Ein Mann für besondere Heldentaten

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Andres Iniesta ist kein Mann großer Worte.

Andres Iniesta ist ein Mann großer Taten.

Wenn "El Caballero Palido" ("Der blasse Reiter") Cristiano Ronaldo in einem Clasico auffordert, den Mund zu halten, bleibt dies in der kollektiven Erinnerung erhalten.

Und wenn der spanische Teamspieler ein Spiel in den letzen Minuten entscheidet, dann erst recht.

Déjà-Vu der besonderen Art

So geschehen im unvergesslichen WM-Finale 2010 gegen die Niederlande, als er Maarten Stekelenburg vier Minuten vor Ende der Verlängerung bezwang.

Oder eben auch knapp ein Jahr davor im Champions-League-Halbfinale 2009 gegen Chelsea. Passenderweise den kommenden Gegner.

Iniesta ist kein Goalgetter - in 448 Spielen für Barca und die spanische Nationalmannschaft traf er "nur" 48 Mal - er ist ein Mann für die besonderen Momente.

"Das ist Schicksal"

"Ich habe das Glück gehabt, zu bestimmten Zeiten da zu sein und wichtige Tore zu schießen", offenbart der 27-jährige Mittelfeldspieler. "Das ist Schicksal."

Der 6. Mai 2009 war einer dieser schicksalhaften Momente, als sein gezielter Schuss ins rechte Kreuzeck Chelsea ins Tal der Tränen stürzte.

"Iniestazo", nennen sie den Augenblick in Spanien ehrfurchtsvoll. Die Londoner sinnen in der Neuauflage des CL-Halbfinales am Mittwoch auf Revanche.

Bescheidenheit und Kreativität

Iniesta wäre nicht Iniesta, hätte er nicht Verständnis dafür. "In einer anderen Situation wäre der Ball sicher auf der Tribüne gelandet", sagte der begnadete Techniker vor drei Jahren in seiner ihm ureigenen Bescheidenheit.

Der Vater einer kleinen Tochter ist, wie gesagt, kein Mann großer Worte. Dafür lieben ihn seine Trainer ob seiner Kreativität - und seiner Vielseitigkeit.

Bei der Revanche gegen Chelsea dürfte der 1,73 m kleine Offensivspieler am linken Flügel zum Einsatz kommen.

Um sich zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lassen, muss beim introvertierten Barca-Kicker schon einiges passieren. Nach seinem legendären Treffer gegen die Londoner ("Das war ein sehr emotionaler Moment") riss er sich das Trikot vom blassen Körper - ebenso nach seinem Goldtor im WM-Finale von 2010.

Iniesta wurde zum Spieler des Spiels gewählt, als Sinnbild für das spanische Kollektiv, das auch bei Barca die Fäden zieht.

Lebendes Denkmal

Mit zwölf Jahren war Iniesta den Scouts der Katalanen bei seinem Stammverein Albacete aufgefallen.

Dem schüchternen Burschen aus dem 2.000-Einwohner-Dorf Fuentealbilla in der Region Kastilien-La Mancha fiel es schwer, ins 450 km entfernte Barcelona auszuwandern. Er tat es nach einiger Überredungskunst dann doch - zum Glück für alle Beteiligten.

Iniestas Vertrag läuft bis 2015, die festgeschriebene Ablöse beträgt unbezahlbare 200 Millionen Euro.

In Fuentealbilla haben sie ihrem berühmtesten Sohn mittlerweile ein Denkmal gebaut. Wohnhaft ist er in der Andres-Iniesta-Gasse 1.

Dabei wirkt der "Mann aus La Mancha" mit seinem unscheinbaren Wesen - ganz nach dem legendären "Don Quijote", der ebenfalls in der Region beheimatet ist - eher als "Ritter von trauriger Gestalt".

Von "trauriger Gestalt" zum "Bombonverteiler"

Immer wieder musste sich Iniesta in den vergangenen Jahren mit Muskelverletzungen herumschlagen, drohte nach einer verkorksten Saison 2010 sogar die WM-Teilnahme zu verpassen.

Ist er fit, gehört er aber zum absoluten Stamm-Personal beim amtierenden Titelträger.

Schon beim ersten von Barcas drei Champions-League-Triumphen in den vergangenen sechs Jahren war der Eigenbauspieler dabei.

Sein damaliger Trainer Frank Rijkaard taufte ihn übrigens den "Bombonverteiler" - weil er seine Pässe wie süße Zuckerln an die Kollegen verteilt.

 

TV-TIPP: Samstag zeigt LAOLA1.tv "El Clasico" zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid LIVE ab 19:30 Uhr.

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