der ersten Pressekonferenz ein Auflauf war, den ich so auch noch nicht erlebt habe. Das ist wirklich toll. Ebenso sind die infrastrukturellen Bedingungen, Blau-Weiß ist ja vor einigen Wochen ins Stadion gezogen, top. Das macht schon Spaß und ist wieder etwas anderes.

LAOLA1: Sie haben viele Vorschusslorbeeren erhalten. War Ihnen das schon unangenehm?

Stöhr: Ich bin niemand, der dieses Schulterklopfen braucht. Im Übrigen war LAOLA1, wie ich so gehört habe, das einzige Medium, das bei den Vorschusslorbeeren nicht so mitgemacht hat.

LAOLA1: Was haben Sie denn gehört?

Stöhr: Es ging um meine Zeit in Altach. Natürlich kann man im Nachhinein darüber sagen, dass das Ziel nicht erreicht wurde. Aber 13 Punkte aus acht Spielen waren auch nicht so schlecht, auch angesichts der vorherigen Ergebnisse – acht Punkte aus sieben Spielen. Das muss man alles in Relation sehen. Ich habe also um 0,5 Punkte pro Spiel mehr geholt als mein Vorgänger, aber es hat trotzdem nicht gereicht. Es lag daran, dass der WAC einfach zu stark war. Wenn wir – ich weiß schon, hätte, wenn und aber… - das Duell gegen den WAC gewonnen hätten, wären wir aufgestiegen. Es war also knapper, als letztlich dasteht. Wir sind zudem Zweiter geworden und haben somit im Vorjahr die Vormachtstellung im Ländle gehabt. Das sind schon alles Punkte, die für meine Arbeit sprechen. Es bleibt stehen, dass wir nicht aufgestiegen sind, das stimmt. Aber ob man das nur mit meiner Arbeit verbinden muss oder auch mit der Arbeit von Vorgängern – das müsste man genauer analysieren.

LAOLA1: Sicherlich. Warum aber hat sich Altach dann von Ihnen getrennt?

Stöhr: Natürlich könnten wir darüber jetzt auch reden, aber wir haben Stillschweigen vereinbart. Wenn Sie den Herrn Kopf (Altach-Geschäftsführer, Anm.) um Auskunft erbitten, dann ist das okay. Grundsätzlich sind wir im Frieden und einvernehmlich auseinander gegangen. Ein Grund ist vielleicht die Konkurrenzsituation zur Austria, bei der ich eben neun Jahre Trainer war. Vielleicht hat es da eben Widerstände gegeben. Das weiß ich nicht, kann es aber nicht vollends ausschließen. Ich bleibe dabei, die Zeit in Altach war wunderbar. Ich bin auch so verabschiedet worden.

LAOLA1: Kommen wir zur neuen Aufgabe, die Sie wieder in die Erste Liga zurückkehren lässt. Ist es schon Liebe zwischen dieser Spielklasse und Ihnen? Vielleicht eine Bindung für die Ewigkeit?

Stöhr: Also ich hoffe nicht. Ich habe ja mit Austria Lustenau zwei Jahre in der wirklichen ersten Liga gearbeitet. Die Trennung damals lag aber nur auf Vereinsseite, weil man gedacht hat, man müsse mal etwas anderes probieren. Der Effekt war, dass man wirklich abgestiegen ist und ich dann zur Austria in der zweiten Liga zurückkehrte. Warum ich nicht wieder wirklich ganz oben trainiert habe, das weiß ich nicht. Ich würde es natürlich ganz gerne tun, es hat aber wohl auch mit der Fußball-Landschaft zu tun und damit, wie Trainer bestellt werden.

LAOLA1: Haben Sie vielleicht schon einen Erste-Liga-Stempel aufgedrückt bekommen?

Stöhr: Darüber habe ich nicht nachgedacht, glaube es aber nicht. Es wäre auch nicht negativ, denn die Erste Liga ist auch Profigeschäft. Und meine Arbeit kann sich durchaus sehen lassen. Sowohl punktemäßig als auch etwa dahingehend, was das Cup-Finale mit Austria Lustenau betrifft. Zudem die Art und Weise, wie ich mit Spieler umgegangen bin und ich sie vor allem sportlich entwickelt habe. Da lässt sich allerhand guter Rückblick verzeichnen.

LAOLA1: Sie wurden bislang kaum entlassen, zumeist gab es Trennungen zu Saisonende. Warum?

Stöhr: Warum nicht? Wenn man, wie ich mit Lustenau, neuneinhalb Jahre zusammengearbeitet hat, dann kann man sicherlich davon reden, dass man sich vielleicht ein wenig abnützt. In Lustenau ist es in der Tat auch so, dass kaum ein Trainer länger als zwei Jahre da war. Das liegt einfach daran, dass der Präsident der Meinung ist, innerhalb von zwei Jahren zumindest den Aufstieg schaffen zu müssen. Wenn nicht, dann muss es ein anderer versuchen. Helgi Kolvidsson wird wohl bei einem Aufstieg im nächsten Jahr auch noch Trainer sein, sofern er will.

LAOLA1: Davon ist auszugehen. Inwieweit erkennen Sie noch Ihre Arbeit beim Herbstmeister?

Stöhr: Ich denke, dass das auf der Hand liegt, schließlich sind noch viele Spieler dabei, die auch in meiner Mannschaft waren. Als ich im Frühjahr 2009 zurück nach Lustenau kam, war die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz und wir haben es geschafft, sie binnen zehn Spielen auf Platz vier führen. Das gleicht statistisch gesehen einer Sensation. Diese Euphorie haben wir in den nächsten Herbst mitnehmen können, aber leider nicht über den Winter. Diese sehr schlechte Rückrunde 2009/10 hat uns dann aber auch aufgezeigt, was uns fehlt – nämlich ein Knipser und jemanden dahinter, der zum Torerfolg kommen hätte können. Das ist uns bei teilweise überlegen geführten Partien ständig auf den Kopf gefallen. Der Präsident ist dann auch im nächsten Jahr zur Überzeugung gekommen, dass er auf diesen Positionen etwas machen muss. So kamen Boya und Thiago. Der Rest ist geblieben. In der aktuellen Mannschaft sind seither Dunst, Patocka und Salomon als Rückkehrer neu dabei. Wir sind damals auch nicht aus Jux und Tollerei ins Cup-Finale gekommen, sondern weil wir auf der einen Seite einen klugen, sachlichen und auf der anderen überraschenden Fußball gespielt haben. Die Mannschaft hat sich bei mir sehr gut entwickelt, ist stabil geworden, auch wenn wir in der Meisterschaft keine wirkliche Chance nach ganz vorne gehabt haben. Da gab es einfach Bessere.

LAOLA1: Und dann die Trennung. Waren es wirklich nur Abnutzungserscheinungen?

Stöhr: Es liegt sicher daran, dass sich die Beziehung abgenutzt hat. Wir können ja auch nicht bei jeder geschiedenen Ehe nachfragen, was los ist (lacht).

LAOLA1: Kommen wir endgültig zu Ihrer neuen Aufgabe: Warum kann BW Linz die Klasse halten?

Stöhr: Ich glaube, dass im Team sehr viel Potenzial und Talent steckt, damit der Klassenerhalt gelingt. Dabei bleibe ich, trotz des 0:3 in Grödig und der Kürze der Zeit. Das muss man mir schon zugestehen.

LAOLA1: Wie sieht der Plan aus?

Stöhr: Für das letzte Spiel sieht er wie folgt aus, dass wir noch mal alle Energien zusammenbringen, um die Partie für uns günstig gestalten zu können. Für das nächste Jahr steht einfach an, dass ich die Mannschaft total gut kennenlerne, jeden in seiner Fähigkeit und Persönlichkeit gut einschätzen kann. Und dass das Trainer-Team die Mannschaft auf das bestmögliche körperliche Niveau bringt sowie ihr eine Idee vom Spiel mitgibt, damit die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg erhöht. Konkret wollen wir mehr Tore schießen und weniger erhalten als bisher.

LAOLA1: Es wird immer betont, dass Sie die Liga gut kennen. Wie groß ist dieser Vorteil wirklich?

Stöhr: Ich finde das eine wunderbare Frage, ich kann Sie Ihnen aber nicht beantworten. Natürlich kann ich ungefähr einschätzen, was andere uns voraushaben oder wo wir im Detail vielleicht die Nase vorne haben. Grundsätzlich spielt das für mich aber keine Rolle, sondern dass die eigene Mannschaft ein Gesicht findet. Das ist mir viel, viel wichtiger. Ich kann ja etwa nicht beeinflussen, was Martin Scherb in St. Pölten macht oder Rainer Scharinger in Altach. Ich kann nur beeinflussen, was wir hier gemeinsam machen und meine Mannschaft in allen relevanten Teilbereichen macht.

LAOLA1: Am Freitag treffen Sie bei Ihrem Debüt auf Hartberg. Ist das bereits ein Schlüsselspiel?

Stöhr: Im Prinzip ist für uns jede Partie ein Schlüsselspiel, wenn man nach 18 Spielen zwölf Punkte hat. Das sind 0,66 pro Spiel und wohl schon das Unterste, das erträglich ist. Nun bleiben nur noch 18 Spiele und so auch jenes gegen Hartberg. Dass die den Abstand zu uns vergrößern könnten, ist eine statistische Erwägung, sollte uns aber nicht betrüblich machen. Ich versuche meiner Mannschaft immer zu erklären, dass das Spielergebnis nichts anderes ist als das Resultat dessen, was wir auf dem Platz leisten. Insofern müssen wir in jedem Spiel unsere Möglichkeiten abrufen und so auch von Spiel zu Spiel schauen. Wir müssen alles raushauen, was wir in uns haben. Unser Blick wendet sich fürs Erste einmal ab von der Tabelle und hin zu unserem Verhalten auf dem Platz. Wenn wir das hinkriegen, wird uns auch ein Gegentreffer nicht unbedingt aus den Socken hauen. Wir müssen einfach Fußballspielen und den Zuschauern den Eindruck vermitteln, dass wir das sehr gerne machen und bereit sind, für dieses Erlebnis bis an unsere Erschöpfungsgrenze zu gehen. Wenn wir das hinkriegen, haben wir eine gute Chance.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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