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Tahitis Märchen: Plötzlich 80.000 Zuschauer

Das hätte sich in Papeete sicherlich niemand zu Träumen gewagt: Dass ihr AS Dragon in einem Atemzug mit dem FC Barcelona genannt wird und den gleichen Spitzenwert bei einem großen Fußball-Turnier aufweist.

Das Fußball-Märchen Tahitis macht es möglich.

Beim Confederations Cup in Brasilien stellt der Hauptstadt-Club aus dem Land des Ozeanienmeisters mit zehn Akteuren die meisten Spieler des Turniers - wie der FC Barcelona.

Sieg in der Ozeanienmeisterschaft änderte alles

Die nationale Konkurrenz von AS Tefana muss sich mit einem Vergleich mit dem FC Chelsea begnügen. Je sechs Akteure beider Clubs sind beim WM-Testlauf am Zuckerhut dabei.

Selbst Bayern München folgt da erst weiter hinten. Nur drei Spieler des Champions-League-Siegers sind in Brasilien dabei: Die Gastgeber Dante und Luiz Gustavo sowie der Spanier Javi Martinez.

Tahiti bestreitet den Confed-Cup aber fast ohne Profis. Das "Märchen" begann, als die Toa Aito am 10. Juni 2012 als erstes pazifisches Land die Ozeanienmeisterschaft gewann. Seither ist auf dem Archipel nichts mehr wie es war. Das Amt des Pressesprechers wurde spontan geschaffen, Physiotherapeuten wurden eingestellt, die Spieler erhielten Sonderurlaub.

"Viele waren noch nie auf einem anderen Kontinent"

Nahezu alles, was für die Profis ihrer Gegner völlig normal ist, ist für die Spieler aus dem Südpazifik eine "völlig neue Erfahrung", sagt Trainer Eddy Etaeta und erzählt: "Auf dem Weg hierher sind meine Spieler zum ersten Mal in ihrem Leben Business Class geflogen. Viele waren noch nie auf einem anderen Kontinent oder haben vor der Presse gesprochen. Daher habe ich ihnen gesagt: Ihr erlebt jetzt ein Märchen, aber schnappt nicht über, denn es endet auch wieder. Aber für uns ist das wie im Film."

"Wer wusste vorher schon, dass Tahiti ein Fußballteam hat? Selbst von unseren 200.000 Einwohnern wusste das höchstens die Hälfte und noch weniger interessierten sich dafür. Jetzt haben wir die Gelegenheit, uns überall bekannt zu machen und nicht nur unser Land, sondern den Amateurfußball in aller Welt zu repräsentieren", sagt Steevy Chong Hue.

Der Stürmer schoss beim 1:0-Sieg im Finale über Neukaledonien auf den Salomonen das entscheidende Tor.

Der Sieg war eine Sensation. Hatten bis zu diesem Tag ausschließlich Australien und Neuseeland den Titel unter sich ausgemacht, qualifizierte sich mit Tahiti erstmals eine Amateurmannschaft für ein großes internationales Turnier.

80.000 statt 200 Zuschauer

Beim Confed Cup trifft der Inselstaat, der in der Weltrangliste hinter Syrien und vor Afghanistan auf Platz 139 steht, neben Uruguay und Nigeria auch auf Welt- und Europameister Spanien.

"Als uns bei der Ziehung der Vorrundengruppen die Spanier zugelost wurden, habe ich geschluckt. Als das Los dann auch noch auf das Maracana fiel, musste ich mich setzen", sagt Etaeta.

"Zuhause spielen wir vor 100 bis 200 Zuschauern, in Rio werden es fast 80.000 sein. Da müssen wir aufpassen, dass uns die Atmosphäre nicht lähmt."

An das Niveau der großen Nationen hat sich Tahiti mit Testspielen gegen Jugendteams und unterklassige Mannschaften vorsichtig herangetastet, gegen die U 20-Auswahl Chiles kassierte es letzte Woche eine 0:7-Niederlage.

Nur ein Profi, zehn Arbeitslose

Vom Profifußball sind die Insulaner so weit entfernt wie vom Festland. Einziger Profi ist Marama Vahirua vom griechischen Club Panthrakikos.

Zehn Spieler sind arbeitslos, die anderen verdingen sich als Strandverkäufer, räumen im Supermarkt Regale ein oder führen Touristen über die Insel.

Trainiert wird daher erst nach Feierabend. Während ihres Aufenthalts in Brasilien bekommen die Spieler für den Verdienstausfall eine Entschädigung in Höhe des Mindestlohns.

"Seit drei Monaten verbringen wir jeden Tag zusammen, das hilft uns, Automatismen zu entwickeln. Physisch sind wir auf der Höhe, aber wir werden keine Wunder herbeizaubern können. Wenn das Turnier vorbei ist, kehre ich zurück zu meiner Familie und gehe wieder arbeiten", sagt Jonathan Tehau.

Mit Cousin Teaonui und seinen Zwillingsbrüdern Alvin und Lorenzo bildet der LKW-Fahrer Tahitis sportliches Rückgrat. In der Qualifikation schossen die Tehaus zusammen 15 von 20 Toren.

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