Die "Kleinen" wollen den Favoriten einheizen

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Die 44. Auflage der Copa America geht mit altbekannten Favoriten und zahlreichen gefährlichen Außenseitern in Szene.

Gastgeber Chile, der das Fußball-Turnier in der Nacht auf Freitag in Santiago de Chile mit der Partie gegen Ecuador eröffnet, Goalgetter-Manufaktur Kolumbien und Titelverteidiger Uruguay wollen den beiden "Großmächten" Argentinien und Brasilien heftigen Widerstand leisten.

Arsenal-Angreifer Alexis Sanchez und Juventus-Terrier Arturo Vidal sollen Chiles "goldene Generation" mit dem Heimpublikum im Rücken zum ersten Copa-America-Titel des Landes führen.

Bei der WM in Brasilien im Vorjahr setzte Chile unter anderem mit einem Sieg gegen Ex-Weltmeister Spanien und dem unglücklichen Achtelfinal-Aus gegen Brasilien im Elfmeterschießen ein kräftiges Zeichen.

Der Gastgeber ist gut in Form

Chile-Star Arturo Vidal bei seiner liebsten Beschäftigung

Nun ist "La Roja" laut Trainer Jorge Sampaoli sogar noch besser in Form als damals. "Wir haben die Spieler, die weniger Einsatzminuten in ihren Vereinen bekommen haben, auf das gleiche physische und fußballerische Level gebracht, wie diejenigen, die viel gespielt haben. Es ist alles positiv", sagte Sampaoli.

Neben Ecuador, das als einziges südamerikanisches Team in Brasilien 2014 in der Gruppenphase ausschied und in den vergangenen drei "Copas" kein einziges Spiel gewann, matchen sich Bolivien und Mexiko - als Vorbereitung für den CONCACAF-Goldcup (ab 7. Juli) - in Gruppe A.

Titelverteidiger Uruguay befindet sich nach glorreichen Jahren im Umbruch. Mannschaftsstützen wie Angreifer Diego Forlan oder Abwehrrecke Diego Lugano haben ihren Rücktritt aus La Celeste ("die Himmelblaue") erklärt, zudem fehlt Stürmerstar Luis Suarez. Der Champions-League-Finaltorschütze ist nach seinem Biss bei der WM 2014 für neun Bewerbs-Spiele gesperrt worden.

Titelverteidiger Uruguay stapelt tief

Nachdem der "Pistolero" also ausfällt, ruhen die Hoffnungen des Rekordtitelträgers (15 Titel) auf "El Matador" Edinson Cavani. Teamchef Oscar Tabarez stapelte jedoch bereits vorsorglich tief:

"Fußball ist ein Mannschaftssport und die Abstimmung zwischen den Spielern braucht Zeit. Die Copa America ist ein schwieriges Turnier", sagte Tabarez auch in Anspielung auf den hochkarätigen Gruppengegner Argentinien.

Die "Gauchos" kommen mit vielen Superstars, darunter Barcas Lionel Messi, nach Chile. Nachdem seine Mannschaft im Vorjahr im WM-Finale Deutschland denkbar knapp 0:1 nach Verlängerung unterlag, könne das Ziel nun, so Messi, nur der Titel sein. "Es ist lange her seit Argentinien eine Trophäe gewonnen hat, jetzt müssen wir eben die Copa America gewinnen", meinte Messi.

1991 waren die Argentinier nach einem verlorenen WM-Endspiel 1990 in Italien nach Chile gereist und hatten in der Folge die "Copa" geholt. Auch deshalb ist der Kapitän zuversichtlich, dass das von Ex-Barca-Coach Gerardo Martino gecoachte Team den ersten großen Titel seit 22 Jahren gewinnen kann.

"Wir sind an einem speziellen Punkt unserer Karrieren. Wir haben den Triumph knapp verpasst, diese Erfahrungen haben uns noch einmal gestärkt", sagte der viermalige Weltfußballer des Jahres.

Santa Cruz "rockt" immer noch

Doch nur einem gebühren diese Worte: "Ich Roque"

Neben der von Winfried Schäfer betreuten Gastmannschaft Jamaika komplettiert Paraguay die Gruppe B. Der Finalist von 2011 verkraftete die Finalniederlage nicht, aufgrund dreier Trainerwechsel und viel Unruhe im Teamumfeld, werden Altstar Roque Santa Cruz und Co. wie Jamaika nur Außenseiterchancen eingeräumt.

Eigentlich sollte die Copa America 2015 in Brasilien stattfinden. Da das größte Land Südamerikas aber mit der WM 2014 und den Olympischen Sommerspielen von Rio 2016 bereits zwei Mega-Events austrägt, tauschte der achtfache Südamerika-Meister mit Chile die Veranstaltungsrechte für 2019.

Für die bei der Heim-WM im Vorjahr schwer geprügelten Brasilianer geht es um Wiedergutmachung, sie würden das Turnier in vier Jahren gerne als Titelverteidiger in Angriff nehmen, und rechnen sich auch ohne die verletzten Luiz Gustavo, Marcelo und Oscar einiges aus.

Vom WM-Kader, der laut der brasilianischen Sportzeitung "Lance!" für die "größte Schande der Geschichte" gesorgt hatte, sind nur mehr sechs Spieler dabei. Coach Carlos Dunga hat die Mannschaft wieder in die Spur gebracht, seit der WM gab es in neun Spielen ebenso viele Siege.

"Wir haben eine wettkampffähige Selecao, die gleichzeitig versucht, den brasilianischen Ansätzen wie Kreativität, Offensivspiel und Dribbling gerecht zu werden", sagte der 51-jährige Weltmeister von 1994.

Jackson Martinez als Trumpf Kolumbiens

Härtester Gruppengegner könnte Kolumbien sein. Die Überraschungsmannschaft der vergangenen WM baut auf eine Offensivabteilung, die sich wie das "Who is Who" der europäischen Stürmerszene liest: Porto-Goalgetter Jackson Martinez,

Sevillas Matchwinner im Europa-League-Finale Carlos Bacca, der bei der WM verletzt fehlende Radamel Falcao, oder Teofilo Gutierrez (River Plate/19 Saisontore) sollen von Real-Madrid-Star James Rodriguez in Szene gesetzt werden. Während Langzeit-Coach Jose Pekerman im Angriff die Qual der Wahl hat, könnte sich die extrem junge Defensive aber als Achillesferse herausstellen.

Neben Venezuela komplettiert Peru mit Red-Bull-Legionär Yordy Reyna die Gruppe. Weil die allmählich in die Jahre kommenden Leistungsträger, wie Claudio Pizarro, Paolo Guerrero und Jefferson Farfan bei ihren Clubs zuletzt kaum gespielt haben, reist der Halbfinalist von 2011 mit gedämpften Erwartungen nach Temuco.

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